1. Gießener Allgemeine
  2. Vogelsbergkreis

»Wir hoffen auf den Frühling«

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Kerstin Schneider

Kommentare

h_martin_050222_4c_2
Der Herr der Töpfe: Martin Jantosca in der Küche der Halle 17 in Nieder-Ofleiden. © Kerstin Schneider

Martin Jantosca startete vor fünf Jahren erfolgreich sein Cateringunternehmen Halle 17 in Nieder-Ofleiden. Dann kam die Pandemie. Mit einem Schlag war alles anders. Während der Lockdowns waren alle Geschäftsbereiche betroffen: keine Feiern mehr, keine Messen, keine Gäste im Restaurant. Jetzt hofft er, wie fast alle, auf ein schönes Frühjahr.

Die Bewirtung auf der Firmenfeier, das Bankett zur Hochzeit, die Häppchen für die Messegäste: Martin Jantosca hatte sich nach dem Start seiner Firma schnell einen guten Ruf »erkocht«. Dann kam im März 2020 die Corona-Pandemie und warf alles über den Haufen.

Die vielen Lebensmittel waren eingekauft, das Team stand bereit - was also tun? Kurzerhand wurde im ersten Lockdown probeweise ein Mittagstisch ausgefahren. Doch dieser Bereich ist in der Region bereits gut abgedeckt, haben die Gastronomen erfahren: »Es machte viel Arbeit und brachte unter dem Strich wenig ein.«

Im zweiten Lockdown richteten die ideenreichen Gastro-Profis an der Schächerbachtour eine Pausenstation ein. Die wurde von Wanderern gut angenommen, das galt auch für den Verkauf von Gerichten für die Weihnachtszeit, die am Standort Halle 17 abgeholt wurden und so den Weg an die heimischen Esstische fanden. Alle Aktionen brachten natürlich längst nicht den Umsatz wie in normalen Zeiten. Dazu kam das Problem der vielen verschobenen Feiern, zunächst auf 2021, aber als die neue Welle anrollte, sagten sich viele: »Ich feiere gar nicht!«

Konnten sonst Tauffeiern, Konfirmationen und Hochzeiten in einem gewissen Rhythmus im Jahr hintereinander abgewickelt werden, so ballten sich plötzlich die Ereignisse, als sich die Corona-Lage in den Frühlings- und Sommermonaten entspannte. Nun wurden zum Beispiel etliche Konfirmationen nachgefeiert. »Das hat viel Kraft gekostet«, erzählen Jantosca und Mitarbeiterin Marina Weber. Und wenn Hochzeitsessen für 40 Leute bestellt waren, »dann kamen auf einmal nur 20.«

Manchmal hat das Brautpaar gleich ganz allein gefeiert, dann hat er daheim für sie gekocht: »Sie wollten einen schönen Abend haben.« Jantosca verhehlt nicht den Aufwand dafür, aber es sei darum gegangen, »auch weiter für die Kunden da zu sein«.

Der Umsatz an manchen Tagen: 25 Euro. »Dafür standen wir den ganzen Tag über in der Küche.« Er hat aber nicht einfach den Laden dichtmachen wollen, obwohl er Überbrückungshilfen erhalten hat, die auch sehr geholfen hätten, betont er. Zudem sei die Ohmtaler-Aktion eine schöne Sache gewesen.

Dazwischen allerdings immer wieder das Auseinandersetzen mit den Regeln, die sich auch einmal schnell wieder ändern konnten. »Und wir waren von jeder neuen Maßnahme als Erstes betroffen.«

In diesem Januar blieb das Unternehmen dann doch einmal geschlossen, zumal die Auftragslage nach Weihnachten ohnehin dünn ist. Auch so eine Sache: Zunächst war der Kalender Ende vergangenen Jahres voll mit Terminen für Weihnachtsfeiern, dann wurde im Zuge der neuen Welle alles storniert. Von 1000 georderten Gänsekeulen blieben am Ende 200 übrig, die jetzt unter anderem zwischen zwei Brötchenhälften auf dem »Pulled Gans Burger« landen. Jantosca: »Im nächsten Winter werden wir vorsichtiger kalkulieren.«

Das Unternehmen bietet auch Essen »à la carte« an, aber das sei nicht gerade ein einfaches Geschäft. Die Halle 17 bietet zwar viel Platz, aber natürlich können längst nicht so viele Gäste wie in Vor-Corona-Zeiten Platz nehmen. »Trotzdem genießen unsere Besucher den Abend.«

Durch die Pandemie hat er vom Team zwei Köche und eine Servicekraft verloren. »Wir kochen jetzt allein«, von Fall zu Fall kommt ein »Mietkoch« dazu. Das wird wohl so bleiben. Er geht davon aus, dass auch in normalen Zeiten der Markt für Fachkräfte für die Gastronomie leer gefegt sein wird. Viele hätten sich anders orientiert. Sein Laden ist ein Saisongeschäft, fügt er an, »im Sommer reißen sich die Leute um uns, im Winter muss man ideenreich sein«.

Noch eines betonen Jantosca und Marina Weber: »Das Dorf ist toll. Wir wurden mit Bestellungen unterstützt, uns wurden sogar Kredite angeboten. Das hat uns fast sprachlos gemacht.« Mit diesem Rückenwind schauen sie vorsichtig optimistisch ins Jahr: »Wir hoffen auf einen schönen Frühling und freuen uns darauf, vielleicht das fünfjährige Bestehen feiern zu können.«

Auch interessant

Kommentare