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Einige Badezellen haben Gunnar Bolsinger (l.), Peter Schulze und die anderen TAF-Aktiven bereits geräumt. Sie rechnen damit, das Badehaus 2 Ende des Jahres endgültig verlassen zu müssen.

Auszug Ende 2019?

Abschied von Badehaus 2 fällt dem TAF schwer

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Vor 30 Jahren wurde das Theater Alte Feuerwache gegründet, seit 20 Jahren besteht die Spielstätte im Badehaus 2. Doch das TAF hat kaum Zeit zum Feiern. Ein tiefgreifender Umbruch steht bevor.

Gunnar Bolsinger kann sich noch gut erinnern, als er 1999 das Badehaus 2 im Bad Nauheimer Sprudelhof zum ersten Mal besichtigt hat. "Überall lag Gerümpel rum, an acht Stellen hat es reingeregnet. Der Boden war von einer Dreckschicht bedeckt", erzählt der TAF-Vorsitzende. Aktive und Fördermitglieder des Theaters Alte Feuerwache ließen sich nicht abschrecken. In mühevoller ehrenamtlicher Arbeit räumten sie auf, reinigten und reparierten. Aus dem verkommenen Jugendstil-Gebäude wurde der Vereinssitz und die städtische Spielstätte. Bald heißt es Abschied nehmen - für viele Mitglieder eine Zäsur.

Die Notwendigkeit des Umzugs ist seit langem bekannt, denn das Badehaus 2 wird Teil der neuen Therme. Einwände vonseiten des TAF gibt es nicht. "Badekultur schlägt darstellende Kultur. Dafür haben wir Verständnis", sagt Bolsinger. Der Sprudelhof soll Heimstatt bleiben, das Theater möchte Teil des geplanten Kulturzentrums im Badehaus 3 werden. "Einen politischen Beschluss für den Neubau einer Spielstätte anstelle des alten Behälterraums gibt es ja schon. Wir hoffen, in zwei, drei Jahren zurückkehren zu können", betont Peter Schulze, der dem Förderverein Freunde des TAF vorsitzt. Er und Bolsinger gehen davon aus, das Badehaus 2 Ende des Jahres verlassen zu müssen. Einige Badezellen wurden bereits geräumt.

Kirche als Übergangslösung?

Was wird aus dem TAF während der Bauphase? Das ist immer noch nicht endgültig klar. Laut Bolsinger haben sich die Verantwortlichen einige Objekte in der Stadt angeschaut. "Die wahrscheinlichste Variante ist eine vorübergehende Nutzung der Johanneskirche. Gespräche zwischen Stadt und Kirchengemeinde laufen." Optimal sind die Voraussetzungen dort nicht, wie sich bei einer Aufführung des Brecht-Stücks "Mutter Courage" gezeigt hat. Eigentlich reicht der Platz nicht aus. So mussten die Toiletten als Umkleidekabinen dienen, Klos wurden im Freien aufgestellt. Doch für ein paar Jahre sollte es gehen.

Der Bahnhof, den die UWG gerne für Kultur nutzen würde, ist aus TAF-Sicht keine Option - weder als Übergangs- noch als Dauerlösung. "Wenn dort ein Zug durchfährt, versteht man sein eigenes Wort nicht mehr. Zurzeit sind es 50 Güterzüge pro Tag, in zwei Jahren werden es 150 sein", sagt Peter Schulze. Lärm und Erschütterungen ließen Theateraufführungen in der ehemaligen Bahnhofsgaststätte nicht zu.

Rückhalt in vielen Fraktionen

Möglicherweise könnte das Problem durch Umbauten gelöst werden, das würde aber eine extrem hohe Summe verschlingen. Grundsätzlich sind die TAF-Leute froh, dass sich die Freien Wähler Gedanken um die Spielstätte fürs Theater und die städtische Kleinkunstreihe machen. Gleichzeitig ist Bolsinger verwundert: "Kein UWG-Vertreter hat mit uns über den Vorschlag eines Kulturbahnhofs gesprochen."

Das TAF hofft auf eine Umsetzung des Konzepts für ein Kulturzentrum im Sprudelhof. Ein endgültiger Beschluss des Parlaments steht allerdings noch aus, belastbare Zahlen bezüglich Investitionen und Unterhaltskosten liegen derzeit nicht vor. "Wir wollen Theater machen und stellen keine Forderungen. Die Stadt zahlt schließlich die Zeche", sagt Bolsinger. Allein der Spielstätten-Neubau wird 2,4 Millionen Euro verschlingen, laut UWG deutlich mehr. Hinzu kommen Ausgaben für den geplanten Umzug der Stadtbücherei ins Badehaus 3 und die Einrichtung eines Jugendstilzentrums.

Enge Partnerschaft

Die TAF-Verantwortlichen geben sich bescheiden, wissen aber um den Rückhalt in vielen Fraktionen. CDU, SPD, Grüne und FDP haben sich klar fürs Kulturzentrum inklusive Spielstätte ausgesprochen. Aufgrund seines Einsatzes - auch für die Wetterauer Schultheatertage - und seiner Erfolge ist das TAF aus der Bad Nauheimer Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken. Im Lauf der Jahre gab es etliche Auszeichnungen, zuletzt den Ehrenamtspreis der SPD Hessen Süd. Aktuell ist der Verein für den Deutschen Engagementpreis nominiert worden.

Vor 30 Jahren gegründet, seit 20 Jahren im Badehaus 2 - das Theater Alte Feuerwache (TAF) hat zwei Gründe zum Feiern. 1999 war der Umzug ein Abenteuer. Etliche Stunden ehrenamtlicher Arbeit wurden investiert, um aus dem maroden Jugendstil-Gebäude eine Spielstätte zu machen. Neben dem TAF nutzt die Stadt die Bühne für ihre Kleinkunstreihe, nicht vergessen werden dürfen die Wetterauer Schultheatertage. "Wir stellen für alle Veranstaltungen die Technik, kümmern uns um die Pflege des Badehauses. Dadurch spart die Stadt eine Menge Geld", sagt Peter Schulze, Vorsitzender des TAF-Fördervereins. Im Theater-Verein sind 30 bis 50 Leute im Alter zwischen 9 und über 80 Jahren regelmäßig aktiv - auf der Bühne, als Techniker oder organisatorisch. "Im Lauf der drei Jahrzehnte dürften es 350 Aktive gewesen sein", schätzt TAF-Vorsitzender Gunnar Bolsinger. Er freut sich über die enge Partnerschaft mit dem Rathaus und hofft auf eine Fortsetzung.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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