Bahnhof Bad Nauheim: Gefahr durch Sogwirkung

Bad Nauheim (bk/pm). Wenn Züge durch Bahnhöfe rasen, kann eine gefährliche Sogwirkung entstehen. Nach einem Bericht des ARD-Magazins Kontraste sind dadurch deutschlandweit in den vergangenen fünf Jahren 18 Menschen ums Leben gekommen. Wolfgang Mahr, zuständiger Stadtrat für Prävention und Sicherheit, hat deshalb bei der Deutschen Bahn AG angefragt und nach der Situation im Bad Nauheimer Bahnhof gefragt.

Nach Aussage des ehrenamtlichen Stadtrats war es früher üblich, per Lautsprecherdurchsage zu warnen, wenn ein Zug durchraste. Jetzt gebe es nur noch visuelle Hinweise.

Wie "Kontraste" Anfang des Jahres berichtet hatte, sei es zwischen 2006 und 2010 auf deutschen Bahnsteigen zu 54 Unfällen gekommen, 18 davon seien tödlich verlaufen. Das ARD-Magazin hatte dafür die Sogwirkung verantwortlich gemacht, die entstehe, wenn Personenzüge mit bis zu 200 Stundenkilometern und Güterzüge mit bis zu 120 Stundenkilometern durchfahren. Das Eisenbahnbundesamt hatte die Zahlen zwar bestätigt, es sei aber unklar, ob die Unfälle tatsächlich auf die Sogwirkung zurückzuführen seien.

Die Fernsehjournalisten hatten den Dresdner Aerodynamikforscher Jochen Brechling zitiert, der dringend empfahl, die maximal zulässige Geschwindigkeit beim Durchfahren der Bahnhöfe deutlich zu senken. Die Sogwirkung könne Orkanstärke erreichen. Besonders gefährlich seien Güterzüge, für die Brechling ein Tempo von höchstens 80 Stundenkilometern empfahl. Diesem Rat will die Bahn AG laut "Kontraste" aber nicht folgen, das Unternehmen hält die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen offenbar für ausreichend.

Im Bahnhof Bad Nauheim wurden die früher gängigen Durchsagen bei bevorstehenden Zugdurchfahrten nach Angaben Mahrs durch visuelle Hinweise auf Anzeigetafeln ersetzt. "Wie die Deutsche Bahn AG der Stadtverwaltung mitteilte, wird das mögliche Risiko bei Zugdurchfahrten seit langem anhand eines wissenschaftlichen Modells für jede Bahnsteigkante berechnet. Dieses Verfahren ist vom Eisenbahnbundesamt genehmigt", sagte der Stadtrat.

Der Risikoanalyse zugrunde lägen Daten wie bauliche Situation, Zugfolge, Nutzergruppen und Zuggeschwindigkeiten. Damit werde für jede Bahnsteigkante eine Risikokennzahl ermittelt. Mahr: "Anhand dieser Berechnung sind am Bahnhof Bad Nauheim Warnschilder montiert. Zusätzlich wird auf Zugdurchfahrten in der Fahrgastinformationsanlage visuell hingewiesen." Zudem seien an den Bahnsteigkanten weiße Schrägschraffuren angebracht, diese Flächen sollen aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden. Diese Markierung ist 80 Zentimeter breit, Aerodynamiker Brechling spricht sich für 1,50 Meter aus.

Wie die Bahn AG Mahr weiter wissen ließ, werde die Risikoanalyse wiederholt, wenn sich einzelne Parameter verändern. Sollten sich andere Risikokennzahlen ergeben, werde man beispielsweise "zuggenaue Reisendenwarnungen" einführen. Stadtrat Mahr rät allen Bahnnutzern - insbesondere Kindern und älteren Personen - auf die Anzeigetafeln zu achten sowie bei Zugdurchfahrten ausreichend Abstand zur Bahnsteigkante zu halten.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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