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Altenstadt: Wenn die Mülltonne voll bleibt - Wer ist zuständig?

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Von: Jürgen W. Niehoff

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Fast eine ganze Woche hat der Oberauer Dirk Steding auf die Entleerung seiner Mülltonne warten müssen. FOTO: NIEHOFF © Jürgen W. Niehoff

Wer ist zuständig, wenn es mit der Müllabfuhr wieder einmal nicht klappt? Eine Frage, die sich viele Bürger immer öfter stellen müssen. Ein Oberauer hat da auch so seine Erfahrungen gemacht.

Liegt es an den Auswirkungen der Corona-Krise oder daran, dass die Müllberge immer größer werden? Oder wird womöglich aus Kostengründen am Personal gespart? »Ich kann Ihnen darauf keine Antwort geben«, meint Dirk Steding aus dem Altenstädter Ortsteil Oberau genervt. Er hat sich in der vergangenen Woche die Finger fast wund getippt auf seinem Handy und nach seiner Darstellung unzählig viele Ausreden anhören müssen. Dabei wollte er doch nur seine gelbe Tonne, voll mit Plastikmüll, entsorgen lassen.

Am Montag vergangener Woche wäre nach dem Abfallkalender seine Straße im Ortsteil Oberau, die Töpferstraße, mit der Entsorgung der Gelben Tonne an der Reihe gewesen. »Den Montag habe ich verstreichen lassen, weil die Entsorgung in letzter Zeit sogar schon mal bis in die Abendstunden erfolgt ist«, berichtet Steding.

Mülltonnen in Altenstadt: Vom Kreis zum Dualen System

Als bis Dienstagnachmittag noch immer nichts geschehen war, »habe ich im Rathaus angerufen und wurde sehr freundlich darauf hingewiesen, dass für die gelbe Tonne der Wetteraukreis zuständig sei«. Doch auch der Anruf in Friedberg beim Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Wetteraukreises war vergebens. »Nein, für die gelbe Tonne ist das Duale System der Abfallwirtschaft zuständig. Von dort werden die Aufträge an Entsorgungsfirmen erteilt«, lautete die Antwort. Selbst den Namen des Sachbearbeiters wollte man Steding nicht verraten. Man sei ja schließlich nicht zuständig.

Also wandte sich der inzwischen mehr als genervte Oberauer an die Entsorgungsfirma Remondis nach Büdingen. Dort sprach man sofort von einem Versehen und dass die Entleerung in seiner Straße umgehend erfolge. Auch die für Abfallentsorgung zuständige Mitarbeiterin im Altenstädter Rathaus, Jessica Alles, hatte mittlerweile bei Remondis angerufen und sich nach der Ursache für die in der Töpferstraße ausgebliebene Entsorgung erkundigt. »Wir nehmen so etwas durchaus ernst und versuchen unseren Bürgern zu helfen, wo wir können. Aber in diesem Fall sind uns die Hände gebunden«, schildert die Sachbearbeiterin die Sicht der Gemeindeverwaltung.

Für Steding und seine Nachbarn ist das Stehenlassen der Mülltonnen nicht das erste Mal. Betroffen seien auch die grüne Tonne (Bio-Müll) und die blauen Tonne (Papier). Doch in diesen Fällen sei es nur um allerhöchstens einen Tag Verspätung gegangenen.

Für die Anwohner der Töpferstraße ist die pünktliche Entleerung deshalb so wichtig, weil ihre Straße sehr eng und verwinkelt ist und zusätzliche Hindernisse auf der Straße das Fortkommen unnötig erschweren.

Mülltonnen in Altenstadt: Wenn’s auf der Straße eng wird

»Begegnungs- und Lkw-Verkehr kann da schon gelegentlich zum Problem werden und etwas länger dauern. Zumal die Situation jetzt sogar noch schwierig wird, weil die Bäume an manchen Orten nicht zurückgeschnitten werden und deshalb in die Straße hineinwachsen«, sagt Steding.

Er mutmaßt deshalb sogar, dass manch Fahrer aus diesem Grund lieber einen großen Bogen um seine Straße wählt als sein Fahrzeug von den Ästen verkratzen zu lassen. Es könnte womöglich aber auch sein, dass, wie diese Zeitung von anderen Entsorgungsunternehmen erfahren hat, es vielleicht an Personal mangele. Und zwar nicht, um Kosten zu sparen, sondern weil sich einfach keine Lkw-Fahrer auf Stellenanzeigen zurzeit melden.

Mülltonnen in Altenstadt: Leerung nach fünf Tagen

Woran es bei Remondis liegt, war nicht herauszubekommen, denn die Firma hat trotz mehrfacher Anfragen dieser Zeitung nicht reagiert.

Steding lässt die Suche nach Gründen hingegen völlig kalt: »Dann dürfen sich solche Unternehmen halt nicht an derartigen Ausschreibungen beteiligen«, findet er. Deshalb hat er in den darauffolgenden Tagen auch immer wieder beim Wetteraukreis und bei der Firma Remondis angerufen und um Entleerung gebeten. Und jedes Mal mit demselben Ergebnis: Es sei die umgehende Leerung zugesagt worden, aber nichts geschah. Am Freitag endlich, also fünf Tage später als nach dem Abfallkalender vorgesehen, wurden die Tonnen endlich geleert.

Für die Anwohner ist der Verzögerung deshalb so ärgerlich, weil in der Zwischenzeit Fliegen und Maden die Tonnen in Besitz genommen hatten und deshalb von Hygiene keine Rede mehr sein konnte.

Info: Gelbe Säcke

Am 1. Juni 2021 endete der Übergangszeitraum, in dem gelbe Säcke von der Müllabfuhr noch mitgenommen wurden. Einmalige Mehrmengen können bei den zehn Recyclinghöfen abgegeben werden, wie der Homepage des Abfallwirtschaftsbetriebs des Wetteraukreises zu entnehmen ist.

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