A 49

Wasserbüffel statt Wald

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Viel Positives wussten offensichtlich Vertreter der DEGES und Stadtallendorfs Bürgermeister C. Somogyi im Rahmen einer Imagekampagne zum Weiterbau der A 49 den eingeladenen Medienvertretern zu berichten.

Während eines Pressetermines wurden insbesondere drei der etwa 160 Maßnahmen vorgestellt, die einen Ausgleich für den durch den Autobahnbau entstehenden Naturschaden schaffen sollen.

Als Bund-Länder-Unternehmen muss sich die DEGES an die Vorgaben des Planfeststellungsbeschluss halten. Hierzu gehört, dass vor dem Weiterbau der A 49 ein großer Teil der Ausgleichsmaßnahmen wirksam umgesetzt sein muss.

Für die vorgestellten Projekte bedeutet es, dass die am Geiersberg angepflanzten 35 000 Baumsetzlinge vor Baubeginn alle angewachsen sein müssen, und Kammmolche, Fledermäuse, Kiebitze und Co. müssen auch schon vor Baubeginn die ihnen neu zugewiesenen Lebensräume gefunden und angenommen haben. Zweifel, ob dies in der Kürze der Zeit möglich sein wird, sind angebracht.

Laut Naturschutzgesetz müssen die Umsetzung und die Wirksamkeit jeder Ausgleichsmaßnahme geprüft und nachgewiesen werden. Leider obliegt diese Überprüfung aber nicht unabhängigen Sachverständigen aus Natur- und Umweltverbänden. Vorgesehen ist hierfür die Zuständigkeit der Oberen Naturschutzbehörde. Diese untersteht dem Regierungspräsidium, welches wiederum der Landesregierung weisungsgebunden untersteht. Entsprechende Zielvorgaben durch die jeweils übergeordneten Stellen sind nicht unwahrscheinlich. Die Zielsetzungen sind hinlänglich bekannt.

Abgesehen davon, dass Naturraumzerstörungen durch keinerlei Maßnahmen adäquat ausgeglichen werden können, wurden bei den vorgestellten, vermeintlichen Vorzeigeobjekten offensichtlich nicht alle relevanten Fakten mitgeteilt.

Nach Rücksprache mit Vertretern des NABU musste ich feststellen, dass sich die DEGES bei der Ausgleichsmaßnahme "Bekassinenloch" mit "fremden Federn" schmückte. Die ursprünglichen Planungen für diesen Bereich waren zunächst wenig zielführend und konnten nur durch die hart- näckige Intervention der Schutzgemeinschaft Ohmtal und des NABU dahingehend verbessert werden, dass diese Maßnahme nun einen halbwegs ökologischen Nutzen haben kann. Wie allerdings bei einer extensiven, ökologischen Nutzung der vorgestellten Vernässungsfläche bei Amöneburg die Haltung von bis zu 20 Wasserbüffeln möglich sein soll, ist für mich nicht nachvollziehbar.

Am Beispiel der "Eichenwälder bei Stadtallendorf" wird postuliert, dass die Waldbewirtschaftung zurückgefahren werden soll. Allerdings wird nicht gesagt, dass es sich dabei um Flächen in Hanglagen handelt, die ohnehin nur schwer zu bewirtschaften sind und aus der Nutzung herausfallen.

Die vorgestellte Ausgleichsmaßnahme "Geiersberg" verdeutlicht, wie bizarr der Umgang mit unserer Naturlandschaft ist. Acker- und Grünlandflächen werden der landwirtschaftlichen Nutzung und somit der Nahrungsproduktion entzogen, weil auf ihnen nun Wald wachsen soll. Zudem sei - so DEGES-Umweltexperte Rosenstein - diese Nutzung "trinkwasserschonender". Dass mit dem Weiterbau der A 49 aber die Brunnenkette im Gleental extrem gefährdet ist, erwähnte der Projektmanager nicht.

Die Trinkwasserbrunnen im Gleental versorgen 500 000 Menschen bis in das Rhein-Main-Gebiet hinein mit Trinkwasser. Der Zweckverband Mittelhessischer Wasserversorger sprach unlängst die Befürchtung aus, dass durch die notwendigen, sehr tiefgründigen Einbringungen von Brückenpfeilern das Grundwasser in diesem Trinkwasserschutzgebiet für lange Zeit verseucht werden könnte. Weitere Gefahren für die Verschmutzung des Trinkwassers stellen (Gefahrgut-)Unfälle in diesem Autobahnabschnitt oder Ablagerung von Mikroplastik durch Reifenabrieb dar.

Aber leider, leider stehen immer und immer wieder überwiegend nur wirtschaftliche Belange und Interessen bei allen zu treffenden Entscheidungen im Vordergrund. Wenn sich nicht Organisationen wie NABU, BUND und andere für den Natur- und Umweltschutz einsetzen würden, wären diese Themen für die Verantwortungsträger der Politik überhaupt nicht relevant.

Jeder sollte die Weisheit der Cree-Indianer bedenken: "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann!"

Elke Müller, Homberg

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