Ein schwimmender Biber ist selbst auf größere Entfernung gut an den Bugwellen erkennbar. Nur der obere Teil des Kopfs und die Schultern schauen aus dem Wasser. Mit ein wenig Glück und Geduld kann man die Tiere abends bei der Futtersuche beobachten. FOTOS: LAURA ESSER
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Ein schwimmender Biber ist selbst auf größere Entfernung gut an den Bugwellen erkennbar. Nur der obere Teil des Kopfs und die Schultern schauen aus dem Wasser. Mit ein wenig Glück und Geduld kann man die Tiere abends bei der Futtersuche beobachten. FOTOS: LAURA ESSER

Abends kommt der Biber raus

  • vonLaura Eßer
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Bad Nauheim(leo). Wer sich derzeit abends am großen Kurparkteich aufhält, könnte Bekanntschaft mit einem kleinen Bad Nauheimer Star machen. Oder zumindest mit seinen Familienmitgliedern. Die Rede ist von Biberdame Molly. Zuletzt war es ungewöhnlich ruhig um die Kurparkbiber. Grund dafür ist nicht, dass es keine Biber mehr gibt; es gibt nur weniger Besucher, die sie sehen könnten.

Weil coronabedingt viele Leute zu Hause blieben, gab es im Frühjahr keine Meldungen zur werdenden Bibermutter, die in den vergangenen Jahren ihren Babybauch am hellichten Tag durch den Park schleppte. Jetzt im Sommer sind die Teichufer an vielen Stellen zugewachsen und erschweren den Überblick. Selbst wer sich gezielt auf Spurensuche begibt, muss schon sehr genau hinschauen, um Hinterlassenschaften der großen Nager zu finden.

Frische Fraßspuren sind oft tief im Gebüsch versteckt, die Trampelpfade an den Ufern im dichten Gestrüpp schwer zu sehen. Große Fällungen gibt es keine. Das bedeutet aber nicht, dass die Biber nicht aktiv sind, ganz im Gegenteil. Gerade der Pflanzenreichtum lockt die Vegetarier an die Ufer und lädt zum entspannten Verweilen ein. Vorbeikommende Spaziergänger stören die Tiere viel weniger als zu Zeiten, zu denen sie kaum Schutz im Dickicht finden.

Manchmal kann man einen Biber nur wenige Schritte entfernt im Schilf hören, wie er mit seinen kräftigen Nagezähnen die dicken Stängel bearbeitet. Die Tiere sind oft auch gut zu sehen. Schon am frühen Abend vor Einbruch der Dämmerung verlassen sie den Bau auf der Insel und begeben sich auf Nahrungssuche.

Beliebt sind dabei die Flachwasserzonen an den Ufern, die von hohem Schilf bewachsen gute Deckung bieten. Hier sitzen die Biber mitten in ihrer Mahlzeit und brauchen sich das Futter nur ins Maul zu schieben. Von den Angelstegen aus können sie oft gut gesehen werden. Die beiden Stege auf Höhe der Inseln bieten zudem gute Möglichkeiten, vorbeischwimmende Biber zu sichten oder die Tiere an den Ufern der Insel zu beobachten.

Es kann auch vorkommen, dass Tiere nur wenige Meter entfernt an ihren Beobachtern vorbeischwimmen. Die Kurparkbiber kennen Menschen und scheuen sie nicht, solange die Zweibeiner sich ruhig verhalten. Neugierig sind vor allem die kleinen Biber, die für das Klickgeräusch einer Kamera ein Stückchen näher kommen oder einen Moment verweilen. Die etwa drei Monate alten Jungtiere erkunden interessiert ihren Lebensraum, und dazugehören nun mal auch Menschen mit ihren Gerüchen, Geräuschen und Bewegungen.

Solange die Biber im Wasser sind und jederzeit den Rückzug antreten können, fühlen sie sich sicher. Wird es ihnen zu viel, tauchen sie geschmeidig ab. Nur ein erschrockener Biber macht ein riesiges Getöse und verschwindet mit einem heftigen Klatscher seines breiten, flachen Schwanzes.

Für ungeübte Beobachter ist es manchmal gar nicht so einfach zu erkennen, ob da nun ein Biber schwimmt oder nicht. Da andere schwimmende Wassersäuger wie Bisam oder Mink aber deutlich seltener an den Teichen zu sehen und zudem auch viel kleiner sind, ist die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich einen Biber entdeckt zu haben, hoch.

Zwei Neugeborene bereits gesichtet

Ein schwimmender Biber ist selbst auf größere Entfernung gut an den großen Bugwellen erkennbar. Nur der obere Teil des Kopfs und die Schultern schauen aus dem Wasser. Geht das Tier dann irgendwo ans Ufer, kann man es erst in seiner ganzen Pracht bewundern. Im Wasser ist kaum erkennbar, was für ein ausgemachtes Dickerchen so ein Biber ist.

Selbst die Jungtiere, die noch deutlich kleiner als ihre vorjährigen Geschwister oder Eltern sind, sind schon ziemlich kräftig. Zwei kleine Biber wurden bisher gesichtet, außerdem mindestens zwei Jungtiere aus dem letzten Jahr. Diese werden nächstes Jahr abwandern und sich auf die Suche nach einem eigenen Revier machen. Die Anzahl der im Kurpark ansässigen Biber bleibt somit relativ konstant und liegt bei schätzungsweise sechs bis sieben Tieren. Die Chancen, einem von ihnen zu begegnen, stehen also gar nicht schlecht.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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