Spiegelglatt ist die Wasserfläche im Schwimmerbecken. Nur für zwei Stunden wird das Wasser täglich gereinigt und umgewälzt. FOTOS: RS
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Spiegelglatt ist die Wasserfläche im Schwimmerbecken. Nur für zwei Stunden wird das Wasser täglich gereinigt und umgewälzt. FOTOS: RS

Vorsichtige Öffnung ab Oktober?

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Das Jahr hatte so gut angefangen: Der Januar war der Monat mit den meisten Besuchern im Aquariohm Mücke. Jetzt sind wegen der Corona-Krise Hallenbad und Sauna seit fast drei Monaten geschlossen, 52 Mitarbeiter in Kurzarbeit oder freigestellt. Aber die Spitze der Bürgergenossenschaft Hallenbad ist optimistisch, man könnte im Oktober wieder mit Abstandskonzept öffnen.

Es herrscht Ruhe auf der gepflegten Grünfläche zwischen Terrasse und Saunahütten. Nur das Quaken der Frösche in der Regenerationszone des Schwimmteiches durchbricht die Stille. Aus dem Gebäude hört man täglich rund zwei Stunden die Umwälzpumpen laufen, das Wasser in den Becken muss sauber gehalten werden. Vor diesem Hintergrund ist die Bürgergenossenschaft Hallenbad Mücke aus dem Stand heraus bereit, mit Schwimmhalle und Saunen wieder in den Betrieb zugehen. Seit 16. März ist die Anlage geschlossen, aber weil immer mehr Freizeitangebote wieder öffnen dürfen, sind die Verantwortlichen der Bürgergenossenschaft optimistisch, in diesem Jahr wieder öffnen zu können.

Dazu informierten Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Thorsten Reichel sowie Burkhard Köhl und Karin Pichelmann vom Vorstand.

Zwar sind seit 1. April die zehn fest angestellten Arbeitnehmer in Kurzarbeit und die 42 450-Euro-Kräfte freigestellt, aber es bleiben mit rund 20 000 Euro monatlichen Kosten immer noch rund ein Viertel der normalen monatlichen Aufwendungen. Deshalb hat die Bürgergenossenschaft bei der Sparkasse Oberhessen beantragt, die Tilgungsleistungen zum 30. Juni und 30. September auszusetzen. Weil die Gemeinde eine Ausfallbürgschaft zu dem Kredit von 1,5 Millionen Euro übernommen hatte, steht die Verlängerung der Darlehenslaufzeit bis 2038 am Mittwoch auf der Tagesordnung der Gemeindevertretung. Vergangene Woche hatten die Genossenschaftsgremien die Fraktionen über den Sachverhalt informiert. Mit der schrittweisen Öffnung ist es erlaubt, dass Schwimmvereine wieder Sport betreiben können, es können auch Kurse in Schwimmbecken erteilt werden. Aber das ist nach Angaben der Genossenschaftsvertreter für Mücke keine Option. Denn die Aufwendungen stünden in keiner Relation zum Ertrag. Für möglich hält Burkhard Köhl eine Öffnung im Oktober mit maximal der halben normalen Besucherzahl. Dann könnte entsprechend das Personal gemindert werden, das Bistro bliebe geschlossen und auch bei der Aufsicht könnte gespart werden. Alle diese Überlegungen stehen unter dem Vorbehalt, dass man derzeit noch keinerlei Kriterien hat, wie eine Wiedereröffnung behördlicherseits gestaltet werden soll.

Als Knackpunkt werden die Duschen angesehen, und auch der Sanitärbereich könnte zum Engpass werden. Im Frühling und im Sommer können sich die Menschen mit Abstand in der freien Natur bewegen, ab Herbst sieht das anders aus. Thorsten Reichel sieht deshalb einen Bedarf an sozialen Treffpunkten, wie sie Hallenbad und Sauna darstellen.

Auf diesen Aspekt hatten in einem AAZ-Gespräch unlängst auch Mücker und Kirtorfer Hausärzte hingewiesen, denn sie hatten negative Folgen bei den Patienten ausgemacht, die wochenlang nicht in Sportstudios hatten gehen können. Und wie sieht es mit einem Saunabetrieb aus? Der ist mit Abstandsregelungen noch schwieriger zu bewerkstelligen als im Hallenbad. Denn in der Hochzeit sitzen in den Saunen die Besucher relativ dicht nebeneinander, während Schwimmer naturgemäß mit Abstand unterwegs sein müssen. Nimmt man beispielsweise die in der Gastronomie vorgegebene Regelung von fünf Quadratmeter Fläche je Gast, so würde das im Hallenbad immerhin etwa 30 Personen im großen Schwimmerbecken bedeuten. In der großen Sauna, in der sich bis zu 40 Besucher schwitzen können, wäre es wohl ein Personenkreis von unter zehn. Und es würde zwangsläufig auch viel von der üblichen Saunaatmosphäre verloren gehen, denn das Wedeln nach einem Aufguss müsste wohl unterbleiben. Außerdem ist es wegen der Ansteckungsgefahr wohl kaum möglich, die Dampfsauna wie gehabt zu betreiben.

Obwohl eine Öffnung mit geringerer Besucherzahl auch zu geminderten Einnahmen führt, ist die Bürgergenossenschaft optimistisch, so wirtschaften zu können, dass der gemeindliche Zuschuss von jährlich 300 000 Euro die Kosten deckt. Allerdings wären 350 000 Euro wohl besser, denn die kommunalen Auszahlungen waren im Vorjahr bereits vorzeitig abgerufen worden. Vor diesem Hintergrund hatte die Bürgergenossenschaft 2019 weitere Investitionen angeregt, um mehr Einnahmen zu erzielen, die kommunalen Gremien haben das aber noch nicht aufgegriffen. Die Gemeinde müsste nach dem Vorschlag für weitere 1,5 Millionen Euro geradestehen, hat aber derzeit etwa wegen der Kinderbetreuung sowieso schon einen finanziellen Kraftakt vor sich.

So bleiben bei der Bürgergenossenschaft Hallenbad der gute Wille und viel Optimismus in der Krise, dass die Monate ohne Einnahmen zu stemmen sind und man im Herbst wieder mit Beschränkungen öffnen kann. Und vielleicht setzt sich ja bei den Bundesbürgern nach der Krise langfristig ein anderes Urlaubsverhalten durch: mehr Urlaub im eigenen Land und damit mehr Besucher in Bädern und Saunen im Normalbetrieb. Dann könnten auch die Erweiterungsvorschläge aus dem Vorjahr wieder Thema sein.

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