Das Weihnachtsessen in einer Lieblingsgaststätte muss in diesem Jahr ausfallen - stattdessen können sich Kunden ihr Festtagsmahl abholen oder liefern lassen und in den eigenen vier Wänden genießen. SYMBOLBILD: DPA
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Das Weihnachtsessen in einer Lieblingsgaststätte muss in diesem Jahr ausfallen - stattdessen können sich Kunden ihr Festtagsmahl abholen oder liefern lassen und in den eigenen vier Wänden genießen. SYMBOLBILD: DPA

Das Weihnachtsessen ist gerettet

  • vonLena Karber
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An Weihnachten müssen die Menschen hierzulande in diesem Jahr auf vieles verzichten - aber nicht auf gutes Essen. Denn obwohl die Restaurants geschlossen bleiben, bietet die heimische Gastronomie festliche Speisen an - zum zu Hause genießen.

Ente oder Gans? Fondue oder Raclette? Ein festlicher Braten oder ganz traditionell Kartoffelsalat mit Würstchen? Rund um Weihnachten steht gutes Essen bei vielen Leuten ganz weit oben auf der Prioritätenliste. Entsprechend laufen die Gastronomen an den Feiertagen regelmäßig zu Höchstleitungen auf - und zwar auch in diesem Jahr. Denn obwohl die Restaurants wegen der Pandemie geschlossen bleiben müssen, wollen viele Betreiber ihren Kunden ein leckeres Weihnachtsfest zubereiten.

Einige Betriebe wie der Landgasthof Jägerhof in Lauterbach-Maar haben dazu spezielle Weihnachtsmenüs zusammengestellt: Rind, Wild oder Gänsekeule? Wer bei Hans Schmidt das dreigängige Angebot bestellt, hat die Qual der Wahl.

Oder soll es doch lieber eine ganze Gans sein, an der sich die Familie satt essen kann? Mit Rotkohl, Rosenkohl und Klößen als Beilage und Bratapfel mit Vanillesoße zum Nachtisch müssen die Kunden auf keine Tradition verzichten. Für die Gastronomen sind die Gewinne, die das Lieferangebot einbringen wird, jedoch oftmals nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

"Wir haben normalerweise 400 Gäste in zwei Tagen - wenn wir in diesem Jahr 50 bis 100 Abholungen haben, ist das gut", erläutert Schmidt die Größenordnung des zu erwartenden Verlusts. Dazu kommen die ausbleibenden Getränkebestellungen: Ein Sekt vor dem Essen? Dann ein guter Wein? Normalerweise sei das ein Teil des Feiertagsgeschäfts, dass die Leute "sich mal richtig schon verwöhnen lassen".

"Es ist eine Art Schadensbegrenzung", meint auch Christine Gärtner vom gleichnamigen Landhotel in Flensungen, wo es an den Feiertagen eine Vielzahl von Braten gibt: Gans, Pute, Ente, Vogelsberger Reh und Vogelsberger Lamm stehen auf der Speisekarte.

Letztlich sei der zu erwartende Umsatz jedoch "ein Witz", betont sie und geht von einem Minus von 500 Prozent aus. "Wir müssen uns ja irgendwie über Wasser halten und man kann einen Betrieb in dieser Größe nicht einfach so runterfahren, da es immer laufende Kosten gibt", begründet sie die Entscheidung, das noch Mögliche aus dem Weihnachtsgeschäft rausholen zu wollen. "Aber wir hatten an den beiden Feiertagen sonst jeweils extrem gute Umsätze, davon sind wir jetzt ganz weit entfernt."

Dieses Schicksal dürften die meisten Betreiber von Restaurants teilen. Denn die Weihnachtsfeiertage gehören in der Gastronomie normalerweise zu den umsatzstärksten Tagen überhaupt - zumindest in Deutschland. Während in anderen Ländern wie Italien, England oder Australien hauptsächlich zu Hause gespeist wird, gilt das in Deutschland nur für Heiligabend selbst. Am 25. und 26. Dezember ziehen es immer mehr Menschen vor, mit der Familie Essen zu gehen, statt stundenlang am Herd zu stehen, um das Festtagsmenü selbst zuzubereiten.

Für viele Betriebe scheint das auch in diesem Jahr ein Ansporn. "Auch wenn es sich rein rechnerisch nicht lohnt, versuchen wir, für unsere Gäste da zu sein, denn irgendwann ist Corona ja auch vorbei und dann geht’s weiter", sagt etwa Fernando Dogana vom Landgasthof Fleischhauer in Homberg. Dass man nicht, wie geplant, die Feiertage - zumindest mit reduzierter Auslastung - begehen könne, sei "eine harte Sache", sagt er. "Das sind normalerweise Großkampftage, an denen man das Geld für Januar und Februar verdient, wo es erfahrungsgemäß ruhiger ist."

Da Aufgeben für Dogana jedoch keine Lösung ist, gibt es an den Feiertagen Wildschweinbraten aus der Region, Gänsekeule und Schnitzel-Platten. "Das machen wir auch unseren Gästen zuliebe", betont er. "Wir freuen uns über jeden, der kommt."

Für alle, die in diesem Jahr auf den Ausflug ins Lieblingsrestaurant verzichten müssen, aber auch für all jene, die in diesem Jahr vielleicht keine Lust haben, groß zu kochen, weil die Feier im kleinen Rahmen stattfindet, könnte ein Festtagsessen per Lieferung also eine gute Alternative sein. Und wer sich die Angebote der heimischen Gastronomie anschaut, wird merken, dass zumindest kulinarisch trotz Corona keine Abstriche gemacht werden müssen.

Damit die Restaurants ihre Gäste 2021 wieder vor Ort empfangen können, hat Gärtner noch einen Wunsch: "Ich hoffe, dass sich alle an die Regeln halten und sich nicht mit so vielen Menschen treffen, damit wir die Lage so langsam mal in den Griff kriegen und wir wieder öffnen dürfen", sagt sie.

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