Robert Voswinckel
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Robert Voswinckel

Wegen Corona-Angst Herzinfarkt?

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Schotten(pm). Während in den vergangenen vier Wochen die Politik in Bund und Land quasi mit Lichtgeschwindigkeit Maßnahmen und Gesetze initiierte und beschloss, während 2000 Krankenhäuser sich unter Hochdruck und mit erheblichem finanziellen und personellen Aufwand für die erwartete Pandemie rüsteten, haben mehr als 80 Millionen Menschen in Deutschland mit Einsicht und Disziplin ihren Teil dazu beigetragen, dass die Geschwindigkeit der Corona-Infektionswelle hier zu Lande deutlich verlangsamt werden konnte.

Ihnen drohen nun ganz andere Gefahren: die mangelnde Versorgung anderer (akuter und chronischer) Erkrankungen, weil viele aus Angst vor Ansteckung den Weg zum Krankenhaus scheuen. "Bei uns sind Sie sicher!", lautet deshalb der aktuelle Appell auch von Prof. Dr. med. Robert Voswinckel, Chefarzt für Innere Medizin im Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim und Bürgerhospital Friedberg, zur Gruppe zählt auch das Krankenhaus in Schotten.

Zu den vorbereitenden Maßnahmen in den Krankenhäusern gehörte auf Anweisung der Landesregierung die Absage aller nicht akuten Eingriffe wie zum Beispiel der Einsatz von Knie- oder Hüftgelenken oder länger geplante Gallenoperationen. "Mit einigem Schrecken stellen wir nun fest, dass seither auch die Zahl der Patienten mit leichten Schlaganfällen, Herzinfarkten oder anderen akuten Erkrankungen weit hinter den Durchschnitt zurückgefallen ist", erläutert Voswinckel.

Das Phänomen, das nach Voswinckels Angaben bundesweit beobachtet wird, führt inzwischen bereits zu offiziellen Warnungen medizinischer Fachgesellschaften. So zeige sich etwa die Deutsche Schlaganfallgesellschaft alarmiert über die rapide gesunkene Zahl von Patienten mit leichten Schlaganfallsymptomen. "Diese kommen offenbar aus Angst vor Ansteckung zu spät oder gar nicht ins Krankenhaus - ein verhängnisvoller Fehler, denn ebenso wie beim leichten Herzinfarkt ist es beim leichten Schlaganfall essenziell, die Patienten möglichst frühzeitig zu behandeln, um weitere Anfälle, Folgeschäden oder Tod zu vermeiden", betont der Internist.

Ähnliches gelte für Krebspatienten. Diese würden offiziell zur Risikogruppe gezählt und ihnen werde geraten, möglichst zu Hause zu bleiben. "Wenn diese Patienten daraus dann aber den Schluss ziehen, geplante Therapie- oder Nachsorgetermine abzusagen, kann das fatal sein und ihr Leben gefährden", erläutert Voswinckel weiter.

Als Gründe für die allgemeine Distanz zum Krankenhaus gelten sowohl die Angst vor Ansteckung als auch das Bestreben, Corona-Infizierten keine Betten "wegzunehmen". "So menschlich beeindruckend diese Rücksichtnahme auch ist, sie sollte nicht zulasten der eigenen Gesundheit gehen", mahnt der Mediziner. Beide Begründungen gingen zudem an der Wirklichkeit vorbei. In allen drei GZW-Akutkrankenhäusern in Bad Nauheim, Friedberg und Schotten werde, basierend auf den RKI-Empfehlungen, eine strenge räumliche Trennung zwischen Corona-Verdachtsfällen und anderen Patienten vorgenommen, sowohl in den zentralen Notaufnahmen als auch später in der stationären Versorgung. "Es gibt keinen Grund, trotz akut auftretender Symptome nicht das Krankenhaus aufzusuchen oder als schwer chronisch Kranke(r) wichtige Therapietermine abzusagen. Gefährden Sie nicht Ihre Gesundheit, gehen Sie ins Krankenhaus, wenn es nötig ist", betont Voswinckel.

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