Bürgermeister Leopold Bach wirbt um Besucher des Feldatals. FOTO: JOL
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Bürgermeister Leopold Bach wirbt um Besucher des Feldatals. FOTO: JOL

"Wir müssen erhalten, was da ist"

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Landleben ist "in", sagt Leopold Bach mit Verweis auf die eingeschränkten Lebensbedingungen in der Stadt zu Corona-Zeiten. Der Feldataler Bürgermeister setzt auf Zuzug in die Gemeinde und will mit einer guten Infrastruktur im Grünen punkten.

Herr Bach, wie ist die Gemeinde bislang über die Corona-Zeit gekommen?

Glimpflich, mir ist kein Krankheitsfall aus der Gemeinde bekannt. Auf der politischen Ebene ist das eine spannende Zeit. Es geht weg von den direkten Gesprächsrunden hin zu Telefonkonferenzen. So gab es regelmäßige Konferenzen mit dem Landrat und dem Ersten Kreisbeigeordneten zu neuen Verordnungen. Auch mit den Bürgermeistern im Gemeindeverwaltungsverband habe ich oft telefoniert. Die finanziellen Auswirkungen wird man erst später sehen. Es wird wohl zum Jahresende rund 200 000 Euro weniger Einkommenssteueranteil geben. Die Not hat uns erfinderisch gemacht. So bietet das Bürgerbus-Team einen Lieferdienst für Senioren mit den örtlichen Lebensmittelgeschäften an. Dieser Service wird uns auch nach Corona erhalten bleiben.

Es gab doch sicher auch Einschränkungen?

Ja, in der Feldahalle wollten Aktive aus Vereinen in Eigenleistung für den neuen Fußboden anpacken. Wegen Corona konnten nicht so viele an einem Ort zusammenkommen. Deshalb hatten zwei Mann vom Bauhof einige Tage zu tun. Aber wir liegen noch voll im Zeitplan.

Bei anderen Vorhaben in Feldatal klappt das nicht mit dem Zeitplan, wie ist denn der Stand beim Ärztehaus?

Ich bin froh darüber, wie gut die Koordination mit der Hausärztin Frau Beyer in der Corona-Krise funktioniert hat. Was das seit Langem diskutierte Ärztehaus angeht, muss man zunächst feststellen, dass es nicht zu den originären Aufgaben einer Gemeinde gehört. Die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung ist Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung. Zurzeit sind wir mit zwei Hausarztpraxen gut versorgt. Es hat lange Gespräche für ein Ärztehaus gegeben. Aber die große Lösung hat nicht geklappt, weil sich die Beteiligten nicht einigen konnten. Wenn sich Herr Dr. Harlfinger in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet, wird darüber neu zu sprechen sein.

Ein anderes Projekt, das seit vielen Jahren im Geschäftsgang ist, ist der Windpark Eckmannshain - was gibt es da Neues?

Anfang Juni hat das Regierungspräsidium die Vollständigkeit der Unterlagen für das Genehmigungsverfahren bestätigt. Da hat es ein Jahr Verzögerung gegeben, weil sich die gesetzlichen Grundlagen geändert hatten. Nun ist geplant, im Winter zu roden und mit dem Bau im nächsten Jahr zu beginnen. Die Inbetriebnahme erwartet die Planungsgesellschaft für Ende 2021 oder Anfang 2022. Dann werden wir etwa 80 000 Euro pro Jahr bekommen, das meiste für die Pacht eines Gemeindegrundstücks. Das Geld tut uns gut als Gemeinde, dann kommen wir hoffentlich weiterhin um eine höhere Grundsteuer herum.

Dann freuen sich die Bewohner. Nimmt deren Zahl immer noch ab?

Da haben wir eine gute Entwicklung. Im Jahr 2019 gab es einen leichten Anstieg, zuletzt ist die Zahl der Bewohner wieder etwas heruntergegangen. Die Geburtenrate ist gut, pro Jahr werden zehn bis 20 Kinder geboren. Wir verkaufen regelmäßig Baugrundstücke, und es werden viele alte Häuser gekauft. Ich glaube, das hängt auch daran, dass inzwischen mehr positive Berichte über Feldatal veröffentlicht werden. Es ist lebenswert in Feldatal, und wir haben eine schöne Natur. Damit muss man werben, und das tun wir nun.

Ist es noch immer im Trend, eher neu zu bauen, und die Ortskerne veröden?

Ältere Gebäude in der Ortslage werden recht günstig angeboten. Das ist attraktiv für junge Familien, die sich so ein Gebäude eher leisten können und es dann nach und nach herrichten. Da gibt es wieder eine Nachfrage.

Welche Perspektive sehen Sie für eine kleine Gemeinde wie Feldatal, eingeklemmt zwischen Städten wie Alsfeld und Lauterbach und einer großen Gemeinde wie Mücke?

Bei uns werden sich keine Industriebetriebe ansiedeln. Also müssen wir das erhalten, was da ist, und zeigen, was hier möglich ist. So haben wir die Internetseite der Gemeinde modern umgestaltet. Wir wollen Leute anlocken. Das betrifft den Tourismus und Menschen, die nach einem Haus suchen. Für Besucher haben wir die Sternwarte, das Schwimmbad, die Greifvogelwarte und eine gute Gastronomie, das können wir stärker zusammenbringen. Man kann ein Paket schnüren mit einer Kurzwanderung zur Vogelshow und danach Kaffee trinken, abends kann ein Blick in den Sternenhimmel geworfen werden. Was fehlt, sind Übernachtungsmöglichkeiten. Manche Besucher wollen dann später vielleicht ganz hierherziehen.

Glauben Sie wirklich, es gibt einen Trend zum Leben auf dem Land?

Gerade die Corona-Einschränkungen haben doch gezeigt, dass der ländliche Raum Riesenvorteile hat. Wie ist das Leben in Frankfurt, wenn ich mit den Kindern in einer Dreizimmerwohnung sitze und der Spielplatz ist gesperrt? Da lebt es sich doch ganz anders hier im eigenen Haus mit einer tollen Umgebung und viel Auslauf. Wir haben eine gute Infrastruktur zum Hierleben. Und durch die bessere Breitbandversorgung kann man nun auch leichter von zu Hause aus arbeiten. Das ist im Trend. Man muss darüber sprechen, was man hat.

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