Die "Dorfretter" Helmut Schraml (r.) und Robert Malessa vor einem der alten Tagelöhnerhäuser in Ober-Ohmen. Die waren über Jahrzehnte dem Verfall ausgesetzt und sind nach der Renovierung begehrt. FOTO: KS
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Die "Dorfretter" Helmut Schraml (r.) und Robert Malessa vor einem der alten Tagelöhnerhäuser in Ober-Ohmen. Die waren über Jahrzehnte dem Verfall ausgesetzt und sind nach der Renovierung begehrt. FOTO: KS

Willkommen in Schramlhausen

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Fachwerkhäuser können eine Augenweide, aber eine Last für den Geldbeutel sein, wenn Sanierungen anstehen. In früheren Jahrzehnten setzten deshalb viele auf einen Neubau, alte Gebäude verfielen. Wie es anders gehen kann, machen Dorfretter in Ober-Ohmen vor.

Der Augenarzt ist auch ein Augenmensch. Und was Dr. Helmut Schraml vor vielen Jahren bei der Rückkehr in seine Heimat sah, das gefiel ihm gar nicht. Aus einst schmucken Fachwerkhäusern waren heruntergekommene Ruinen geworden. Das ließ ihm keine Ruhe. Anfangs sah es wie ein aussichtsloses Unternehmen aus, das beweisen alte Bilder. Doch dank der Liebe zu alten Gebäuden, zäher Hartnäckigkeit und viel handwerklichem Geschick ist etwas gelungen, das viele Betrachter heute staunen lässt. Aus den maroden Abrisshäusern wurden Schmuckstücke, die bei Mietern sehr begehrt sind.

Wie alles anfing? Schraml, der lange in Frankreich lebte und 1990 eine Praxis in Buseck übernahm, suchte eine Bleibe und fand sie in seinem Heimatort Ober-Ohmen mit einer alten bereits restaurierten Hofreite. Dort saß er dann vor dem Kaminfeuer am großen Fenster zum Garten und sah - den reinen Verfall. Die alten Auszugshäuser, in denen früher Tagelöhner wohnten, waren verlassen und dämmerten vor sich hin: "Kein schöner Anblick." Das wollte er ändern, eine Mammutaufgabe, die er bis heute mit dem Zimmermann Robert Malessa stemmt. Der teilt die Vorstellungen, was den Erhalt alter Gebäude angeht. Nachvollziehen kann es Schraml, dass frühere Besitzer oder Erben die Enge der alten Gebäude aufgeben wollten, heute dagegen sind die Häuser gefragt. Einzelpersonen oder Familien sind eingezogen, die das idyllische Wohnen an Bach und Wald schätzen.

Bewohner haben ihm gesagt, sie fühlten sich wie im Ferienhaus: "Ausziehen wollen sie nicht mehr."

Leerstand gibt es nicht, der Bedarf ist da, so Schraml. Er freut sich, wenn gegenüber Licht in den Häusern brennt. Früher sei das nicht der Fall gewesen, "deprimierend war das." Die früheren Tagelöhnerhäuser wurden inzwischen unter Objektschutz gestellt. Diese Art Häuser gibt es kaum noch in Hessen, die meisten wurden abgerissen. "Abreißen geht hier jetzt nicht mehr," so Schraml. Sogar eines der ältesten Häuser der Region aus dem Jahr 1545 steht in Ober-Ohmen.

Inzwischen sind Schraml und Malessa in einem Beitrag des Hessischen Rundfunks sogar zu "Dorfrettern" ernannt worden, danach stand das Telefon nicht still, berichten beide. Acht Häuser hat Schraml in all den Jahren saniert, das wäre nicht gegangen ohne die Zusammenarbeit mit Malessa und mit Ralf Zellmann-Brodhag vom ortsansässigen Baumarkt, betont er. Malessa hatte schon als Kind seine Liebe zu alten Hölzern entdeckt und er findet fast immer noch eine Möglichkeit, auch den scheinbar kaputtesten Holzbalken zu retten. Vieles wurde früher bei Fachwerksanierungen falsch gemacht, Häuser wurden manchmal gar kaputt saniert, sagt er, sogar in Alsfeld, einst europäische Modellstadt, merke man heute diese Fehler. So ist es wichtig, die alten Baustoffe wie Lehm und Kalk einzusetzen, weil sie sich in dieser Bauweise bewährt haben.

Noch sind nicht alle alten Häuser in neuem Glanz auferstanden. Es bleibt im Rahmen des "Hobbys" noch viel zu tun. Aber nicht nur in alten Häusern ist wieder Leben eingezogen, auch in die Gaststätte "Am Römer". Ein Architekt aus der Nachbarschaft war auf Schraml zugekommen und hatte vorgeschlagen, das alte Gasthaus gemeinsam zu erwerben. Dort finden nun regelmäßig auch Livemusik-Veranstaltungen statt. Schraml stand selbst ein halbes Jahr hinter dem Tresen, dann fand er eine Wirtin, die übernahm.

Schraml ist vor allem zufrieden, dass er mit seinem "Hobby" unter Beweis gestellt hat, dass die Lebens- und Wohnqualität auf dem Land hoch sein kann. "Es müssen nicht alle in die Stadt ziehen."

Dieser Tage hatte er einen Professor aus Münster am Telefon, der einen Altersruhesitz sucht. Gut dass noch etwas im Angebot war. Der Neu-Ober-Ohmener wird eine alte Scheune ausbauen und sich dort zur Ruhe setzen.

Ideen haben Schraml und seine Mitstreiter noch jede Menge. Es fehlten zum Beispiel Übernachtungsmöglichkeiten im Dorf. So könnte in einem Haus nahe der Gaststätte eine Pilgerherberge entstehen, wo Menschen übernachten, die den Kulturschatz in der Kirche, die Jahrhunderte alten Fresken im Turm, bestaunen wollen.

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