Wölfin zwischen Naturschutz und Landwirtschaft

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Vogelsbergkreis(pm). GW1166F, so lautet der nicht sehr schmückende Name der Wölfin, die offiziell seit dem 3. März im Vogelsbergkreis ihr neues Revier gefunden hat. Nach vielen Sichtungen, einigen zugeordneten Rissen und wiederholten Gentests ist ihr die Sesshaftigkeit nachgewiesen. Die Wölfin hat sich ihren Platz gesucht und gefunden: in der Nähe von Ulrichstein sowie irgendwo zwischen Naturschutz, Landwirtschaft, Wohnraum und Kulturlandschaft. Mit der Wölfin halten Diskussionen Einzug, denn wenn in besiedelten und bewirtschafteten Regionen ein Wolf auftaucht, bleibt der Meinungsaustausch, wie ein Zusammenleben aussehen kann, nicht aus.

Als Reaktion und zum Schutz der Weidetierhalter hat die hessische Landwirtschaftsministerin Priska Hinz die Herdenschutzprämie auf den Weg gebracht. Diese soll seit 2018 den Mehraufwand für den Herdenschutz bei Schaf- und Ziegenhaltern über das Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflegemaßnahmen (HALM) fördern. Allerdings greifen diese Maßnahmen nach Ansicht vieler Landwirte, Schaf-, Ziegen-, und Weidetierhalter zu kurz. "Wir nehmen die Sorgen, Fragen und das Bedürfnis nach Schutz und Aufklärung ernst", sagt Landrat Manfred Görig.

Weidetierhalter unterstützen

"Deswegen setzen wir uns auf Landesebene dafür ein, alle Weidetierhalter im Vogelsbergkreis besser zu unterstützen und ihre Arbeit zu honorieren." Weidetierhalter prägen, pflegen und erhalten aus Sicht des Landrates die Kulturlandschaft und die Zukunft ihrer Arbeit sehen viele durch die Wölfin bedroht. "Wir müssen funktionierende Ausgleichsmechanismen erarbeiten und die regionalen Erzeuger unterstützen - 40 Euro Herdenschutzprämie pro Hektar reichen auf den vielen rauen Vogelsberger Weiden oft nicht aus", so Görig.

Der Mittelgebirgs-Kulturraum mit kleinen Grünflächen und vielen Hecken fordert in vielen Fällen eine extensive Weidehaltung, um diesen zu erhalten. Dazu trägt in der Grünlandregion Vogelsbergkreis auch die Mutterkuh- und Milchviehhaltung bei. "Gerade diese wichtige Arbeit findet aber in den Maßnahmen des hessischen Ministeriums keine Unterstützung.

Auch Kälber gehören in das Beutespektrum des Wolfs - das zeigen die beiden belegten Risse in Unter-Seibertenrod aus dem Vorjahr", sagt der zuständige Dezernent und Erste Kreisbeigeordnete, Dr. Jens Mischak. Das Zusammenleben mit dem Wolf müsse zwar akzeptiert, die Regelungen und Rahmenbedingungen aber angepasst werden. Zu diesem Zweck hat die Kreisspitze gemeinsam mit dem Amt für Wirtschaft und den ländlichen Raum sowie Vertretern aus Landwirtschaft und der Weidetierhalter einen Forderungskatalog ausgearbeitet und an die hessische Landwirtschafts- ministerin Priska Hinz über-geben.

"Wir müssen versuchen, dem Zielkonflikt zwischen Landwirtschaft, Bevölkerung und Naturschutz mit pragmatischen Lösungen zu begegnen", sind sich Landrat und Erster Kreisbeigeordneter einig, denn es sei durchaus denkbar, dass sich auch im Vogelsberg ein Wolfsrudel entwickle.

Nach Ansicht der Kreisspitze können pragmatische Lösungen gelingen, wenn alle Weidetierhalter im Vogelsbergkreis die Kosten für Elektrozäune, den Mehraufwand bei der Kontrolle und Dokumentation sowie das Zubehör und die Anschaffung von Herdenschutzhunden vom Land Hessen im Rahmen eines Investitionsprogrammes ersetzt bekommen.

"Diese Maßnahmen müssen gemeinsam mit den betroffenen Weidetierhaltern, dem zuständigen Ministerium und den Beratern des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen zügig umgesetzt werden", macht Görig deutlich. Schadensbegrenzung und Konfliktbewältigung seien für die Weidetierhalter der Vogelsberger Mittelgebirgsregion wichtig.

Bundesländer wie Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen hätten vor dem Hintergrund sich ausbreitender Wolfspopulationen schon viele Lösungen in Angriff genommen. Dort werde beispielsweise die Anschaffung von Herdenschutzhunden finanziert, und in definierten Gebieten profitierten auch Rinder- oder Pferdehalter von den Unterstützungsmaßnahmen. "Gerade beginnt die Weidesaison, und damit steigt das Risiko folgenschwerer Wolfsrisse. Es darf also nicht länger gezögert werden, bis weitreichende Maßnahmen in Angriff genommen werden", so Görig. Nur so könne der Zielkonflikt zwischen Naturschutz, Erhalt der Kulturlandschaft und den Ängsten und Sorgen der Bürger aufgelöst werden.

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