Anwohner in Gemünden-Hainbach erheben massiven Protest gegen eine mögliche Fotovoltaik-Freiflächenanlage. Die könnte hier am Ortsrand neben dem Wochenendgebiet entstehen, so zumindest Pläne der Energiegenossenschaft Vogelsberg. FOTO: KS
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Anwohner in Gemünden-Hainbach erheben massiven Protest gegen eine mögliche Fotovoltaik-Freiflächenanlage. Die könnte hier am Ortsrand neben dem Wochenendgebiet entstehen, so zumindest Pläne der Energiegenossenschaft Vogelsberg. FOTO: KS

"Wir sind wegen der Natur hier"

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Neu ist das nicht: Windradgegner gegen Befürworter, Autobahnkritiker gegen Autobahnfürsprecher. Jetzt regt sich wieder Unmut. Weil eine grüne Wiese unter schwarzen Platten verschwinden soll. Anwohner von Hainbach erheben massiven Protest gegen eine geplante Fotovoltaikanlage am Rande des Dorfs.

Susanne Roth und Natalya Volp sind empört. Die Anwohnerinnen haben das Wohnen im Wochenendgebiet von Hainbach zu schätzen gelernt. Jetzt könnte das bald anders werden, fürchten sie. Der Grund ist ein Plan der Energiegenossenschaft Vogelsberg, der kürzlich in einer Sitzung des Ortsbeirates vorgestellt wurde (die Alsfelder Allgemeine Zeitung berichtete).

Die Energiegenossenschaft möchte auf einer ans Wochenendgebiet grenzenden Wiese eine große Fotovoltaik-Freiflächenanlage errichten. In der Sitzung des Hainbacher Ortsbeirates gab es keinen Widerspruch gegen das Projekt, das allerdings noch genehmigt werden müsste. Dabei waren sich die Teilnehmer der Sitzung auch einig, dass an dieser Stelle von der Anlage wenig optische Beeinträchtigung einhergehen würde. Das sehen Anlieger des Wochenendgebietes ganz anders. Sie haben Unterschriften gesammelt und sprechen sich klar gegen die geplante Anlage aus. "30 Anlieger haben schon dagegen unterschrieben", hieß es bei einem Gespräch, das sei angesichts der 180 Einwohner im Ort doch eine relevante Zahl.

Etliche Bedenken wurden vorgetragen. So hätten junge Familien, die ein Haus gekauft haben, dies wohl nicht getan, wenn sie von der Anlage gewusst hätten. Zudem sei es nicht nur ein Wochenendhausgebiet, sondern manche wohnen ganzjährig dort. Susanne Roth: "Bei der Gemeinde denkt man aber scheinbar, dass hier oben niemand ist."

Wertverlust bei Häusern?

Viele seien in den vergangenen Jahren zum Beispiel aus dem Rhein-Main-Gebiet zugezogen, weil sie vor allem das ruhige und naturnahe Wohnen schätzten. "Wenn ich dann auf schwarze Platten schauen soll, hätte ich auch in Frankfurt bleiben können", so Roth. "Ich schätze die schönen Wege hier und die Ruhe."

Mit einer solchen Anlage werde ihr ein ganz großes Stück Lebensqualität genommen. Zudem fürchten die Anlieger einen möglichen Wertverlust bei ihren Häusern. "Das kann man doch keinem einfach so vor die Tür stellen." Natalya Volp sagt, hätte man davon gewusst, hätten sie vor rund fünf Jahren vom Hauskauf Abstand genommen. Bei Windkraftanlagen sei zumindest ein Mindestabstand zu Häusern vorgeschrieben, hier offenbar nicht. Sie befüchtet zudem mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die geplante Anlage. Auch die nahe und sehr beliebte Wandertour "Heinzemann-Tour" werde beeinträchtigt, wenn die Wanderer den Blick schweifen lassen und der auf eine riesige Fotovoltaikanlage fällt. "Dann kann man sich die Pflege des Weges gleich sparen, am besten das Gras wachsen lassen, dann sieht man die Anlage vielleicht nicht", meint Susanne Roth spöttisch.

Auch in Sachen Naturschutz werde mit einer solchen Anlage Raubbau betrieben, wenn eine große Wiesenfläche versiegelt werden soll. Und noch ein weiteres Problem treibt die Anwohner um, nämlich das, was bei einem möglichen Hochwasser passieren kann. Eine solche Anlage könnte das Problem mit Schlammlawinen noch verschärfen.

Ein weiterer Besitzer, der das Haus am Wochenende nutzt, sieht die Schwierigkeit, dass das Gebiet wegen der Größe der geplanten Anlage in ein Gewerbegebiet umgewidmet werden müsste: "Ob das genehmigt wird?" In ein Wohngebiet gehöre eine solche Anlage jedenfalls nicht. Und ein weiteres Problem könnte das Einspeisen des Stroms werden, denn dafür müsse eine lange Leitung verlegt werden.

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