Die Wälder laden derzeit zum Spaziergang ein. Der ist nicht nur für den Körper gut, auch die Seele profitiert. FOTO: NICI MERZ
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Die Wälder laden derzeit zum Spaziergang ein. Der ist nicht nur für den Körper gut, auch die Seele profitiert. FOTO: NICI MERZ

Wald hilft bei der Therapie

  • vonJutta Schuett-Frank
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Schon vor der Corona-Krise war das sogenannte Waldbaden als Gegenmittel zur alltäglichen Hektik im Trend. Jetzt in der Krise steht das frische Grün auch für die Hoffnung, dass bald wieder alles normal ist. Katja Nicolai aus Mücke macht sich die Kraft des Waldes zunutze und hat ihn als "Mit-Therapeuten" verpflichtet.

Katja Nicolai liebt die Natur und sie ist Diplompsychologin. Was liegt da näher, als beides zu verbinden? Das dachte sie Ende vergangenen Jahres und startete in die Selbstständigkeit, sie arbeitet aber noch weiter in der Laubacher Mutter-Kind-Klinik.

Die Mainzerin kam nach dem Studium in Marburg und der Liebe wegen zunächst nach Gießen und zog dann mit ihrem Mann nach Groß-Eichen. Dort streift sie viel durch die Wälder.

Nachdem sie bei Cornelia Stöhr in Laubach einen Kurs im Waldbaden besucht hatte, war ihr Therapiekonzept geboren: "Mir war immer schon klar, dass der Wald eine tolle Wirkung hat", so Nicolai. Aber wie, das wollte sie genauer wissen und vertiefte sich in zahlreiche Studien und einschlägige Literatur dazu.

"Die positiven Effekte des Waldes auf die Gesundheit des Menschen gehen unter anderem auf die sogenannten Terpene zurück, Moleküle, die Bäume absondern, um miteinander zu kommunizieren."

Ein Aufenthalt im Wald könne Menschen dabei unterstützen, Stress abzubauen, das Immunsystem stärken, besseren Schlaf fördern, die Konzentrationsfähigkeit steigern, Bluthochdruck vermindern und die Stimmung verbessern.

Dabei werden die heilsamen Kräfte des Waldes als Unterstützung für den therapeutischen Prozess genutzt. Nicolai: "Die Geräusche, Gerüche und Farben wirken beruhigend und ausgleichend." Zudem lockert die Bewegung Muskeln und das Gehirn.

Es falle im Gehen oft leichter, zu sprechen und Lösungen zu finden. "Dies weiß ich aus eigener Erfahrung und alle, die sich gerne im Wald aufhalten und sich gerne bewegen, wissen dies auch." Zahlreiche wissenschaftliche Studien würden es zudem bestätigen.

Es gelte als gesichert, dass ein Aufenthalt im Wald stressmindernd wirke, den Blutdruck senke und die Stimmung aufhelle. Nicolai ist überzeugt: "Er hilft, von Grübelgedanken Abstand zu nehmen. Man kann über die eigene Situation neu nachdenken und Lösungen für Probleme leichter finden." Auch Kliniken würden bereits mit entsprechenden Konzepten arbeiten, weiß sie aus ihrer Berufspraxis.

Momentan gibt es schon Anfragen für ihre spezielle Therapie im Wald, allerdings hielten sich die Menschen noch zurück, weil Angst- und Unsicherheitsgefühle bei vielen angesichts der Krise derzeit wohl überwiegen, hat sie beobachtet. Nicolai: "Ich bleibe dran." Denn Ängste brechen sich oft erst später Bahn. "Und dann bin ich noch da."

Einzelsitzungen sind weiter möglich, Gruppenangebote nicht: "Im Wald läuft man nicht Gefahr, sich anzustecken."

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