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Derzeit müsste es im Foyer des früheren Balneologischen Instituts eigentlich "Bauen um zu helfen" heißen, doch es bleibt bei "Forschen um zu helfen".

Eröffnung im Herbst

Balneologisches Institut: Mammutaufgabe Musikschule

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Im Balneologischen Institut, wo die neue Bad Nauheimer Musikschule entsteht, kann entspannter gearbeitet werden. Der starke Zeitdruck, der 2018 aufgebaut worden war, besteht nicht mehr.

Die Bad Nauheimer Musikschule muss ihr bisheriges Domizil in der Rotdornstraße verlassen, das sie sich mit der Dependance der Wilhelmskirchen-Grundschule teilt. Hauptgrund: Das Neubaugebiet Bad Nauheim Süd wird die Schülerzahlen weiter ansteigen lassen und die angespannte räumliche Situation der Grundschule zusätzlich belasten.

Doch so dramatisch, wie sie im Mai 2018 dargestellt wurde, ist die Lage offensichtlich nicht. Damals hatten die Verantwortlichen aus Kreis und Stadt enormen Zeitdruck aufgebaut und den Abschluss der Umbauarbeiten im Balneologischen Institut für Februar dieses Jahres gefordert. Schon zum Schuljahresbeginn 2019/20 sollte die Grundschule das komplette Gebäude in der Rotdornstraße übernehmen.

Wäre es dabei geblieben, müssten die Arbeiten im rund 90 Jahre alten Gebäude am Rand des Sprudelhofs dieser Tage abgeschlossen werden. Diese Vorgabe war aber von Anfang an völlig unrealistisch, wie sich bei einem Besuch der Baustelle zeigt. Dort sind die Firmen – manchmal tummeln sich sechs gleichzeitig – sehr weit von ihrem Ziel entfernt.

Kostenrahmen wird wohl gehalten

Vor einiger Zeit war der Fertigstellungstermin deshalb auf Juli verschoben worden, nun kündigt Jürgen Patscha (Fachbereichsleiter Stadtentwicklung) den Umzug der Musikschule für September an, die Eröffnungsfeier steigt am 19. Oktober. Laut Patscha ist diese Verzögerung kein Problem: "Die Kinder aus dem Neubaugebiet Bad Nauheim Süd kommen ja erst noch." Soll heißen: So eng sieht es mit der Raumkapazität der Grundschule aktuell nicht aus.

Das hat inzwischen offenbar auch die für Schulen zuständige Kreisverwaltung akzeptiert. Wenn die Musikschule die Rotdornstraße verlässt, muss dort ebenfalls umgebaut werden. Erst zum zweiten Schulhalbjahr, etwa im Februar 2020 kann die Grundschule die bisherigen Musikschul-Räume sukzessive übernehmen. "Wir sind dankbar, den Umbau des Instituts ordentlich abwickeln zu können. Der Kostenrahmen dürfte eingehalten werden, es bleibt wohl bei 3,15 Millionen Euro", sagt Bürgermeister Klaus Kreß.

Christian Möller, Architekt und Bauleiter in Personalunion, sowie der zuständige städtische Fachdienstleiter Matthias Mroncz standen auf der Baustelle von Anfang an vor einer Mammutaufgabe. Hauptproblem: Das frühere Forschungsinstitut entspricht in keiner Weise den heutigen statischen Anforderungen. "Es ist eine besondere Herausforderung, die bis zu einer Tonne schweren Stahlträger im denkmalgeschützten Bestand einzubauen", erklärt Möller. Nur im Keller, der einem Souterrain ähnelt, war die Tragfähigkeit ausreichend, im Erd- und Obergeschoss musste komplett nachgerüstet werden.

Kampf gegen Feuchtigkeit

Im Untergeschoss wird ein aufwendiger Kampf gegen Feuchtigkeit geführt. Eine Innenisolierung ist erforderlich, eine Lüftungsanlage wird installiert. Die Barrierefreiheit erfordert einen Aufzugschacht, um den herum eine Treppe gebaut wird. Kopfzerbrechen bereitet den Verantwortlichen zudem, Wände und Decken so zu gestalten, dass Schallschutz und Akustik gewährleistet sind.

Mit dem Denkmalschutz kooperieren Möller und Mroncz problemlos. Die Behörde legt Wert auf den Erhalt historischer Elemente wie Oberlichter und alte Tafelanlage im Konzertsaal (Obergeschoss), von Bodenbelägen oder Holztreppen. Auch die Sanierung dieser Bestandteile frisst etliche Arbeitsstunden. Ebenfalls erhalten bleibt der Spruch, der Besucher im Foyer der künftigen Musikschule empfängt: "Forschen um zu helfen".

Spannende Geschichte

Weiterer Grund für die Bauzeit-Verlängerung ist die aufgeheizte Konjunktur in dieser Branche. Es ist schwierig, Handwerker zu finden, die zu vertretbaren Preisen arbeiten. "Drei Aufträge mussten neu ausgeschrieben werden", sagt Fachdienstleiter Mroncz.

"Das Projekt ist eine spannende Geschichte, das Ergebnis wird sehr schön", ist Fachbereichsleiter Patscha überzeugt. Gleicher Ansicht sind die Fachbereichsleiter der Musikschule, die laut Möller sehr angetan von den Möglichkeiten sind, die ihnen geboten werden. "Das wird eine Supernutzung, die das historische Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich macht", sagt der Architekt.

Info

Konzertsaal als Glanzstück

Das 1927/28 errichtete dreigeschossige Balneologische Institut diente zunächst der Uni Gießen, ab 1989 dem Max-Planck-Institut. Später zogen Mitarbeiter der Landesgartenschau 2010 GmbH ein, danach private Mieter. Im Frühjahr 2018 wurde in dem L-förmigen denkmalgeschützten Gebäude mit zwei Flügeln mit dem Abbruch alter Einbauten begonnen. Im Frühsommer starteten die Firmen Umbau- und Sanierungsarbeiten auf den 1100 Quadratmetern Nutzfläche. Glanzstück wird der Konzertsaal im Obergeschoss, mit Bühne und Platz für 140 Besucher. Die edle Holzvertäfelung der Wände soll rekonstruiert werden. Dagegen wurden laut Architekt Christian Möller Pläne gestrichen, die historische Hörsaal-Bestuhlung wiederherzustellen. Nach Angaben von Fachdienstleiter Matthias Mroncz werden der Musikschule ab Herbst 26 Proben- und Elementarräume zur Verfügung stehen, hinzu kommen Büros. Laute Blechbläser und Schlagzeuger werden ins Untergeschoss "verbannt".

Quelle: Wetterauer Zeitung

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