1. Gießener Allgemeine
  2. Vogelsbergkreis

Wohnung komplett ausgestattet

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jutta Schuett-Frank

Kommentare

M_ukraine_140322_4c
Hand in Hand sorgten viele Helfer und Unterstützer dafür, dass eine Wohnung über dem Dorfgemeinschaftshaus Atzenhain in kürzester Zeit bezugsfertig wurde und nun Flüchtlinge aus der Ukraine einziehen können. © Jutta Schuett-Frank

Die Hilfsbereitschaft für Menschen aus der Ukraine ist allerorten sehr groß. In Mücke haben nun viele helfende Hände dafür gesorgt, dass eine Wohnung im Nu komplett eingerichtet wurde.

Die Solidarität mit den Menschen in der Ukraine ist in ganz Europa ungemein groß. Private Initiativen sammeln Lebensmittel und Spenden und bringen sie bis direkt in die Ukraine. Auf dem Rückweg werden dann Flüchtlinge mitgebracht.

Private Initiativen wurden auch in Mücke ins Leben gerufen. Im Vogelsbergkreis sind schon Flüchtende angekommen, viele werden in der Alsfelder Hessenhalle untergebracht.

Bürgermeister Andreas Sommer hatte die spontane Idee, die frei gewordene Wohnung im Obergeschoss des Atzenhainer Dorfgemeinschaftshauses zur Verfügung zu stellen. Als die Mieterin auszog, wurde sie teilmöbliert hinterlassen.

»Die Wohnung sollte für in Not geratene Menschen bereitgehalten werden«, so Sommer. »Nun ist es schon so weit.« Seitens der Verwaltung war es für die Atzenhainerin Bianca Geiß und ihre Mitstreiterinnen Antje Müller und Daniela Kratz-Mandler eine echte Herzensangelegenheit.

Es wurde zuerst der Bedarf in Erfahrung gebracht, um die Altbauwohnung so herzurichten, dass man sich dort willkommen fühlt. Dann wurden die Bedarfsmeldungen via Facebook und Co. zu den Mückern transferiert. »Kaum zu glauben«, so Andreas Sommer: »Innerhalb von 24 Stunden war die Wunschliste schon abgearbeitet.« Es wurden hochwertige Sachen gespendet, und Handwerker stellten ihr Know-how und ihre Arbeitskraft zur Verfügung.

Der Malerbetrieb Klös aus Merlau etwa stattete das eine Zimmer mit einer neuen Tapete und einem neuen Teppichboden aus. Die Firma Hürner Schweißtechnik zauberte eine neue Waschmaschine herbei und Rewe-Brückner aus Mücke füllte den Kühlschrank mit frischen Lebensmitteln. Die Schreinerei Bernd Seim reparierte diverse Möbel und spendete einen Fernseher.

Installateur Werner Müller aus Altenhain und Martin Krumay aus Lehnheim stellten die Wasserversorgung sicher und führten noch weitere Sanitärarbeiten durch. Von Schrubber bis Reinigungsmittel - alles, was man zum Reinigen braucht, spendete die Firma Ernst Reitz aus Nieder-Ohmen. Von Garten- und Landschaftsbau Bast wurden eine Kaffeemaschine, ein Wasserkocher und ein Fön zur Verfügung gestellt; das Reiseunternehmen Mark Philippi aus Groß-Eichen spendete einen Staubsauger, ein Radio und ein Fernsehgerät.

Am Samstag wurden nun die Sachspenden alle angeliefert und eingeräumt, nachdem die Wohnung gereinigt und geputzt worden war. Rund 20 Helfer, ältere und jüngere engagierte Personen, waren vor Ort und packten richtig mit an.

Gespendet wurden auch Sachen des täglichen Bedarfs wie Matratzen, Handtücher, Bettwäsche und Bettdecken - eben alles, was man in einem Haushalt braucht.

Alle Helfer und Bürgermeister Andreas Sommer waren froh, dass das alles so schnell anlief und dass die Wohnung am Samstag fertiggestellt werden konnte. Man war einhellig der Meinung, dass eine Massenunterkunft eine gute Sache sei, aber eine eigene Wohnung eine ganz andere Privatsphäre schaffe. »Im Obergeschoss des Dorfgemeinschaftshauses Atzenhain befindet sich noch eine zweite Wohnung. Diese wurde an die Faschingsgemeinschaft Atzenhain vermietet«, so Sommer. Sitzungspräsident Marcel Hönig und der Vorstand waren sich aber einig, die Wohnung wieder freizugeben, damit noch eine weitere Familie einziehen kann. Der Vertrag zur Miete wird dann einfach mal ausgesetzt.

Die Freien Wähler aus Mücke spendeten 100 Euro. Dr. Fabian Horst übergab Waschmittel und Einkaufsgutscheine am Samstag an Bürgermeister Sommer. So kann dann nach Bedarf und Wunsch eingekauft werden.

Bei der Koordinierungsstelle »Lehrer für Lehrer« sind Alice Müller (Lehrerin an der Theo-Koch-Schule in Grünberg) und Marc Hubner, beide wohnhaft in Atzenhain, tatkräftig mit dabei. Sie engagieren sich als Fahrer und haben eine Lieferung in das Kriegsgebiet gebracht und werden dann Flüchtlinge auf dem Rückweg mitbringen. Man erwartete die Atzenhainer am späten Montagabend. Wenn man genau weiß, wer in Atzenhain die Wohnung bezieht, wird noch einmal eine Wunschliste nach entsprechender Kleidung herausgegeben.

Auch interessant

Kommentare