Mit Abstand die beste Veranstaltung - 99 Menschen sind zur Zeugnisverleihung in der Aula. FOTO: PM
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Mit Abstand die beste Veranstaltung - 99 Menschen sind zur Zeugnisverleihung in der Aula. FOTO: PM

Abi vom "Zeugnis-Buffet"

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Alsfeld(pm). Als vor gut drei Monaten die Schulen ihre Tore schlossen und noch nicht einmal klar war, ob die Abiturprüfungen überhaupt würden stattfinden können, war der Tag der Zeugnisverleihung wie viele andere Pläne auch ungewiss geworden. Doch nun, am Freitagabend, saßen 84 frischgebackene Abiturienten in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule in der Krebsbach und nahmen die Zeugnisse entgegen. Oder besser gesagt, sie nahmen sie sich selbst vom "Zeugnis-Buffet", das die Schulleitung für sie angerichtet hatte - nur ein Umstand von vielen anderen, die den Schulabschluss in Zeiten von Abstands- und Hygieneregeln zu einem besonderen machten. Dennoch: Die Abiturienten ließen sich das Feiern über ihre bestandenen Prüfungen nicht nehmen und zeigten, wie verantwortlich man das in solchen Zeiten tun kann.

Mit 99 Teilnehmenden - Schüler, Tutoren und Schulleitung - fand die Zeugnisverleihung statt. In einer schulinternen Umfrage hatten sich die Absolventen klar dafür ausgesprochen, diesen Termin als Jahrgang gemeinsam zu begehen und dafür schweren Herzens auf die Anwesenheit Angehöriger verzichtet. Für diese wurde das Geschehen per Kamera festgehalten, Redner waren per Videobotschaft zugeschaltet, und die kleine, auch instrumental abgespeckte Band bestand nur aus Abiturienten.

Studienleiterin Doris Roth begrüßte die Absolventen mit einer gut gelaunten Rede, in der sie als Erste ihre Wertschätzung für diesen Jahrgang zum Ausdruck brachte, der an diesem Tag nicht nur sein Abitur feiern könne, sondern der auch Konsequenz, Durchhaltevermögen, Flexibilität und Disziplin gezeigt habe. "Und dabei habt ihr nie die gute Laune verloren, dankte Roth ihnen für ihre Kooperationsbereitschaft.

"Ihr seid die Helden der Stunde", rief Bianca Eichenauer, Vorsitzende des Schul- elternbeirats, per Bildschirm den Absolventen zu. Das Corona-Thema solle dieses Ereignis nicht bestimmen, sondern die Erinnerung an geschmierte Pausenbrote, nachgelieferte Turnbeutel und zahllose Taxifahrten.

"Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag, an dem du die hundertprozentige Verantwortung für dein Tun übernimmst." Mit diesem Zitat von Dante Alighieri stieg Schulleiter Christian Bolduan in das Schlüsselthema seiner Abschiedsworte ein: Die Schüler hätten sich vor Jahren auf den Weg gemacht, Verantwortung für ihr Lernen zu übernehmen, gemeinsam mit ihren Familien und den Lehrkräften. "Wofür lohnt es sich Verantwortung zu übernehmen?", fragte er die Abiturienten, die sicher schon ihre Erfahrungen mit zu viel oder zu wenig davon gemacht hätten - nicht zuletzt im Elternhaus oder in der Schule. Man müsse sich, um mit Molière zu sprechen, auch für das verantworten, was man nicht tue, so der Schulleiter an den Jahrgang, der ihn sehr überrascht habe. "Ihr habt die Herausforderungen angenommen und mit der Aktion ›Saturdays for the Forest‹ auch Weitblick und Engagement gezeigt." Mehr als tausend Bäume hinterließen die Schüler nach fünf Aktionen in der Region; mit ihrem Abi-Wald könnten sie eine kleine Tradition begründet haben, über die sie sich vielleicht in vielen Jahren alle noch gemeinsam freuen könnten.

Es folgten Ehrungen: Zunächst erhielt Sonja Karl den Schulsozialpreis, gestiftet vom Rotary Club Alsfeld. Martin Wilhelm, Leiter des mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereichs der Schule, überreichte die Auszeichnungen der verschiedenen Verbände: Den DMV-Abiturpreis für Mathematik, den die Deutsche Mathematiker-Vereinigung in Zusammenarbeit mit dem Springer-Verlag Heidelberg für exzellente Leistungen im Abiturfach Mathematik vergibt, ging an Kim Leon Oeppert. Den GDCh-Abiturientenpreis Chemie, den die Gesellschaft Deutscher Chemiker für die jahrgangsbesten Abiturienten im Fach Chemie auslobt, erhielten Lars Michaelis und Constantin Kuttler. Mit dem Karl-von-Frisch-Preis, einer Auszeichnung des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin für herausragende Leistungen im Fach Biologie, wurde Theresa Herrmann ausgezeichnet.

Im Anschluss an diese Runde konnten Christian Bolduan und Doris Roth die Jahrgangsbesten ehren. Mit einer Durchschnittsnote besser als 1,5 sind dies: Sonja Karl, Lena Jung, Theresa Herrmann, Sophie Frank, Gina-Marie Schmidt, Maria Zinn, Johannes Kuttler, Marcel Loeser, Kim-Leon Oeppert, Helene Benz, Leana Hett, Johanna Merle und Marie Schott. Mit dem Musikpreis der Schule zeichnete Martin Wilhelm Sonja Karl und Ina Kneußel aus.

Mit einer launigen Rede, gespickt mit Schnapszahlen zum 111. Abitur an der ASS im Jahr 2020, blickten die Jahrgangsbesten Sonja Karl und Lena Jung auf ihre Schulzeit und die besondere Abiturphase zurück - und auf ein fast schon prophetisches Motto: "Abicalypse - Der Weltuntergang wäre einfacher gewesen!"

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