Trevor Richards hat sich einbürgern lassen. Er ist oft in den USA und hat deshalb zwei Führerscheine erworben. 	FOTO: JOL
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Trevor Richards hat sich einbürgern lassen. Er ist oft in den USA und hat deshalb zwei Führerscheine erworben. FOTO: JOL

Zeichen für Europa gesetzt

  • Joachim Legatis
    VonJoachim Legatis
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Deutsch ist »in«, die Zahl an Einbürgerungen steigt deutlich, wie das Regierungspräsidium Mittelhessen mitteilt. Der Brexit ist gerade für hier lebende Briten ein überzeugendes Argument, sich zur hiesigen Verfassung zu bekennen. Positive Erfahrungen mit den Behörden machte dabei der Kirtorfer Musiker Trevor Richards.

Er ist einer der bekanntesten Neu-Vogelsberger: Der Jazz-Schlagzeuger Trevor Richards lebt seit vielen Jahren in Heimertshausen, er bekam aber erst vor zwei Jahren den deutschen Pass. Er wollte ein Zeichen setzen gegen den Austritt seines Geburtslandes aus der Europäischen Union und hatte Sorge wegen möglicher Schwierigkeiten bei Reisen. Wie ihm ging es vor zwei Jahren vier weiteren Landsleuten im Vogelsberg.

Briten bilden in Mittelhessen die zweitgrößte Gruppe an Eingebürgerten, also Menschen, die schon Jahre in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt haben und nun die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen. Das sind nicht wenige, wie das Regierungspräsidium Gießen mitteilt. Auf stolze 1865 stieg die Zahl der Anträge auf Einbürgerung im vergangenen Jahr. Die größte Gruppe bilden Menschen aus der Türkei, gefolgt von Briten, Polen und Syrern.

Die Zahl der Einbürgerungsanträge ist auch im Vogelsbergkreis gestiegen. 92 Einbürgerungsanträge wurde 2018 in Lauterbach eingereicht, im vergangenen Jahr waren es 16 mehr. Davon wurden nach Prüfung durch die Verwaltung 87 im Jahre 2018 bewilligt, in 2019 waren es dann schon 102. Davon stammten acht beziehungsweise zehn (2019) aus dem Land mit der Queen an der Spitze.

Freundlich begrüßt

Hinter einer solchen Entscheidung stecken sehr verschiedene Lebensläufe. So hat Trevor Richards viele Jahre sowohl in Europa als auch den USA gelebt. Er wohnte einige Jahre in New Orleans, bis die große Flut 2005 einen Umzug nach Deutschland erzwang. Er hat allerdings seit den 1970er Jahren immer wieder schwerpunktmäßig in Deutschland gelebt.

Als Berufsmusiker war Richards oft in der ganzen Welt unterwegs. Der Brexit brachte ihn zuletzt dazu, Deutscher zu werden, wobei er die britische Staatsbürgerschaft behalten kann. »Ausschlaggebend war die politische Entwicklung in Großbritannien«; dazu kam die Sorge, ob er künftig so frei reisen kann wie bisher.

Von dem Einbürgerungsverfahren war er angenehm überrascht. »Die Mitarbeiter waren sehr freundlich und haben mir schnell mitgeteilt, wann ich für das Verfahren nach Lauterbach kommen soll.« Er legte den Schwur auf die Verfassung ab, unterzeichnete Dokumente und war Deutscher. »Das ist eine sehr vereinfachte Version von dem, was man in den USA durchmachen muss, wenn man das anstrebt«, sagt Richards.

Dabei liegt seine Entscheidung im Trend. In Mittelhessen ist das Interesse an einer Einbürgerung ungebrochen. 2019 haben 1865 Ausländer die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt, wie das Regierungspräsidium Gießen (RP) mitteilt. Das waren 150 Personen mehr als im Jahr zuvor. »Errungenschaften wie Freizügigkeit, Berufsfreiheit, Reisemöglichkeiten ohne Visum oder das Wahlrecht machen die deutsche Staatsangehörigkeit für viele erstrebenswert«, sagt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich.

Im allergrößten Teil der Fälle - insgesamt 1699 Mal - hat die Behörde dem Antrag zugestimmt. Das sind 187 mehr als noch im Jahr 2018. Das Gros der Antragsteller machen türkische Staatsangehörige (354) aus, gefolgt von Antragstellern aus Großbritannien (101), Polen sowie Syrien (jeweils 83).

»Großbritannien liegt dabei weiter auf dem zweiten Rang. Diese große Zahl von Anträgen lässt sich nach wie vor auf den Brexit zurückführen«, erläutert Dezernatsleiter Dirk Becker. »Viele Briten haben bereits frühzeitig einen Einbürgerungsantrag gestellt. Die Unsicherheit über den Austritt hat im vergangenen Jahr die Nachfrage noch einmal richtig befeuert«, so Becker weiter. Bislang können sie die britische Staatsbürgerschaft behalten.

Gestellt werden die Anträge beim Standesamt des Wohnorts. Geprüft und beschieden werden die Anträge beim Regierungspräsidium. Als obere Verwaltungsbehörde hat man so auch eine Schulungs- und Informationspflicht gegenüber den Städten, Gemeinden und Landkreisen.

»Hessen ist weltoffen. Unsere Integrationskraft ist groß«, sagt Dr. Ullrich mit Blick auf die hohen Zahlen. Er erinnert auch an die zentrale Einbürgerungsfeier im Landtag, die 2019 bereits zum dritten Mal stattfand. Bei dieser Zeremonie werden die Neubürger willkommen geheißen.

Informationen zum Einbürgerungsverfahren findet man auf www.rp-giessen.de unter der Rubrik »Soziales«.

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