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Mit geschlossenen Augen konzentrieren sich die Kinder auf zehn Geräusche.

Zauberhafter Wald hinter dem Dorf

Gemünden-Ehringshausen (koa). Bäume können lächeln, aber auch grimmig dreinblicken. Das wissen jene Kinder jetzt ganz genau, die mit Anke Koob entlang des Premiumwanderweges Heinzemanntour in Ehringshausen kreativ wurden. Das Kinderferienprogramm der Gemeinde Gemünden hatte diesen Ausflug im Programm und für die Kinder eröffnete sich ihre Heimat in einer völlig neuen Betrachtungsweise.

Nur wenige hundert Meter aus dem Ort heraus gewandert, konnten sich die Kinder auf einer imaginären Bühne unter einem alten Baum in Tiere des Waldes verwandeln. Immer zu zweit ließen sie sich phantomimische Darstellungen von Schmetterlingen oder auch Fledermäusen einfallen, die alle anderen erraten durften. Großer Applaus war den Schauspielern gewiss, die sich von diesem Moment an schon auf das nächste Spiel freuten.

Der kurze Weg auf eine Wiese am Waldrand brachte sie genau zu diesem Moment: "Schließt die Augen und versucht, zehn Geräusche um euch herum zu erlauschen", bat Naturschutzwartin Anke Koob. Und siehe da: Auf der Wiese und im Wald brummte und summte es, piepsten und sangen Vögel, rauschten die Blätter im Wind. "Dieses Spiel eignet sich hervorragend, um der Natur näher zu kommen - nicht nur für Kinder", betonte Koob. Es fiel nicht schwer, Mäuschen und Libelle, Amsel und Specht, Fuchs und Schmetterling zu identifizieren. Dass sich alle Kinder danach selbst in Falter verwandelten und die Namen vieler Schmetterlinge in den sonnigen Nachmittag hineinsangen, war für sie alle besonders schön.

Die Wanderung ging danach weiter. Jedes Kind durfte sich ein kleines Stückchen Natur mitnehmen - solange es nicht abgerissen oder nachdrücklich entfernt wurde. Der Heinzemannweg brachte viele Informationen, die nicht auf den ersten Blick zu sehen sind. Anke Koob erklärte den Kindern das "Internet des Waldes", die Kinderstube der Bäume und deren Kommunikation. "Können die sich wirklich wehren?", fragten die Kinder. Und ja: Bäume schicken Botenstoffe aus und können sogar einzelne Rehe an ihrem Speichel erkennen. Danach senden sie Moleküle aus, um ihre Nachbarbäume zu warnen. Dank der Pilze im Boden ernähren sie ihre Baumkinder. Und nur wer langsam und brav gerade wächst, hat Chancen, ein steinalter Baum zu werden. Mit verbundenen Augen erkundeten die Kinder anschließend einzelne Bäume und versuchten, sie mit offenen Augen wiederzufinden.

Für viele der jahrzehntealten Pflanzen hatten die Kinder anschließend Gesichter aus Ton parat. "Ton ist perfekt, um kreativ zu sein", betonte Anke Koob, "aber auch, um die Fürsorge für die Natur zu dokumentieren. Denn irgendwann fallen die Tonarbeiten wieder vom Baum herunter und dienen dem Wald als Nähr-, den Insekten und Vögeln als Baustoff." Die Kunstarbeiten machten allen Kindern besonders viel Spaß, sodass flugs 30 Gesichter und Kunstgestalten entlang des Weges wuchsen. Mit einem selbst gemalten Bild über einen zauberhaften Wald endete der Ausflug in die Natur.

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