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Äpfel, Nüsse und Beeren: Bad Nauheim wird zur »Essbaren Stadt«

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Paula Preiß freut sich über die Pflanzkübel mit Obst und Gemüse, die sie mit der FDP-Fraktion anregte. © Petra Ihm-Fahle

Sattes Grün ziert die Bushaltestellen gegenüber dem Aliceplatz - dort und an anderen Stellen in Bad Nauheim wächst seit Kurzem Obst und Gemüse. Anfänglich war die Idee auf Skepsis gestoßen.

Im Herbst beantragte Paula Preiß (FDP) in der Stadtverordnetenversammlung, Bad Nauheim zur »Essbaren Stadt« zu machen. Als Vorbild nannte sie die Kommune Andernach in Rheinland-Pfalz (diese Zeitung berichtete). Lächelnd schaut sich die 23-Jährige nun das Gemüse auf den Pyramiden am Aliceplatz an. Die Beete findet sie gelungen: »Es ist ansprechend bunt und sommerlich.« Wie sie bekennt, hätte sie sich gleichwohl eine umfangreichere Ausführung gewünscht, denn der Bauausschuss speckte das Vorhaben ab. »Es ist aber schön, dass es überhaupt geklappt hat und die Idee umgesetzt wurde«, sagt sie. Dass der Antrag nicht direkt abgelehnt wurde, war auch den Grünen und der SPD zu verdanken, die gegen den Koalitionspartner CDU gestimmt hatten.

Im Bauausschuss vertritt ihr Fraktionskollege Jochen Ruths die FDP. Dort machten ihm die Vertreter der Regierungskoalition klar, dass der Antrag, wie er auf dem Tisch lag, zu weitreichend und kostenintensiv sei. Keine »Essbare Stadt«, sondern »Erlebbares Grün« beschloss insofern das Gremium. Zehn Stationen gibt es insgesamt (siehe Info). Gemüse steht außer an der Bushaltestelle am Aliceplatz in Nieder-Mörlen bei der Kita an der Christuskirche. Ansonsten beschränken sich die Pflanzungen auf Äpfel, Nüsse und Beeren. Was fehlt, sind Beschilderungen, am Aliceplatz sollen sie kommen.

»Wir würden das Ganze gerne ausbauen, hatten auch vorgeschlagen, mit dem Jugendbeirat zusammenzuarbeiten und dem Ortsbeirat Nieder-Mörlen«, so Preiß. Gewünscht hätte sie sich eine Umsetzung über die ganze Stadt hinweg, auch in den Ortsteilen und im Kurpark. »So wie es Andernach auch tut. Die haben einen großen Garten angelegt und so würden wir es auch gern machen und auch die Bürger einbeziehen.«

In der Presseerklärung, mit der das Rathaus die Bepflanzung neulich vorstellte, fand die FDP keine Erwähnung. Das ärgerte die Liberalen. »Wir freuen uns, dass wir Bürgermeister Klaus Kreß überzeugen konnten, aber wir finden es doch befremdlich, dass er sich mit fremden Federn geschmückt hat«, erklärt die junge Politikerin. In dem Text habe es beispielsweise geheißen, der Bürgermeister löse »seinen Wetteinsatz für die Klimawette ein«. Damit habe die »Essbare Stadt« jedoch nichts zu tun.

Kreß weist die Vorwürfe gegenüber dieser Zeitung zurück. »Der Wetteinsatz zur Klimawette bezieht sich auf die begrünten Bushaltestellen, das geht aus der Pressemitteilung hervor.« Dies habe zunächst nichts mit der »Essbaren Stadt« zu tun. »Kontext ist die Klimawette im letzten Jahr, die wir nicht gewonnen haben. Mein Wetteinsatz war die Begrünung der Bushaltestellen am Aliceplatz. Dies hat das Team der städtischen Grünpflege umgesetzt.« Dem Beschluss des Bauausschusses von Januar folgend, habe die Stadt dort Pflanzen integriert, die die Geruchs- und Geschmackssinne anregen sollen. Der Beschluss zur »Essbaren Stadt« geht laut Kreß zwar auf den FDP-Antrag zurück, sei allerdings eine Weiterentwicklung dessen. »Er bindet die Stadt, auf kostenneutrale Weise ›erlebbares Grün‹ in das Stadtbild zu integrieren. Überdies sei der Hinweis gestattet, dass der FDP-Antrag das Konzept der ›Essbaren Stadt‹ in Andernach als Vorlage hatte«, fügt der Bürgermeister hinzu.

Tomaten brauchen zu viel Wasser

Sei’s drum - aber wieso so wenig Gemüse und so viele Beerensträucher? Laut Frank Ludwig, Fachdienstleiter für die Park- und Grünpflege, hat das etwas mit der Bewässerung zu tun. »Tomaten und Salat brauchen zu viel Wasser, es muss ja auch pflegbar sein.« Das Obst komme mit weniger aus. Im Gesundheitsgarten etwa ist eine schöne Vielfalt zu sehen. »Wir haben vier Sorten Äpfel in diesem Park, fünf Sorten im Süd- und fünf im Goldsteinpark«, erklärt Marlon Ordel, Teamleiter für die Park- und Grünpflege. Außerdem gibt es an allen Standorten Beeren. Fachdienstleiter Ludwig hält es für denkbar, das Projekt nach einer ein- bis zweijährigen Beobachtungszeit auszubauen.

»Mehr geht immer«, sagt Bürgermeister Kreß. Die Obst- und Gemüsepflanzungen in Bad Nauheim seien aber deutlich mehr als in anderen Städten und Kommunen.

Wo es Obst und Gemüse zum Zugreifen gibt

Kita an der Christuskirche in Nieder-Mörlen (Margarethenstraße/Auf den Goldäckern): Zwei Kübel mit Kräutern und Gemüse wie Zucchini, Petersilie

Kita Sonnenhügel in Rödgen (Wettertalstr. 16): Pflanzkübel mit Basilikum, Tomate, Gurke.

Wohngebiet Goldstein (Grünzug zwischen Rohrweihen- und Merlinweg): Sträucher mit Stachel- und Johannisbeeren

Waldspielplatz (Fläche mit neuen Bäumen): Unterpflanzungen mit Haselnuss, Holunder und Johannisbeere

Gesundheitsgarten (am »Summstein«): Apfelbäumchen, Stachel- und Johannisbeeren sowie im Bereich Elisabethhaus: Himbeeren und Apfelbäumchen.

Goldsteinpark (hinter der Hütte der Goldsteinfreunde, liegt neben Kiks-up-Haus): Äpfel und Stachelbeeren

Südpark (Rand der Wiese nahe Teich und Triton-Brunnen, Richtung Hotel Neuhöfer): Apfel-Halbstämme und Himbeeren

Bleiche (auf der Rasenfläche): Apfelbäumchen und einige Beerensträucher, teilweise durch Vandalen beschädigt

Parkstraße, (Bushaltestelle Alicegarten): Tomaten, Basilikum, Mangold, Borretsch, Paprika, Kapuzinerkresse und Erdbeeren in den Pflanzpyramiden, sowie Spalierobst (Äpfel) in den Pflanzkübeln

Taxistand an der Dankeskirche: Erdbeere, Johannisbeeren und Stachelbeeren

Bahnhofsallee (Nach- beziehungsweise als Zwischenpflanzung für Platanen): Apfel- Zwetschen- und Birnbaum. ihm

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hed_Essbare_Stadt16_0707_4c © Petra Ihm-Fahle
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hed_Essbare_Stadt12_0707_4c © Petra Ihm-Fahle

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