1982 gebaut, jetzt schon lange ein Sanierungsfall: Das Kreiskrankenhaus in Alsfeld. Beim Kreis gehen die Bestrebungen dahin, im Bereich der jetzigen Parkplätze einen Neubau zu erstellen. Endgültig entschieden soll im Januar werden - noch vor der Kommunalwahl. FOTO: PM
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1982 gebaut, jetzt schon lange ein Sanierungsfall: Das Kreiskrankenhaus in Alsfeld. Beim Kreis gehen die Bestrebungen dahin, im Bereich der jetzigen Parkplätze einen Neubau zu erstellen. Endgültig entschieden soll im Januar werden - noch vor der Kommunalwahl. FOTO: PM

Zeichen stehen auf Klinik-Neubau

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Ob Neubau oder Sanierung, künftig wird das Kreiskrankenhaus in Alsfeld weniger Betten haben. Die Zahl soll von 180 auf 142 sinken. Derzeit sieht alles nach einem Neubau in Alsfeld am bekannten Standort aus. Die hohen Kosten machen aber manchem Bauchschmerzen.

Fast 100 Menschen, die trotz Lockdown und Herunterfahren des öffentlichen Lebens über Stunden in einer Halle zusammensitzen - in Zeiten massiv steigender Corona-Infektionen nicht unproblematisch. Doch der Ältestenrat des Kreistag hatte am Montag noch kurzfristig beschlossen: Diese Sitzung des Vogelsberger Parlamentes muss sein! Schließlich geht es um die Gesundheit der Vogelsberger Bevölkerung, besser gesagt um die Zukunft des Kreiskrankenhauses in Alsfeld.

An dessen Sanierung wird schon seit Jahren herumgedoktert. Genug damit, befand die Kreisspitze, und will jetzt mit einem großen und vor allen teuren Wurf die Zukunft der Einrichtung in Alsfeld sichern. Das Haus soll demnach "nachhaltig und auf hohem Niveau den Anforderungen der medizinischen Grundversorgung im Kreis genügen." Dazu würde wohl am ehesten ein Neubau passen, ist man sich bei der Kreisspitze und in den Fraktionen weitgehend einig. Bis Mitte Januar soll ein Expertenbüro noch einen Vergleich vorlegen, ob ein Neubau oder eine Komplettsanierung wirtschaftlicher sind. Erst dann soll eine endgültige Entscheidung fallen, damit die Auswirkungen noch im Haushaltsplan 2021 berücksichtigt werden können.

Klar ist, dass beide Varianten sehr teuer kommen, wie teuer, das steht noch nicht fest. Für eine gründliche Sanierung werden mindestens rund 75 Millionen Euro veranschlagt, für den Neubau stehen wenigstens 85 Millionen Euro im Raum. "Wir sind natürlich überhaupt nicht sicher, ob das reicht oder die Kosten nicht ziemlich nach vorne abhauen," so der Landrat, der äußerte, dass "mit einem Neubau vieles besser geht." Rund sechs Jahre werde es aber auch dauern, bis der Neubau fertig ist.

Eile sei auf jeden Fall geboten, so Landrat Manfred Görig, auch im Blick auf den Erhalt von Fördergeldern. Problem: Es sind schon etliche Millionen in das Altgebäude gesteckt worden. Am Ende würde bei einem Neubau eine Rückforderung von Fördergeld drohen. "Für die Fassadensanierung der physikalischen Therapie kann das vermieden werden, wenn der Gebäudeteil bei der Entscheidung für einen Neubau erhalten bleibt."

Wenn neu gebaut wird, dann soll das auf dem jetzt vorhandenen Parkplatz des Kreiskrankenhauses geschehen. Das habe unter anderem den Vorteil, dass das Grundstück dem Kreis gehört.

Auch müsse man nicht nach einem neuen Standort suchen: "Nicht jeder will ein Krankenhaus vor seiner Haustüre haben", so Görig. Wenn sich im Fall des Neubaus kein Interessent für eine Nutzung der alten Gebäude findet, dann würden diese "rückgebaut". also abgerissen, wodurch weitere Kosten entstehen würden.

Auch wenn neu gebaut wird, müssen weiterhin Erhaltungsmaßnahmen am vorhandenen Haus stattfinden, machte Görig deutlich. Diese Erhaltungsarbeiten würden "unverzüglich eingeleitet". Denn viele Jahre sei hier zu wenig gemacht worden. Das Lauterbacher Eichhof-Krankenhaus habe schon 2002 Sanierungs- und Neubaupläne umgesetzt und dafür noch 43 Millionen Euro Landeszuschuss erhalten. Davon ist man mittlerweile weit entfernt.

Görig machte deutlich, dass die Entscheidung für die auch durch die Corona-Pandemie gebeutelten Kreisfinanzen eine gewaltige Bürde sprich Kreditaufnahme bedeutet. "Es ist jetzt finanziell schon eng, dann wird es noch enger." Das müsse sich jeder klar machen, der für den Erhalt des Kreiskrankenhauses ist.

Görig sagte weiter, dass sich eine Sanierung über 15 Jahre hinziehen würde, was eine Belastung für Patienten und Personal sei. "Entweder wir schlucken mit dem Neubau einen großen Klops oder wir schneiden ihn in sieben Teile."

In der Debatte äußerte Stephan Paule für die CDU, das Kreiskrankenhaus als größter Arbeitgeber sei nicht nur für die Stadt bedeutsam, sondern für die ganze Region. Dr. Udo Ornik (Grüne) meinte, die Frage nach einer Geburtenstation sei nicht für alle Zeiten beendet. Die Station war vor Jahren geschlossen worden. Hier dürfe man aber "nicht die Tür zumachen". Auch die AfD hatte darauf gedrungen, was ihr von anderen Rednern als "populistisch" ausgelegt wurde. Es habe sich gezeigt, dass man für den Betrieb einer solchen Station nicht genug Ärzte bekomme, so der Landrat. Michael Riese von der Partei Die Linke sprach sich für einen Neubau aus, ebenso Friedel Kopp (Freie Wähler): "15 Jahre Sanierung sind schwer vorstellbar." Matthias Weitzel (SPD) sprach von einer "historischen Entscheidung". Mario Döweling (FDP) mahnte, an die Finanzen zu denken: "Wir geben Geld aus, das wir nicht haben." Damit werde sich der Kreis seiner finanziellen Handlungsfähigkeit berauben, "da ist wenig Luft". Das stellte der Landrat nicht in Abrede. Es sei schon schwer, "dass Haus hinsichtlich der Betriebsverluste zu stabilisieren".

Am Ende sprachen sich alle Kreistagsabgeordneten für den Erhalt der Klinik aus. Über Sanierung oder Neubau wird dann nach dem Jahreswechsel entschieden.

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