Mit einem Gebläse wird eine Bakterienlösung auf die Eichen gesprüht, um allergieauslösende Raupen zu bekämpfen. FOTO: JOL
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Mit einem Gebläse wird eine Bakterienlösung auf die Eichen gesprüht, um allergieauslösende Raupen zu bekämpfen. FOTO: JOL

Vormarsch der Raupen stoppen

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Eine kleine Raupe kann dafür sorgen, dass Spielplätze oder Wanderwege gesperrt werden. Denn die Härchen des Eichenpro- zessionsspinners können starke allergische Reaktionen auslösen. Deshalb wird er nun vorbeugend mit einem Bakterium bekämpft.

Mit seinem grünen Schlepper fährt Volker Goy in einem großen Bogen um den Baum am Friedhof Kestrich. Mithilfe eines starken Gebläses sprüht er ein sogenanntes Aerosol auf Stamm und Blätter - der Kampf gegen die Raupe ist pro Baum eine 10-Minuten-Sache. "Wir behandeln den Baum mit dem Bazillus thüringiensis, der ist für Menschen ungefährlich, stinkt aber übel", erzählt Goy. Die Lösung wird mit Wasser gemischt, elektrisch aufgeladen und mit dem Gebläse vernebelt.

Der Mitarbeiter der Firma Landau ist an diesem Tag in Feldatal und Gemünden unterwegs. Er ist mit dem Arbeitsgerät von Bad Homburg in den Vogelsberg gekommen. In Feldatal würden 50 bis 60 Bäume besprüht, erläutert Bernd Pörner vom Bauhof. Auch einige Privatleute sind eingebunden. Dabei beschränkt man sich auf Eichen an öffentlichen Orten wie Friedhöfen und Gemeinschaftshäusern.

Das Bakterien-Aerosol, eine Mischung aus feinen Tropfen und viel Luft, muss frühzeitig angewendet werden, damit sich die Raupen gar nicht entwickeln können. "Die Vegetation ist früh dran, deshalb sind wir früher unterwegs als im Vorjahr", sagt Goy.

Bekämpft wird vorbeugend, später wirkt der Bazillus nicht mehr. Die kleinen Raupen mit dem Zungenbrechernamen haben es in sich, wenn sie sich zweimal gehäutet haben. Die Brennhaare setzen ein Gift frei, das starke allergische Reaktionen der Haut und im Extremfall sogar Asthma auslösen kann.

Deshalb wurden im vergangenen Jahr Bereiche an Kindertagesstätten, an Wanderwegen und öffentlichen Plätzen gesperrt. Sogar auf dem Gelände des Homberger Freibads blieb man davon nicht verschont. Nun wurden an Landstraßen und in mehreren Kommunen Bäume an neuralgischen Punkten mit dem Bio-Mittel eingesprüht.

In Feldatal würden wieder Präventivmaßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner in Form des Vernebelungsverfahrens laufen, teilt Bürgermeister Leopold Bach mit. Wie Bach anfügt, hat sich das Verfahren mit der Lösung und elektrostatischer Aufladung im vergangenen Jahr bewährt.

In Gemünden wird dieser Tage ebenfalls präventiv an den bekannten Stellen die Raupe bekämpft. Wie Bürgermeister Lothar Bott mitteilt, habe der Bau- und Servicehof dieselbe Fachfirma mit den Bekämpfungsmaßnahmen beauftragt.

Durch den Einsatz biologischer Produkte wie ein auf die Raupen selektiv und lokal wirkendes Bakterium seien Auswirkungen auf andere Lebewesen nicht zu erwarten. Im Juni 2018 waren in Burg-Gemünden Flächen unterhalb der Kirche und im Bereich des Wochenendhausgebiets betroffen. Ferner wurde der Parkplatz an der Landesstraße zwischen Nieder-Gemünden und Homberg gesperrt.

In der Stadt Homberg ist ebenfalls die vorbeugende Behandlung gegen die Problem-Raupen vorbereitet. "Wir hatten im vergangenen Jahr ja einige Schwierigkeiten", begründet das Bürgermeisterin Claudia Blum. Deshalb soll nun zur Verkehrssicherung eine Bekämpfung an den Orten erfolgen, wo Menschen in Kontakt mit den Brennhaaren kommen können. Der Auftrag an eine Firma ist vergeben.

Im Vorjahr hatte die Stadtverwaltung wegen der Nester Bereiche im Freibad, am Kindergarten und an Sportplätzen gesperrt. Dort wurden die befallenen Stellen von einem professionellen Schädlingsbekämpfer entfernt. Kurze Abschnitte der Geotour Felsenmeer sollten nicht betreten werden.

Ein Problem sind auch alte Nester der Prozessionsspinnerraupen, weil die Tierchen beim Verpuppen die Brennhaare mit abstreifen. Sie bleiben lange in den Gespinsten an den Eichen hängen und werden vom Wind in die Umgebung verstreut.

Betroffen sind auch Bereiche in der Gemeinde Mücke. Bürgermeister Andreas Sommer sagt, dass Mitarbeiter des Bauhofs zu einer Schulung angemeldet wurden. Dann kam die Corona-Krise und der Kurs wurde abgesagt. "Wir werden daher unsere Strategie vom Vorjahr mit Absperrung und, wo möglich, Abbrennen der Nester fortführen."

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