+
Auch eine Woche nach dem Abfuhrtermin liegt in der Lutherstraße noch ein Haufen gelber Säcke rum.

Müllabfuhr-Probleme

Gelbe Säcke: Abholung in Bad Nauheim macht Probleme - Entsorgungsfirma äußert sich

  • schließen

Der Inhalt Gelber Säcke ist ein Leckerbissen für Ratten. Diese Erfahrung haben Bad Nauheimer gemacht, als der Verpackungsmüll verspätet abgeholt wurde. Erneut hagelt es Kritik an der Müllabfuhr.

Eine Flut von Beschwerden hat sich rund um Pfingsten über das Bad Nauheimer Rathaus, den Abfallwirtschaftsbetrieb Wetterau (AWB) und die Entsorgungsfirma Weisgerber ergossen. Grund: Die Abfuhr der Gelben Säcke verzögerte sich. In der Kurstadt liegen etliche Säcke immer noch an Straßenrändern, etwa in der Lutherstraße 1-3. "Ich habe fünf Mal Weisgerber, Stadt und Kreis kontaktiert. Vergeblich, obwohl mir von der Firma die Abholung versprochen wurde. Die lügen wie gedruckt", sagt der verärgerte Anwohner Erdal Terzi.

Eigentlich sollten die Säcke am 6. und 7. Juni abtransportiert werden. Am Freitag kam vor Pfingsten starker Wind auf, die Säcke flogen auf die Straße, wurden überfahren, platzten auf. "Das größere Übel sind Nagetiere. Sobald es dunkel wird, kann man mit zusehen, wie Ratten und Marder sich an die Säcke machen", berichtet ein Bewohner der Beethovenstraße.

Gelbe Säcke: Sonderschicht an Pfingstsamstag

Die Angaben der Weisgerber GmbH (Wächtersbach) können viele Bürger nicht bestätigen. Wie Einsatzleiter Sebastian Eberl erklärt, habe sich die Abfuhr nur um einen Tag verzögert. "Unsere Mitarbeiter haben am Pfingstsamstag eine Sonderschicht eingelegt, um alle Säcke einzusammeln." Als Ursache für die Verspätung nennt er Schwierigkeiten in Sortieranlagen. Die Weisgerber-Lkw fahren die Säcke zur Firma Vetter. Von dort aus werden sie zu Sortieranlagen für Verpackungsmüll transportiert. Das hat vor Pfingsten nicht wie gewohnt funktioniert.

Die Gelben Säcke sieht Eberl nicht wirklich als Problem. Mehr Kopfzerbrechen bereitet ihm das Altglas. Seitdem Weisgerber verantwortlich ist, gibt es Beschwerden wegen überfüllter Container. "In Wochen mit Feiertagen kommen wir ins Rotieren", räumt Eberl ein. Beispiel Christi Himmelfahrt: Dieser Tag war arbeitsfrei, danach fiel ein Lkw aus, ein Fahrer meldete sich krank.

Fachkräfte fehlen

Weisgerber setzt dann einen zusätzlichen Mitarbeiter in den Lkw, um neben Containern stehende Flaschen schnell abzuräumen. "In Bad Nauheim haben sich die Standorte Georg-Scheller- und Zanderstraße als besonders problematisch erwiesen. Dort wird nicht alle zwei Wochen, sondern wöchentlich geleert", erläutert der Einsatzleiter. Ohnehin falle in der "gastronomielastigen" Kurstadt ungewöhnlich viel Altglas an. Zuletzt gab es wieder Kritik aus allen Teilen der Stadt. Etwa aus Nieder-Mörlen. Dort fordern Anwohner seit Monaten erfolglos, die Container-Zahl wieder von vier auf sechs zu erhöhen.

Sehr zu schaffen macht dem mittelständischen Unternehmen der Fachkräftemangel. "Der Markt für qualifizierte Fahrer ist leer gefegt", sagt Eberl. Weisgerber beschäftigt etwa 80 Fahrer, gerade die Altglas-Lkw seien nicht so einfach zu handhaben.

Altglas: Manchmal leert der Bauhof

Im Bad Nauheimer Rathaus würden sie die Uhr gerne zurückdrehen. "Die Abfuhr von Rest-, Papier-, Bio- und Sperrmüll erledigen wir selbst. Das funktioniert reibungslos, wir haben mit die günstigsten Gebühren im Kreis", sagt Bürgermeister Klaus Kreß. Privatisierung sei nicht immer die beste Lösung. Auch er muss sich oft mit Protesten befassen, obwohl weder Stadt noch AWB für Altglas und Verpackungsmüll zuständig sind. Mit der Arbeit von Weisgerber ist Kreß nur bedingt zufrieden. "Nach manchen Feiertagen haben wir von der Möglichkeit der Ersatzvornahme Gebrauch gemacht." Reagiere Weisgerber nicht auf Beschwerden, leere der Bauhof Altglas-Container. Der Einsatz wird der Firma berechnet.

Auf diese Möglichkeit verweist auch der stellvertretende AWB-Betriebsleiter Uwe Schmittberger. Er sieht bei Weisgerber ebenfalls Optimierungsbedarf, zeigt aber gewisses Verständnis. Der deutsche Recyclingmarkt wurde neu geregelt. DSD ist kein Monopolist mehr, sondern teilt sich die Verwertung mit anderen Unternehmen. Für die Wetterau ist die Zentek GmbH verantwortlich, die Weisgerber beauftragt hat. "Normalerweise kommt der günstigste Anbieter zum Zug. Weisgerber ist das letzte Glied in der Kette", sagt Schmittberger. Groß ist deshalb der wirtschaftliche Druck. Der Betrieb setzt weniger, aber größere Lkw ein und hat die Zahl der Container reduziert.

Laut AWB läuft der Vertrag mit Weisgerber drei Jahre. 2020 erfolge eine Neuausschreibung für die Zeit ab 2021.

Direkter Draht

Vor Pfingsten wurde in einigen Bezirken in Friedberg der Müll nicht abgefahren. Bürger meldeten sich im Rathaus. Die Mitarbeiter gaben die Infos an die Entsorgungsfirma weiter. Dieser (Beschwerde-)Weg soll künftig effektiver werden. Die Stadt veröffentlicht auf ihrer Internetseite die Kontaktadressen der Firmen: Firma Remondis in Büdingen (Restmülltonnen, Biotonnen. Tel. 0 60 42/96 11-0; E-Mail: service.buedingen@remondis.de) und Firma Weisgerber in Wächtersbach (Papiertonnen, Einsammeln von Sperrmüll, Grünabfällen und Gelben Säcken, Altglas, Hotline 08 00/2 27 83 36, Tel. 0 60 53/70 68 90, E-Mail:dispo@weisgerber-umweltservice.de. (jw)

Dieser Artikel könnte Sie auch interessieren: 

Unfall: Mann überfährt seine Ehefrau - tödliche Verletzung

Tragischer Unfall in Gedern: Beim Ausfahren aus einer Einfahrt hat ein 78-Jähriger am Dienstagmorgen seine Ehefrau überfahren. Sie starb bei dem Unfall.

Quelle: Wetterauer Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare