Baugebiete wie Wallenbach in Mücke bieten Platz für Zuzug, was aktuellen Prognosen entgegenwirkt, die einen deutlichen Schwund der Vogelsberger Bevölkerung vorhersagen. FOTO: JOL
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Baugebiete wie Wallenbach in Mücke bieten Platz für Zuzug, was aktuellen Prognosen entgegenwirkt, die einen deutlichen Schwund der Vogelsberger Bevölkerung vorhersagen. FOTO: JOL

Wachsen gegen die Prognose

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Wenn die Prognosen zutreffen, schrumpft die Vogelsberger Bevölkerung wie ein Eisberg vor Grönland. Minus 23 Prozent bis 2040 berechnet das Statistische Landesamt. Aber es gibt auch andere Anzeichen, so ist die Bevölkerungszahl in Ulrichstein stabil, in Homberg und Mücke sogar leicht positiv.

Der Vogelsberg ist attraktiv für Menschen auf der Suche nach einem Haus oder Bauland. Das ist eine überraschende Erkenntnis aus neueren Bevölkerungszahlen - trotz anders lautender Schlagzeilen. So hat das statistische Landesamt eine Prognose vorgelegt, wonach Rhein-Main wächst, während der Vogelsbergkreis bis 2040 um 23 Prozent schrumpft. Zweifel sind angebracht, aktuell gibt es eine recht stabile Bevölkerungszahl im Kreis, in Homberg, Mücke und Ulrichstein. Teure Immobilien im Ballungsraum machen das Wohnen im ländlichen Raum interessanter. Und auch beim Breitbandausbau holt die Region auf.

Vogelsbergkreis

"Wir verzeichnen gerade in jüngster Zeit vermehrt Zuzug in den Gemeinden, die eine günstige Verkehrsanbindung haben, wie Alsfeld oder Mücke an der A 5", sagt Landrat Manfred Görig über die Lage im ganzen Kreis. Im Vogelsberg kann man gut und relativ günstig wohnen, das bringt ein Plus durch Zuzug. Allerdings sterben mehr Vogelsberger als geboren werden, 2017 hatte der Kreis hier mit zehn Prozent die höchste Rate in ganz Hessen. Görig verweist auf die Anstrengungen des Kreises. Beispiele sind eine funktionierende Infrastruktur mit einem guten Betreuungs- und Schulangebot, um junge Familien anzusprechen.

Homberg

Homberg Bürgermeisterin Claudia Blum sieht ebenfalls einen Trend nach oben. So gab es eine negative Bevölkerungsentwicklung in Homberg in den vergangenen zehn Jahren um 4,29 Prozent. Ende 2009 gab es 7 689 Ohmstädter, 2019 waren es 7 359. Im Vorjahr legte die Einwohnerzahl um 30 zu, ein Plus von 4,29 Prozent. Generell schrumpft die Bevölkerung in kleinen Ortsteilen stärker. Wichtig sind aber Rahmenbedingungen wie Baugrundstücke und Infrastruktur vor Ort. Dann haben auch kleinere Orte Chancen. So ist die Bevölkerung im recht kleinen Büßfeld in den letzten Jahren gewachsen. Chancen für Homberg ergeben sich insgesamt aus der guten Erreichbarkeit von Marburg, Gießen und Frankfurt aus. Durch den geplanten Bau der A 49 wird auch Kassel gut erreichbar sein. Die Stärken der Großgemeinde sieht Blum in einem guten Arbeitsplatzangebot, einem attraktiven zentralen Ort und hoher Lebensqualität. Dazu gehören der neue Drogeriemarkt, gute Wohnqualität sowie Rad- und Wanderwege.

Mücke

Mücke hat in den vergangenen 15 Jahren tatsächlich zehn Prozent seiner Einwohner verloren. "Erfreulicherweise ist zurzeit ein gewisser Stillstand beim Rückgang eingetreten, sogar ein leichter Aufwärtstrend ist zu beobachten", teilt Bürgermeister Andreas Sommer mit. Vom Januar bis Ende September 2019 wuchs die Bevölkerung um 74 auf 9414. Mücke profitiert wohl von guter Verkehrsanbindung über Vogelsbergbahn, A 5 und B 49 sowie seiner Lage am Rand des Vogelsbergs, wie Sommer annimmt. Auch die Nähe zu Gießen und zum Rhein-Main-Gebiet mache sich bemerkbar. Darauf reagiert die Gemeinde mit Baugebieten.

Ulrichstein

16,4 Prozent Bevölkerungsrückgang bis 2035 sagt die Hessen Agentur für Ulrichstein voraus. Doch daran glaubt Bürgermeister Edwin Schneider nicht, mit gutem Grund. Die Einwohnerzahlen liegen aktuell stabil bei 2 950. Hierin sind auch rund 45 Flüchtlinge enthalten, "mit denen wir gerne zusammenleben". Dabei gebe es keine Unterschiede zwischen der Kernstadt und den Stadtteilen. "Mal nimmt dieser Ort an Einwohnern zu, mal dieser ab und zum nächsten Stichtag ist es umgekehrt", sagt Schneider. Ein Problem, das auch andere Kommunalpolitiker umtreibt, ist, dass es teuer für den Einzelnen wird, wenn weniger Menschen für Kläranlagen sowie Wasser- und Kanalleitungen bezahlen. "Gerade in den vergangenen drei bis vier Jahren wird vermehrt nach Wohnraum in unserer Stadt gesucht", sagt Schneider. Im Ballungsraum wird es einigen zu eng und zu teuer. Auch ältere Häuser, die länger leer standen, werden gekauft. Sehr wichtig ist ein Breitbandanschluss. "Die Menschen, die hierher wollen, fragen immer nach schnellem Internet, insbesondere jüngere Leute." Auch Angebote für Ältere sind wichtig, etwa ein Seniorenheim. Pflegeangebote, die das möglichst lange Verbleiben in den eigenen vier Wänden ermöglichen, müssen aber ausgebaut werden. Dazu zählt auch die ärztliche Versorgung. Apotheke, Metzger, Bäcker, Lebensmittelmarkt und Gaststätten "müssen zumindest in der Kernstadt erhalten bleiben".

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