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Warum der Enkeltrick funktioniert

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Von: Constantin Hoppe

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Immer wieder werden zumeist ältere Menschen Opfer von Schockanrufen und anderen Betrugsmaschen. SYMBOLBILD: DPA © DPA Deutsche Presseagentur

Kriminelle haben mit Telefonbetrug im Jahr 2021 in Hessen Millionen Euro in ihre Taschen gesteckt. Besonders perfide sind der Enkeltrick oder Schockanrufe, denen meist ältere Mitbürger zum Opfer fallen. Manchmal sogar, obwohl sie um die Gefahren dieser Maschen wissen.

Die Masche mit dem Enkeltrick ist nicht neu, aber die Betrüger lassen nicht locker. Immer wieder werden zumeist ältere Mitbürger zu Opfern solch perfider Tricks. Das Vorgehen ist dabei meist ähnlich: Das Telefon klingelt. Ist der Hörer abgenommen, erklingt eine Stimme: »Oma, bist du es?«

Danach wird dem ahnungslosen Opfer eine tragische Geschichte aufgetischt. Von den einfachen Geldsorgen bis hin zum tödlichen Unfall. Gefolgt von der Bitte, eine Überweisung zu tätigen, Kontodaten herauszugeben oder das Geld in bar zu einem vereinbarten Treffpunkt zu bringen.

Doch warum fallen so viele Personen auf diese Masche herein? »Fakt ist: Die Täter sind sehr geschickt in dem, was sie tun, und gehen äußerst gerissen vor«, erklärt Sandra Hanke, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Osthessen in Fulda. »Es kann wirklich jeder zum Opfer werden.«

Die Strategie der Täter ist meist gleichbleibend: Bei einem Telefonat versuchen die Täter durch Suggestivfragen Informationen zu bekommen, die sie im Anschluss gegen ihre Opfer nutzen können. »Wir hatten schon Geschädigte, die sagten: Die wussten so viel von mir. Wie kann das denn sein?«, berichtet Hanke. »Diese Informationen haben die Täter von den Geschädigten bekommen, ohne dass diese es bemerkt haben.« Meist versuchen die Betrüger schon mit der Gesprächseröffnung, einen Namen zu bekommen, den sie verwenden können. Etwa durch eine Frage wie: »Oma, rate doch mal wer dran ist?« Sobald die Täter genügend Informationen haben, täuschen sie eine Notlage vor. »Oft kommt es sogar vor, dass die Anrufer am Telefon weinen. Die sind wirklich gut darin, so etwas vorzutäuschen«, sagt Hanke. Letzten Endes geht es immer nur um eins: Das Geld der Geschädigten. Und ist dieses einmal überwiesen oder übergeben, sieht man es nicht wieder.

Wie viele Fälle es in der letzten Zeit gab, ist schwer zu ermitteln: »Die Dunkelziffer dieser Fälle ist recht hoch«, sagt Hanke. Im Zuständigkeitsgebiet des Polizeipräsidiums Osthessen gab es seit dem Jahresbeginn eine niedrige zweistellige Zahl von Fällen, rund ein Drittel davon im Vogelsbergkreis.

Die Betrüger sind in ihrem Vorgehen sehr kreativ. Immer wieder werden neue Methoden erdacht, um Menschen um ihr Hab und Gut zu bringen. Dabei werden die unterschiedlichsten Maschen miteinander kombiniert. In den vergangenen Wochen gab es in Osthessen beispielsweise die ersten Fälle einer neuen Variante.

Bei dieser nehmen Täter zunächst Kontakt über den Messenger-Dienst WhatsApp auf. Sie schreiben sinngemäß: »Hallo Oma, ich habe eine neue Telefonnummer, bitte speichere diese ab.« In der Folge gibt es dann erneuten Kontakt in schriftlicher Form per Messenger-Dienst. Die Täter schildern auf diesem Weg dann eine Notlage und bitten um Geld, beschreibt Hanke das Vorgehen. Erst im März wurde so eine Frau aus Lauterbach um einen vierstelligen Betrag gebracht: Betrüger hatten sich per Messenger-Dienst als ihr Sohn ausgegeben und sie gebeten, einen Betrag an ein unbekanntes Konto zu überweisen.

Dabei spielt den Tätern oft das Schamgefühl der Opfer in die Hände: »Viele Opfer einer solchen Masche wollen nicht darüber sprechen und melden sich nicht bei Verwandten oder der Polizei«, sagt Hanke. »Genau darauf setzen die Täter. Denn je weniger die Polizei erfährt, desto sicherer sind die Täter.«

Den Tätern sei bei all diesen Betrugsmaschen daran gelegen, so unauffällig wie möglich zu bleiben. Meist sitzen die Anrufer im Ausland und nutzen Computerprogramme, um ihre Telefonnummern zu verschleiern. Je nach Masche treten lediglich Mittelsmänner, die das Geld übernehmen, in Erscheinung.

Aber unmöglich ist eine Ermittlung der Täter nicht: »Wir hatten schon Fahndungserfolge nach den Anrufern«, sagt Hanke. »Je mehr Informationen wir bekommen, desto höher sind die Erfolgsaussichten der Polizei.« Betroffene sollten sich daher nicht scheuen, die Polizei beim Verdacht eines Betrugs zu informieren. Es gibt Möglichkeiten, sich vor solchen Betrugsversuchen zu schützen: Präventiv rät die Polizei dazu, mindestens seinen Vornamen aus dem Telefonbuch streichen zu lassen. »Meist suchen die Täter Vornamen, die auf eher ältere Anschlussbesitzer hinweisen«, erklärt die Pressesprecherin. »Mittlerweile raten wir sogar dazu, seinen Eintrag ganz aus dem Telefonbuch streichen zu lassen.«

Jedoch wird eine solche Änderung erst zum nächsten Jahreswechsel wirksam. Daneben rät die Polizei dazu, ein Telefonat sofort zu beenden, wenn es um Geld geht. »In diesem Fall sollte man die Person, mit der man gerade vermeintlich telefoniert hat, unter einer bekannten Nummer anrufen«, erklärt Hanke. So kann ein Betrugsversuch schnell aufgedeckt werden. Auch die Polizei sollte man in solch einem Fall kontaktieren - dazu kann die Notrufnummer 110 genutzt werden.

Auch dem Besuch von falschen Polizeibeamten lässt sich vorbeugen: »Viele Menschen scheuen sich davor, nach einem Dienstausweis von Polizeibeamten zu fragen«, sagt Hanke. Diesen sollte man sich immer zeigen lassen. Zusätzlich rät sie zum Anruf bei der Polizei: »Diese kann sagen, ob derzeit Beamte im jeweiligen Gebiet unterwegs sind.« Auch hierzu kann die 110 benutzt werden. Auf keinen Fall sollte man die vermeintlichen Beamten davor in die Wohnung lassen.

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