+
Bärbel (Jochen Strunz) ist auf der Suche nach Ehemann Nummer 5 und hat ihn im Publikum gefunden.

Zwei Tanten zum Totlachen

  • schließen

Homberg (nr). Mundart ist lebendig. Und Mundart macht Spaß. Den eindeutigen Beweis lieferte am Wochenende das Mundart-Duo "Bousseldande" aus der Nähe von Wetzlar. Die Homberger Stadthalle war restlos ausverkauft. Es gab keinen Parkplatz mehr rund ums Gebäude und eine lange Schlange schon weit vor dem Einlass. Bürgermeisterin Claudia Blum freute sich über den Erfolg der Veranstaltung ebenso wie die Leiterin des Familienzentrums Christiane Enders-Pfeil sowie ihre Kollegin Ute Bromm.

Um die Begrüßung auch standesgemäß zu gestalten, hatten sie sich mit einer "Offlärer Woase" in Tracht (Nina Mergner) eine Übersetzerin als Verstärkung geholt. Wer des hessischen Dialekts an diesem Abend nicht mächtig war, der war hoffnungslos verloren. Gelacht hat er trotzdem ganz sicher, denn die Stimmung in der Stadthalle erreichte schnell ihren Siedepunkt.

Schon zu Beginn eroberte Bärbel (Jochen Strunz), das "Schirnoos", die Herzen des Publikums. Allen voran das "Ralfche" aus dem Publikum, neben dem sie sogleich auf dem Rollator mit Navi Platz nahm, bereit, ihn als Ehemann Nummer 5 an ihrer Seite zu begrüßen. Katrin (Klaus Wolf) war davon so gar nicht begeistert. Schließlich hat sie schon eine ganze Reihe auf dem "Kirchowed" zu gießen, wenn Madame mal wieder auf Kreuzfahrt ist und sie für die Pflege der vier Verflossenen mit "em dicke Stein uff em Kopp" zuständig ist.

"Erbgut" ist kein Gerümpel

Schon im Sommer beim Seniorennachmittag hatte das Duo mit dem Sketch rund um den eingeheirateten Bauern und seine Magd, die sich von ihm nicht "verkatzemaduckeln" lässt, für Lachsalven gesorgt. In der bis ins kleinste Detail liebevoll gestalteten Bauernstube auf der Stadthallenbühne mit zahlreichen antiquarischen Schätzen gewann die Szene noch an Warmherzigkeit. Und schließlich sind die Anatomie von Menschen und Schweinen nun mal sehr ähnlich und daher wird die Magd auch weiter den Tierarzt bei Gesundheitsfragen zu Rate ziehen.

Doch nicht nur auf der Karnevalsbühne und mit den großen Lachern kann das Duo begeistern. Gerade im nächsten Akt stellten sie ein Höchstmaß an schauspielerischem Können unter Beweis und bestätigten die Tatsache, dass Lachen und Trauern oft nur Sekunden voneinander entfernt liegen. Sohn Jörg und seine Berliner Freundin Verena (Julia Oeffinger) wollen den Speicher bei Oma Lisbett ausbauen, wofür er entrümpelt werden soll.

Das versucht Oma mit allen Mitteln zu verhindern, bis sie schließlich auf der Schnitzbank mit ihrem Sohn ins Gespräch kommt über all die alten Kostbarkeiten, die Verena auf dem Flohmarkt verkaufen will. "Wir wohnen seit Generationen unter diesem Dach, sind nie umgezogen und nicht abgebrannt, da sammelt sich viel an." Im Übrigen sei das kein Gerümpel, sondern "Erbgut". Und das halte man schließlich in Ehren.

Besonders der alte Milchbecher von Bruder Herrmann sorgte für feuchte Augenwinkel. Aus dem "Milchblech" habe der Hermann immer seine Milch getrunken, bis der Brief kam, dass er mit gerade einmal 23 Jahren im Krieg gefallen war. Stille im Saal. Statt auf den Sperrmüll kam dann alles in die Scheune "zur Lina-Gote, da ist Platz".

Keine Melone für die Hühner

Nach einer Pause kehrten Frohsinn und Klamauk zurück auf die Bühne, als Schorsch sich fragte, was der Pfarrer wohl alles aus der Kollekte bezahlt und er sich mit dem "Schatzebobbes" aus der Diakoniestation vergnügt. Zum Abschluss bestellte der trinkfreudige Wüllem mit seiner Frau das Hochzeitsessen für die Tochter, das auch der berliner Verwandtschaft genügen sollte.

Wo die Brautmutter sich "Fleeschbroi mit Einlache" wünscht, da empfiehlt ihr die Wirtin Filet im Blätterteig, "also ean Kuche?" Wüllem leert derweilen die Wacholderflasche.

Von der Melone mit Schinken würde die Verwandtschaft doch nur den Schinken runterfressen "und die Melone kenn mer net emol de Hinkel gewwe, das kenne die net". Mit stehenden Ovationen würdigten die Zuschauer nach dreieinhalb Stunden die Künstler, die ganz sicher nicht das letzte Mal in der Ohmstadt zu Gast gewesen sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare