Die Senke rechts vom Spielgelände der Kindertagesstätte hin zur Mehrzweckhalle und Bauhof soll mit dem Material aufgefüllt werden, das beim Abtragen des Geländes für den Neubau oberhalb der alten Einrichtung anfällt. FOTO: KS
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Die Senke rechts vom Spielgelände der Kindertagesstätte hin zur Mehrzweckhalle und Bauhof soll mit dem Material aufgefüllt werden, das beim Abtragen des Geländes für den Neubau oberhalb der alten Einrichtung anfällt. FOTO: KS

Für zukunftssichere Wärmepumpe

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Ein neuer Kindergarten soll Jahrzehnte genutzt werden können, dafür lohnt es sich zu investieren. In diesem Sinne ließen sich in Gemünden Ausschussmitglieder kürzlich zu den Heizungsvarianten beraten - von Öl bis Wärmepumpen. Und sie erfuhren, mit welcher pfiffigen Idee aus der Bauabteilung die Entsorgung des Erdaushubs niedrig gehalten wird.

Die Zeit drängte. Denn das neue Gebäude-Energie-Gesetz sieht das Auslaufen der Ölheizungen vor. Eine Förderung erfolgt nur, wenn dieses Jahr noch ein Antrag gestellt wird. Deshalb ließen sich die Mitglieder des Bauausschusses von Vertretern des Ingenieurbüros, das den neuen Kindergarten baut und den Altbestand erweitert, in Sachen Heizungsanlagen beraten.

Heizungsanlagen sind generell sehr kostenintensiv, und weil des Projekt insgesamt über drei Millionen Euro kosten wird, hatten die Planer nicht nur umweltverträgliche Optionen parat, sondern auch kostengünstige.

Geringe Kosten für alte Technik

Bei der Variante, dass ein Ölkessel alles beheizt, wäre eine Anlage in der Dimension 70 bis 80 kW nötig. Die Altanlage leistet 45 kW. Eine erweiterte Ölheizung ginge aber nur mit zusätzlicher Solarthermie oder Fotovoltaik.

Außerdem müsste der Öltank erneuert werden. Unter dem Strich ordnete der Planer die Variante als mit niedrigen Kosten verbunden ein, Unsicherheit bestehe allerdings wegen der Unkalkulierbarkeit des Ölpreises, und die Anlage könne nicht als nachhaltig eingeordnet werden.

Alternative könne ein Pelletsheizkessel sein. Allerdings entstünden dann sehr hohe Wartungs- und Reinigungskosten, eine Betreuungsperson müsse täglich da sein, so eine Anlage sei störungsanfällig, und der Heizraum müsse vergrößert werden. Zudem sei unklar, wo die Pellets gelagert würden. Positiv sei zu vermerken, dass der Heizungstyp nachhaltig sei.

Auch eine Wärmepumpe sei umweltfreundlich, ideal mit Fußbodenheizung und biete gute Fördermöglichkeiten, Andererseits gebe es hohe Investitionskosten, und ein neuer Elektrohausanschluss wäre nötig (50 000 Euro, weil der nächste Trafo weit weg ist). Diese Anlage wäre zukunftsorientiert, die Warmwasserbereitung erfolge über zusätzlichen Puffer oder Durchlauferhitzer.

Letztlich stellte der Planer noch die Mischvariante Wärmepumpe mit altem Ölkessel und neuem Öltank vor. Aber die Kesselanlage sei schon 13 Jahre alt. Ein Plus bei der Variante seien nur die geringen Investitionskosten. Aber man könne damit nicht langfristig planen.

Der Planer sprach sich für eine Wärmepumpe mit Zuschüssen aus. Beigeordneter Norbert Krieger (BGG) überschlug die Kosten einer Wärmepumpe: 50 000 Euro koste der Stromanschluss und 69 000 Euro die Wärmepumpe. Bei wenigstens 35 000 Euro Zuschüssen läuft das auf einen Gemeindeanteil von rund 80 000 Euro hinaus. Damit hätte man aber das technisch aktuellste.

Preissteigerungen über vier Prozent

Die Rahmenbedingungen für den Bau haben sich seit dem Architektenwettbewerb vor immerhin fast zwei Jahren nicht verbessert. Jährliche Preissteigerungen von über vier Prozent sind aktuell die Regel. "Jetzt könnte auch mal ausgeschrieben und gebaut werden", regte der Architekt an. 14 bis 15 Monate Bauzeit sind wohl nötig. Diese Diskussion lief vor dem Hintergrund, dass bei einer Förderung das Vorhaben nach 18 Monaten abgeschlossen sein muss.

Neben den Kosten gibt es noch einen weiteren negativen Aspekt: der Fachkräftemangel: Die Erfahrung von Planern lehrt, dass man 20 Heizungsbetriebe anfragen kann, aber die sind alle voll mit Aufträgen, die melden sich nicht, geben nicht mal ein Angebot ab.

Tobias Reitz (BGG) regte an, nicht weiter zu verzögern. Denn 40 000 Euro Zuschuss, die möglicherweise nur teilweise oder nicht kommen könnten, bei einem Projekt von über drei Millionen Euro sei dies 1,3 Prozent und so keine das Vorhaben verzögernde Diskussion wert.

Jürgen Lutz (UBL) unterstützte die Hinweise von Reitz. Veronika Krajewsky-Goralczyk (SPD) sprach sich für die Wärmepumpe aus. Auch ihr Parteikollege Lukas Becker war dafür, weil man zukunftsorientiert handeln sollte.

In der abschließenden Entscheidung sprachen sich die Ausschussmitglieder einstimmig für die Variante mit Wärmepumpe und parallel dazu den Förderantrag aus.

Zum Umbau und der Erweiterung des Spielplatzes wurde informiert, vom neu zu bebauuenden Grundstück oberhalb könne die Erde abgetragen und in die Senke (drei Meter tief) vor dem Bauhof aufgefüllt werden. Stabilisiert werde das mit einer Wand, an der später ein bestehender kleiner Unterstand des Bauhofes zur Ohmstraße hin verlängert werden könnte.

Diese Arbeiten könnten mit KIP-Mitteln vorgezogen werden. Die Hälfte bis zwei Drittel der anfallenden Erde können so einfach verlagert werden. Das spare vor allem Geld, denn die Entsorgung von Erdaushub habe enorme Preise erreicht.

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