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Bild vom vergangenen Sommer am »Eichbörnchen«, wo sich ein Merlauer Wasser holt.

Was wird aus dem Eichbörnchen?

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Die Heimat- und Kulturgruppe »Hobstallstowwe« aus Merlau beklagt den Verlust eines »heiligen Ortes«. An der Quelle Eichbörnchen im Burgwald ist auf Betreiben der Naturschutzbehörden die Einfassung entfernt worden. Nun könnten Einwohner dort weder Taufwasser holen noch sich im Sommer an einer Erfrischung laben.

Gemauert und mehrmals neu eingefasst ist das Eichbörnchen seit Jahrzehnten ein Ort der Begegnung mit der Natur und der Merlauer Geschichte. Es liegt versteckt und trotzdem gut erreichbar im Wald. Es sei Tradition, sich dort Wasser zu holen, um es beispielsweise in die Kirche zu bringen, wo es als Taufwasser dient. Bei Familienausflügen an warmen Sommertagen biete das Wasser eine willkommene Erfrischung.

Einheimische suchten die Quelle auf, um sich mit dem »Ursprung des Lebens« verbunden zu fühlen. »Somit ist das Eichbörnchen ein fast schon heiliger Ort«, meinen Regula Preisendörfer und Bill Spring.

Bedrohungen, wie bei anderen Quellen im Vogelsberg, die als Trinkwasserquelle für Rinder oder als touristische Attraktion genutzt werden, war das Eichbörnchen nicht ausgesetzt. Auch Tiere und Pflanzen fühlen sich im Burgwald und an der Quelle wohl.

Doch auch hier macht der Klimawandel nicht vor der Natur halt. So hat man festgestellt, dass mehrere Lebensformen vom Aussterben bedroht sind. Insbesondere sorgen sich Experten um das Fortbestehen der Rhön-Quellschnecke und des Grundwasserflohkrebses. Im vergangenen Jahr nun wurde die Quelle auf Betreiben der Naturschutzbehörden wieder in einen naturnahen Zustand zurückversetzt.

So sei das Eichbörnchen im vergangenen Herbst ausgebaggert und auf einen »schlammigen Graben reduziert worden.« Dies, um den Lebensraum der Rhön-Quellschnecke und des Grundwasserflohkrebses zu schützen. »Doch die von der Bevölkerung so geschätzte Quelle ist zerstört«. Das dürfe so nicht bleiben, meinen die Sprecher einer Interessengemeinschaft. Sie hoffen auch darauf, dass die Rhönquellschnecken durch den Baggereinsatz keinen Schaden genommen haben.

Überlauf und Abfluss der Quelle seien vernichtet, man kritisiert, dass die historische Stelle ohne Rücksprache beseitigt wurde. Nun gebe es auch nicht mehr die Möglichkeit, dort Taufwasser zu holen.

Das zuständige Forstamt Schotten verweist hinsichtlich der Arbeiten an die untere Naturschutzbehörde, die zuständig sei. »Wir üben keine Kritik, dass die Einfassung wegen der Tiere weichen musste, aber man hätte im Vorfeld informieren und milder vorgehen können«, so die Gruppe der Geschichtsinteressierten.

Dazu hat sie eine Petition an das zuständige Forstamt gerichtet und hofft auf fachkundige Hilfe. Die auf den Weg gebrachte Petition haben Mitglieder des Ortsbeirates und die Pfarrerin aus der Gruppe des Dorfmuseums unterzeichnet. Das Ziel lautet: »Wir suchen nach einer Lösung, wie der kulturhistorische und denkmalpflegerische Wert des Eichbörnchens mit der Naturschutzmaßnahme im Nachhinein in Einklang zu bringen sind.«

Die Naturschutzbehörde verweist darauf, dass Quellbereiche gesetzlich geschützte Biotope sind. Als Grenzlebensraum zwischen Grundwasser und Fließgewässer hätten Quellen eine hohe Bedeutung für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten, die an diese besonderen Lebensbedingungen angepasst sind.

Im Grundwasser von Quellen leben viele Kleinstlebewesen. Handlungen, die zu einer Zerstörung oder einer sonstigen erheblichen Beeinträchtigung der natürlichen Quellbereiche führen können, sind verboten. Durch Stein- und Betonfassungen mit eingebauten Rohren, die früher häufig zur Erleichterung der Wasserentnahme errichtet wurden, wie auch bei der Eichbörnchen-Quelle im Burgwald, sei die natürliche Wanderbewegung von Kleinstlebewesen in den Grundwasserkörper nicht mehr möglich. Durch eine Quellfassung gehe der Lebensraum der teils streng geschützten Arten verloren. Um diesem Lebensraumverlust entgegenzuwirken, würden die einst errichteten Quellfassungen nach und nach zurückgebaut.

Der erneute Bau einer Quellfassung sei nicht »mit dem Ziel der im Herbst 2020 durchgeführten Renaturierung vereinbar«.

Am Holzgeländer befand sich die Quelleinfassung, Wasser drückte durch Kies und floss in ein Rohr. Jetzt muss man schon genau hinsehen, um ein Fließen zu erkennen.

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