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»Wir planen keine Ausfallszenarien«

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Gastropate Markus Urich, Konzertveranstalter Dennis Bahl und Produktionsleiter Markus Pfeffer (v. l.) sind fest davon überzeugt, dass sie nach zweijähriger Zwangspause beim Gießener Kultursommer 2022 wieder die Besucher in großer Zahl auf dem Schiffenberg begeistern können. © SCHEPP

Nach zweijähriger Pause findet der Gießener Kultursommer wieder vom 19. August bis 3. September auf dem Schiffenberg statt. Konzertveranstalter Dennis Bahl ist überzeugt, dann auch wieder bis zu 4800 Gäste pro Konzert empfangen zu können.

Es ist noch gar nicht lange her, da hat die Stadt Haiger den Hessentag für dieses Jahr wegen der Pandemie absagen müssen. Und wie sieht es mit dem Gießener Kultursommer aus? Kann diese Großveranstaltung mit fast 5000 Besuchern pro Konzert auf dem Schiffenberg stattfinden? Kultursommer-Veranstalter Dennis Bahl und sein Produktionsleiter Markus Pfeffer können beruhigen. Sie gehen fest davon aus, »dass wir im August eine komplett andere Situation haben und auch alle Konzertbesucher reinlassen dürfen«, erzählen sie bei einem Treffen gemeinsam mit Schiffenberg-Gastronom Markus Urich vor der Basilika.

Und sie werden in diesem Jahr sogar noch annähernd drei Kultursommer in einen packen, schließlich gibt es jede Menge zum Teil bereits seit 2020 ausverkaufte Nachholkonzerte plus neue Starauftritte von Alvaro Soler oder den Broilers, die zum Teil aber auch schon seit mehreren Jahren geplant worden sind.

Und das Line-up für 2022 ist noch nicht komplett. »Wir haben noch Kapazitäten«, betont Dennis Bahl und scherzt: »Bei jedem Anruf könnte Elton John dran sein«, schließlich habe sich die attraktiv-familiäre Schiffenberg-Konzert-Atmosphäre auch bei vielen Künstlern herumgesprochen.

Bahl verweist zudem darauf, dass es auch noch zu vielen Konzerten Karten zu kaufen gibt. Und bei dem hochkarätigen Line-up sei es wichtig, die Besucherkapazitäten auszuschöpfen: »Sonst haben wir wirtschaftlichen Totalschaden.« Aber die wechselhaften Corona-Regeln und auch die Hessentag-Absage schwingen offenbar bei Musikfans nach. Sich mit einem frühen Kartenkauf festlegen, wenn dann doch vielleicht wieder alles abgesagt werden muss - da sind viele in den vergangenen Pandemiemonaten vorsichtig geworden. Doch Pfeffer verspricht: »Wir werden alles in die Wege leiten, dass der Kultursommer stattfinden kann.«

Umso dankbarer sind die Kultursommer-Veranstalter über jede bereits gekaufte Karte, die seit Monaten darauf wartet, endlich eingelöst zu werden. Und immerhin ist das bei rund 90 Prozent der Karteninhaber der Fall. »Jede Karte, die am Kühlschrank hängt, sichert uns das Überleben. Wir sind froh über die Leute, die sagen, macht euch keinen Kopf, wir kommen«, meint Markus Pfeffer. Und Bahl ergänzt: »Diese Unterstützung und der Support sind wichtig, sonst geht die Branche unter.«

Bahl macht sich große Sorgen um etwaige Langzeitschäden: dass sich die Leute an die Situation ohne Live-Konzerte gewöhnt haben; was die Pandemie mit dem Verhältnis zur Kultur angerichtet hat; aber auch darum, dass viele, die vom Konzertgeschäft abhängig sind - vom Bühnentechniker bis zum Security-Mitarbeiter - zwischenzeitlich aufgegeben haben. Und außerdem ballen sich im Sommer 2022 landauf, landab die Events - und das Personal ist knapp, wie auch Schiffenberg-Gastronom Markus Urich bedauert.

Auch die Erhöhung des Mindestlohns und die gestiegenen Energiekosten sind ein Problem. »Wir hatten sonst im Jahr rund 35 000 Euro an Energiekosten«, berichtet Bahl. 2022 werden die deutlich höher liegen. Doch viele der Tickets wurden schon vor zwei Jahren gekauft, als diese gestiegenen Kosten noch nicht einkalkuliert waren. Und auch die Suche nach Sponsoren, um weiter günstige Ticketpreise anbieten zu können, ist durch Corona schwieriger geworden. »Wir könnten das ohne Sponsoren und Förderer nicht leisten«, stellt Markus Pfeffer klar. Sie werben daher auch um Firmen, die für einen Betriebsausflug ein Erlebnis im VIP-Bereich buchen.

Im Kultursommer 2022 sind wegen der vielen Nachspieltermine in der finalen Planung bis zu 18 Veranstaltungen vorgesehen. »Und dabei hat sich die Größenordnung von zehn bis zwölf bewährt«, betont Dennis Bahl. Eine solch geballte Menge sei also nicht jedes Jahr zu schaffen. Doch es liegen eben auch zwei komplette Ausfalljahre hinter dem Kultursommer-Team. Und bis heute eine lange Phase voller Unsicherheit - auch wegen der ständig wechselnden Corona-Regelungen. Wie sieht es im August 2022 mit Abstandsregelungen, Masken- oder Impfnachweispflicht aus? »Das wissen wir jetzt noch nicht«, sagt Pfeffer. Er will aber alles Notwendige veranlassen, damit der Kultursommer auf jeden Fall stattfinden kann. »Wir planen keine Ausfallszenarien«, betont er.

Und dabei erweist sich nicht nur der divers aufgestellte Ticketverkauf als günstig, sondern auch die Location Schiffenberg, auch wenn sie mit der historischen Basilika, der maßgeschneiderten Bühne oder dem für LKW unpassierbaren Tor besondere Herausforderungen stellt. Aber selbst bei ausverkauften Konzerten gibt es im ehemaligen Klosterhof immer noch genügend Platz. Keiner muss sich ins Gedränge stürzen. Und schließlich findet alles an der frischen Luft und nicht in einem geschlossenen Club statt. Und das auch in Zukunft. »Wir wollen das noch über viele Jahre machen«, betont Bahl. Und Pfeffer ergänzt: »Das ist unser Baby.«

Das Programm, Informationen zu Ticketverkauf und Shuttledienst, Parkmöglichkeiten und VIP-Angeboten unter giessenerkultursommer.de.

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