Augenarzt Roland Gross kann sich in der Alsfelder Praxis vor Patienten kaum retten. FOTO: JOL
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Augenarzt Roland Gross kann sich in der Alsfelder Praxis vor Patienten kaum retten. FOTO: JOL

Wieder Augenarzt in Alsfeld

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Über Monate musste Alsfeld ohne Augenarzt auskommen. Nun eröffnete Dr. Roland Gross in der Marburger Straße eine Zweigpraxis. Und er wird von Terminanfragen förmlich überrannt. Wer keine akuten Beschwerden hat, der muss sich gedulden. Bis Mai ist der Terminkalender voll.

Noch im Dezember berichtete die Alsfelder Allgemeine Zeitung darüber, dass es keinen Augenarzt in Alsfeld gibt. Inzwischen hat sich die Lage deutlich gebessert. Seit Mitte Januar bietet der Neukirchener Mediziner Dr. Roland Gross an zwei Tagen pro Woche Sprechzeiten in der Stadt an der Schwalm an. Die Praxis in Alsfeld betreibt er neben seinem Hauptsitz in Neukirchen und einem ambulanten OP-Zentrum in Schwalmstadt. Der Andrang ist sehr groß.

Der großzügige Behandlungsbereich über einer Apotheke an der Marburger Straße ist der dritte Standort seiner Praxis. Dort bietet Gross auch mit einer Sehschule Hilfe für Menschen mit Augenbewegungsstörungen und Augenzittern an. Der Hauptsitz ist in Neukirchen, ambulante Operationen führt er in Zusammenarbeit mit Anästhesisten in Räumen in Schwalmstadt durch. Gross will weiterhin konservativ und operativ arbeiten. "Ich wollte immer auch operieren", sagt der Mediziner. Mehrere Jahre hat er als leitender Oberarzt an der Klinik in Bad Hersfeld gearbeitet und dabei viele Operationen vorgenommen. Nun will er noch einen weiteren Augenarzt gewinnen, um den Bedarf an den drei Standorten abzudecken. "Es ist schwierig, einen Augenarzt zu finden", berichtet er im Gespräch. Eine Schwierigkeit dabei ist, dass offene Arztsitze, die von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ausgeschrieben werden, vorrangig von großen Ketten und Medizinischen Versorgungszentren, kurz MVZ, übernommen werden. Das schränkt die Möglichkeiten ein, sich selbst niederzulassen oder kleinere Praxisverbünde zu erweitern. Das andere Problem ist, überhaupt einen Facharzt zu finden, der in einer Praxis im ländlichen Raum arbeiten möchte.

Dabei ist es Roland Gross nicht wichtig, ob der Kollege oder die Kollegin ebenso wie er konservativ und operativ arbeitet oder ob eine Tätigkeit in Teilzeit im Vordergrund steht. Der Bedarf ist groß und die Lebensqualität insbesondere für Familien darf hoch sein. Denn neben der Praxisarbeit soll die Zeit für die Familie nicht zu kurz kommen.

Gross hat in Berlin studiert und nach Stationen in Göttingen und Bad Hersfeld den Schritt in die eigene Praxis gewagt. Ein Facharzt darf zusätzlich zu seiner Stammpraxis an zwei weiteren Orten tätig sein. Da die Kapazitäten der räumlich deutlich kleineren Praxis in Neukirchen an ihre Grenzen stoßen, fiel die Entscheidung für eine Zweigpraxis in Alsfeld. So kann den Patienten eine wohnortnahe Versorgung angeboten werden.

Damit stößt er in ein Vakuum. Denn das augenärztliche Versorgungszentrum einige Meter weiter oben in der Marburger Straße hat schon vor einiger Zeit aufgehört. Die Rollläden der Praxisräume sind herunter gelassen, ein Schild im Schaukasten verkündet, dass die Augenarztpraxis "ab dem 1.11.2019 geschlossen" ist. Auch eine aktuelle Suche über den Praxis-Finder der KV ergibt für Alsfeld nur einen Treffer, eben die Praxis von Dr. Gross.

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