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Scherzhaft spricht Erster Stadtrat Krank von "Folienkunst". Sind die Automaten entkleidet, werden in weiteren Straßenabschnitten Bad Nauheims Parkgebühren fällig. Unser Bild zeigt die Ludwigstraße.

Bewohnerparken

Bad Nauheim: Parksituation im "Dichterviertel" soll sich ändern - Mit Folgen für Pendler und Co.

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Bewohnerparken ist ein heißes Eisen, an dem sich Politiker leicht die Finger verbrennen können. Trotzdem will Bad Nauheims Erster Stadtrat Krank die Aufgabe jetzt anpacken - im "Dichterviertel".

Bad Nauheim - Lächelnd spricht Erster Stadtrat Peter Krank von "Folienkunst". Damit meint er die Parkscheinautomaten, die kürzlich an einigen Stellen in Bad Nauheim - etwa in der Ludwig- und der Frankfurter Straße - installiert wurden, aber verhüllt sind. Daran wird sich vorerst auch nichts ändern, gleichwohl sind sie die Vorboten für das Bewohnerparken, das der Verkehrsdezernent im Herbst im sogenannten Dichterviertel realisieren möchte. Gleich nach der Sommerpause sollen die parlamentarischen Gremien die entsprechenden Voraussetzungen schaffen.

Für 2016 war im Rathaus schon mal angekündigt worden, die Autos von Berufspendlern und Oberstufenschülern aus diesem südlichen Teil der Kernstadt verdrängen zu wollen, um den Anwohnern Vorrang einzuräumen. Doch dann landeten die Pläne wieder in der Schublade, weil eine Verlagerung des Problems in andere Bereiche der Stadt befürchtet worden war.

Parken in Bad Nauheim: Mix aus Gebühr und Parkscheibe

Jetzt hält Verkehrsdezernent Krank den richtigen Zeitpunkt für gekommen. "Im Herbst wird der P + R-Platz Bahnhof Nord wieder komplett zur Verfügung stehen. Dann können Pendler, die bisher im ›Dichterviertel‹ parken, dorthin ausweichen." Ein großer Teil der Stellplätze am Bahnhof ist nämlich seit geraumer Zeit von der Bahn belegt, die dort Materialien für den Bau der Lärmschutzwand lagert. Damit ist bald Schluss. Der frei werdende Parkraum reicht nach Ansicht von Krank aus, um die Bewohner des "Dichterviertels" entlasten zu können.

Erste Anzeichen hatten das Bewohnerparken vor etlichen Monate angekündigt. Damals wurden die Fundamente für die Parkscheinautomaten gegossen. Da der Auftrag von der Baufirma so früh erledigt worden war, entstand allerdings ein Problem. "Damit niemand über die Betonteile stolpert, mussten sie mit Baken abgesperrt werden. Diese Sicherung erforderte ständig zeitaufwendige Kontrolle", erklärt Krank. Deshalb wurden jetzt bereits die Parkscheinautomaten auf die Fundamente gesetzt, obwohl die bisherige Beschlusslage eine Bewirtschaftung dieser Straßenabschnitte gar nicht hergibt.

Parken in Bad Nauheim: Beschlussvorlage nach den Ferien

Das soll sich direkt nach der Sommerpause ändern. Dann wird der Erste Stadtrat eine Beschlussvorlage für eine umfassende Neuordnung der Parkgebührenordnung präsentieren. In dem neuen Bewohnerparken-Gebiet, das in etwa von Ludwigstraße, Bahnhofsallee, Ernst-Moritz-Arndt-Straße, Frankfurter Straße, Eleonorenring und Goethestraße eingegrenzt wird, soll ein Mix aus Bewirtschaftung und Parkscheiben-Regelung entstehen. An den Rändern müssen Parkscheine erworben werden, im Innern des Viertels dürfen Ortsfremde ihre Autos mit Parkscheibe zwei oder drei Stunden lang abstellen.

Die Details bezüglich Gebührenhöhe und Parkdauer werden in Bauausschuss und Parlament beraten. Vorher will Krank bereits Gespräche mit Kliniken in diesem Areal führen. Deren Patienten, Besucher und Angestellte suchen sich bisher ebenfalls kostenfreie Stellplätze im "Dichterviertel".

Nach dem Willen des Dezernenten sollen die Gremien zügig beschließen, damit die Neuregelung im Herbst greifen kann. "Das ist ein steiniger Weg, aber wir müssen ihn gehen." Krank schwebt weiter das große Ziel vor, möglichst alle Pendler auf Großparkplätze wie den am Bahnhof zu lenken. Damit sollen Innenstadt und Wohnviertel von Verkehr entlastet werden. Noch umstrittener als in Sachen "Dichterviertel" dürfte das Bewohnerparken bezüglich des Gebiets rund um die Burgallee sein, wo es ebenfalls vorgesehen ist. Dort erwartet der Erste Stadtrat eine äußerst kontroverse Debatte und lässt sich nicht auf einen Zeitpunkt für die Umsetzung festlegen. Für die vielen Beschäftigten von Läden, Gastronomiebetrieben oder Kliniken in der City, die nach Bad Nauheim einpendeln, fehlt bislang eine Parkplatz-Alternative.

Parken in Bad Nauheim: Einstimmiger Beschluss

Das Bewohnerparken in weiten Teilen der Kernstadt ist ein wichtiger Bestandteil des städtischen Verkehrsentwicklungsplans, den das Parlament im Sommer 2015 einstimmig verabschiedet hatte. Es wurde in diesem Plan mit hoher Priorität gekennzeichnet. Gleichwohl ist diesbezüglich bislang nicht viel geschehen. Die Umsetzung für das sogenannte Dichterviertel hatte die ehemalige Erste Stadträtin Brigitta Nell-Düvel einst für 2016 angekündigt. Obwohl es immer wieder zu Klagen der Anlieger kommt, die keinen Parkplatz in der Nähe ihrer Wohnung finden, wurde das Bewohnerparken auf die lange Bank geschoben. Nell-Düvel-Nachfolger Peter Krank hatte die Umsetzung zunächst für Anfang 2019 angekündigt, jetzt soll es im Herbst so weit sein.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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