Anbau ans Hotel Dolce: Finanzierung erweist sich als Problemfall

Bad Nauheim (bk). Es war offenbar ganz dringend: In rasantem Tempo hatten die parlamentarischen Gremien im Frühjahr 2008 die Erweiterung des Bebauungsplans "Kurhaus/Kurhotel" beraten und beschlossen, um damit die Grundlage für den Ausbau des Hotels Dolce zu legen. Seit gut zweieinhalb Jahren existiert Baurecht, getan hat sich seitdem nichts, die Pläne des Dolce-Managements sind fast in Vergessenheit geraten.

Einzelne Stadtverordnete hatte damals zwar gemurrt, weil die Zeit zur Diskussion und Prüfung nicht ausreichend sei, die Mehrheit war aber der Argumentation von Bürgermeister Bernd Witzel und der Stadtverwaltung gefolgt, die das Bauprojekt als eilbedürftig eingestuft hatten. Der Eindruck, die Hotel-Geschäftsführung habe kein Interesse mehr an einer Erweiterung, ist nach Aussage von Direktor Michel Prokop vollkommen falsch: "Wir arbeiten weiter mit Hochdruck an der Sache, durch die Auswirkungen der Finanzkrise haben sich die Verhandlungen mit den Banken aber als äußerst schwierig erwiesen." Eine Baugenehmigung liege vor, in diesem oder im nächsten Jahr soll die Realisierung des 100-Betten-Anbaus in Angriff genommen werden.

Prokop will die Grundlagen für den Baubeginn im ersten Halbjahr 2011 legen. "Bis zum Anfang des zweiten Quartals sollte eine Klärung herbeigeführt worden sein", sagt der Chef des Bad Nauheimer Dolce. In den letzten beiden Jahren sei es problematisch gewesen, bei den Banken einen Kredit zu bekommen. 2011 schätzt Prokop die Verhandlungsvoraussetzungen optimistischer ein. Aufgrund des Wirtschaftsaufschwungs dürften sich auch die Perspektiven der Banken ändern. Nach Angaben von Bürgermeister Witzel müssen in den Neubau mehrere Millionen Euro investiert werden.

Belegung von über 70 Prozent

Für dringend erforderlich hält Prokop die Erweiterung nach wie vor: "Wenn es nach mir ginge, würde der Anbau bereits stehen." Die vorhandenen 159 Zimmer des Kongresshotels reichen nach Aussage des Hoteldirektors nicht aus, um alle Wünsche von Tagungsorganisatoren erfüllen zu können. Vor allem bei größeren Veranstaltungen dieser Art komme es immer mal wieder zu Engpässen. Und der Zulauf sei ungebrochen. Prokop: "Selbst in den Krisenjahren 2009 und 2010 hatten wir eine hervorragende Belegung von durchschnittlich über 70 Prozent." Der Anbau sei deshalb fest eingeplant, ein Zeitpunkt für den Baubeginn könne aber derzeit nicht genannt werden. Der Manager hofft, dass die Bagger in diesem Jahr anrollen können, etwa 16 Monate später soll das Gebäude schlüsselfertig stehen.

Die Pläne für einen vierstöckigen Anbau waren im Herbst 2006 erstmals öffentlich geworden. Schon damals hatten Prokop und Bürgermeister Witzel das Vorhaben als dringlich bezeichnet. Widerstand vonseiten der Politik gab es zunächst nicht. Die Einleitung des Verfahrens, mit dem der Bebauungsplan erweitert werden sollte, wurde 2006 einstimmig beschlossen.

Erst als erhebliche Bedenken des Landesamtes für Denkmalschutz bekannt wurden, mehrten sich die kritischen Stimmen in den Fraktionen. Letztlich votierten 3 B und Grüne gegen den Anbau, auch die Liste WIR positionierte sich eindeutig gegen das Projekt. Gleichwohl wurde der geänderte B-Plan Ende April 2008 mit deutlicher Mehrheit abgesegnet.

"Hinterhofatmosphäre"

Aufgrund der Kritik aus den Reihen der Denkmalschützer war das Konzept zuvor geändert worden: So wurde die Höhe der Dachoberkante des Anbaus, der im Nordteil des Hotel-Geländes parallel zur steinernen Laube (Arkadengang) errichtet werden soll, auf maximal 13,50 Meter festgelegt. Ursprünglich waren 21 Meter vorgesehen.

Trotz dieser Überarbeitung des B-Plans hatte der Denkmalschutz zunächst an seiner Kritik festgehalten. Wie es in der damaligen Stellungnahme der Behörde hieß, werde das historische Erscheinungsbild durch den Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft zur steinernen Laube erheblich gestört. Der Blick durch die Arkaden auf die Fassade des Neubaus werde einer "Hinterhofatmosphäre" gleichen, bemängelten die Denkmalschützer.

Und weiter: "Bei der Beobachtung des etwa dreijährigen Planungsprozesses konnte bedauerlicherweise bislang beim Träger der Planungshoheit keine Intention bemerkt werden, die denkmalpflegerischen Belange ernsthaft in das städtebauliche Leitbild oder Konzept einzubeziehen."

Die Stadtverwaltung hatte auf diese Stellungnahme mit einer umfangreichen Entgegnung geantwortet und die Argumente der Denkmalschützer zurückgewiesen. Die vom Landesamt gemachten Vorschläge für andere Anbau-Standorte, wurden als nicht realisierbar abgelehnt. Der Chef der Landesdenkmalpflege, Prof. Gerd Weiß, wies damals auf die Möglichkeit seiner Behörde hin, Einfluss zu nehmen, wenn Dolce den Bauantrag stelle. Kämen Kreisbauamt und Denkmalschutz nicht auf einen gemeinsamen Nenner, müsse letztlich das zuständige Ministerium über das Projekt entscheiden. Auch die Stadtverwaltung rechnete damals mit erheblichen Problemen bei der Genehmigung des Bauantrags, eine juristische Auseinandersetzung sei zu erwarten.

Dazu ist es offenbar nicht gekommen. Wie Hoteldirektor Prokop jetzt erklärt, liege die Baugenehmigung vor, der Hotelerweiterung stehe nichts mehr im Weg.

Dolce-Ausbau: Genehmigung nur noch Formsache

Quelle: Wetterauer Zeitung

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