Ausbau der A 49

Aus der Zeit gefallener Irrsinn

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Wer Autobahnen baut, wird Verkehr (auch Schwerverkehr) ernten! Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und die hessische Landesregierung wollen die A49 zwischen Gießen und Kassel jetzt durchboxen - trotz Klimakrise, trotz dringender und notwendiger Verkehrswende, die ach so gerne von unseren gewählten Volksvertretern apostrophiert wird. Ein Irrsinns-Projekt, das schon seit 40 Jahren geplant wird und damit völlig aus der Zeit gefallen ist.

Die betroffenen Waldstücke sind Lebensraum für stark gefährdete Tier- und Pflanzenarten und tragen unter anderem durch ihren Wasserreichtum zur Trinkwasserversorgung von 500 000 Anwohnern, die in den Leitungs- und Versorgungsverbund Rhein-Main eingebunden sind, bei. Bei uns wüten die Sägen, wie wollen wir Länder wie Brasilien und Indonesien davon überzeugen, den Regenwald zu schützen? Das ist hochgradig heuchlerisch und unglaubwürdig: Wenn wir Umweltschutz vorleben wollen, müssen wir die Rodungen sofort stoppen.

Dies alles sind jedoch nur die direkten Auswirkungen, denn mit jedem neuen Kilometer Autobahn oder jedem zusätzlichen Autobahnanschluss kommt bei den klammen Anliegergemeinden garantiert der Ruf nach einem - nunmehr bestens erschlossenen - Gewerbegebiet.

Die so oft propagierte Verlagerung des Schwerverkehrs, Stichwort Verkehrswende, auf die Schiene ist damit schlagartig passé. Auch die Gemeinde Homberg giert schon nach einem solchen Geldbringer, wobei die erhofften Einnahmen oft in einem miserablen Verhältnis zu den nunmehr anfallenden Erschließungskosten stehen. Auch Grünberg sowie das benachbarte Rabenau träumen nach dem Neubau des A5-Anschlusses von einem interkommunalen Gewerbegebiet.

Ein Blick in die mittelhessische Region verdeutlicht den irrsinnigen Landverbrauch der sich bspw. ansiedelnden Logistikunternehmen. Hierbei werden jeweils zig Hektar besten Ackerbodens vernichtet und die negativen Auswirkungen auf die regionalen Naturräume (Versiegelung, Artenschwund, Aufheizung der Flächen) werden kleingeredet.

Beispiele für diese Vorgehensweise sind reichlich vorhanden: Lich-Langsdorf, Lützellinden, Wölfersheim, Mücke-Atzenhain u. v. a.

In einem Punkt ähneln sich i.d.R. diese Landschaftsfresser, sie alle verfügen über eine möglichst perfekte Anbindung an das Autobahnnetz, und die Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene bleibt nur ein frommes Lippenbekenntnis.

Und ob der gewaltige Lkw-Verkehr mit seinen Lieferwegen sich nur auf die Autobahnen beschränkt, ist auch nicht immer garantiert, denn es werden unter Umständen die kürzesten und wirtschaftlichsten (mautfreien) Verbindungen beansprucht.

Sollte die Autobahn durch einen Stau bzw. einen Unfall betroffen sein, können sich die Anliegergemeinden schon regelmäßig auf das dann eintretende Chaos freuen.

Bernd Reitz,Mücke

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