Stephanie Viehl und Sieglinde Seibert-Viehl (v. l.) freuen sich, dass Kunden nun wieder ins Schuhgeschäft dürfen.
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Stephanie Viehl und Sieglinde Seibert-Viehl (v. l.) freuen sich, dass Kunden nun wieder ins Schuhgeschäft dürfen.

Wieder Leben im Laden

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Die Kunden haben darauf gewartet, aber die Geschäftsleute noch viel mehr. Der Einzelhandel hat am Montag nach wochenlanger Corona-Unterbrechung wieder eröffnet. Mit Schutzmasken und Abstandsregeln kommt nun wieder Leben in die Läden - und das ist auch bitter nötig.

Ein bisschen Hoffnung ist auch dabei, wenn Stephanie Viehl sagt: "Jetzt geht es wieder voran, wir haben gut zu tun." Die Schuhhändlerin aus Homberg ist nicht die Einzige, die Optimismus versprüht. Auch andere Einzelhändler in Homberg und in Mücke freuen sich, dass es wieder mit dem Verkauf in den Geschäften losgeht. Lieferdienste und Onlinehandel haben zwar einen kleinen Teil der Verluste durch die Corona-Einschränkungen abgefedert, aber das hat vorne und hinten nicht gereicht.

So hat das Autohaus Hofmann in Nieder-Ohmen wieder geöffnet. Bislang haben die Autowerkstatt und die Tankstelle für Umsatz gesorgt, aber auf niedrigerem Niveau als vor der Corona-Krise. "Es fahren weniger Leute zur Arbeit, das hat man an der Tankstelle gemerkt", sagt Nadja Sütcü. So hat sie deutlich weniger Kraftstoff und Waren im Shop verkauft. Die Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit geschickt werden. Den härtesten Schnitt gab es im Autohaus: "Das war eine Katastrophe und das gerade im Frühling, wenn die Leute sonst Autos kaufen", sagt Sütcü. Das konnte der Onlineshop nicht abfangen. Nun haben alle Bereiche wieder geöffnet. Dabei würden die Kunden meist von selbst auf ausreichenden Abstand achten, Desinfektionsmittel für die Hände stehen bereit. "Die Kunden sind sehr verständnisvoll", erzählt Sütcü. Das bestätigt auch Stephanie Viehl vom Schuhhaus Seibert in Homberg. Dort gibt es am Eingang eine sogenannte Einmalmaske für den Einkauf und die Kunden bekommen Desinfektionsmittel für die Hände. "Damit wollen wir die Kunden und auch die Mitarbeiterinnen schützen." Der Service bei der Auswahl von Schuhen und Handtaschen wird geschätzt: "Wir hatten heute früh gut zu tun." Dabei achteten die Kunden darauf, dass nicht mehr als drei in den Laden an der Frankfurter Straße gehen.

Bis zu 90 Prozent weniger Umsatz

Die Wiedereröffnung sei dringend notwendig, sagt Viehl. Dem Schuhhaus sind in den letzten Wochen 80 Prozent des Umsatzes weggebrochen. Der Bringdienst hat zwar gut geklappt, Verluste sind aber trotzdem entstanden. Zudem ist das Schuhgeschäft Moden unterworfen. "Wir können nur einen Teil der Sommerkollektion in den Schaufenstern platzieren", und es sei wichtig, dass sich modebewusste Menschen in den Regalen umsehen können.

Das gilt auch im Modehaus Metz, das ebenfalls einen Bringdienst eingerichtet hat, aber damit nur einen Teil der aktuellen Kollektion präsentieren kann. "Es war zeitweise kalt, da hätte man noch die eine oder andere Jacke verkaufen können", schätzt Michael Metz. Er musste die Filiale in Friedberg komplett schließen, in Homberg gab es einen Lieferservice. Er beziffert den Umsatzrückgang dennoch auf rund 90 Prozent: "Das kann man als Einzelhändler nicht lange durchhalten."

Dabei könnten in dem 150 Quadratmeter großen Geschäft in Homberg problemlos fünf Kunden im Angebot stöbern, ohne damit die Abstandsregeln zu brechen. Metz: "Es ist toll, dass die Leute wieder ins Geschäft dürfen."

Darüber freut sich auch Ulrike Sowa, die ihren Buchladen gegenüber dem Rathaus am Montag wieder öffnen durfte. Bei ihr dürfen drei Kunden gleichzeitig ein Buch oder Präsent aussuchen. Viele haben angerufen und bekundet: "Wie schön, dass ich wieder im Laden gucken kann." Auch das Straßenleben in der Innenstadt hat sich wieder erholt, hat die Buchhändlerin beobachtet.

Zwar hat sie ebenfalls einiges über den Lieferservice abfangen können, aber das Stöbern in den Auslagen und Regalen ist dadurch nicht zu ersetzen. Den Bringdienst will sie erst einmal weiterlaufen lassen, allerdings auf zwei Tage pro Woche beschränkt. Das ist ein Angebot für Kunden, die Bedenken haben, derzeit aus dem Haus zu gehen.

Sowa überlegt, wie sie die Erfahrungen der letzten Wochen in die weitere Arbeit integriert. So hatte sie Erfolg damit, über einen Messengerdienst auf dem Smartphone 20 Bücher kurz vorzustellen. Das hat Kunden animiert, gerade diese Werke zu bestellen.

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