Helfer der Seawatch 4 bei der Rettung von Geflüchteten im Mittelmeer. FOTO: C. GRODOTZKI/UNITED4RESCUE
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Helfer der Seawatch 4 bei der Rettung von Geflüchteten im Mittelmeer. FOTO: C. GRODOTZKI/UNITED4RESCUE

Vogelsberger Kirche rettet mit

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Vor wenigen Tagen sind 350 Geflüchtete in Palermo an Land gegangen, gerettet von dem Schiff "Seawatch 4". Der Rettungseinsatz des Boots ist näher als man denkt. Immerhin wird die Aktivität aus dem Vogelsberg unterstützt. Das evangelische Dekanat ist unter den Trägern der Aktion "United 4 Rescue".

Als das Rettungsschiff "Seawatch 4" kürzlich nach einigem Hin und Her mit Behörden in Italien über 300 geflüchtete Menschen an Land brachte, waren auch im Vogelsberg viele erleichtert. Denn das evangelische Dekanat ist Mitträger des Rettungeinsatzes unter der Motto "Man lässt keine Menschen ertrinken".

Dekanin Dr. Dorette Seibert sagt dazu, "uns ist sehr wohl bewusst, dass wir damit die Fluchtursachen nicht beseitigen werden, doch jedes einzelne Leben, das durch die Rettung aus Seenot eine Zukunft bekommt, ist diesen Einsatz allemal wert".

Die direkte Unterstützung für ein Rettungsschiff ist eine logische Fortführung der Aktivitäten. So bieten Beschäftigte des Evangelischen Dekanats mit anderen Organisationen seit Jahren Beratungen von Flüchtlingen, bilden ehrenamtliche Flüchtlingsbegleiter aus und schulen Sprach- und Kulturmittler. In diesen Zusammenhängen arbeitet man viel mit Menschen, die auf dem gefährlichen Seeweg nach Europa gekommen sind. Seibert ist "zutiefst davon überzeugt, dass niemand diesen Weg leichtfertig auf sich nimmt oder seine Familie und Kinder ohne Not in Gefahr bringt". Sie kommen, weil die Not sie außer Landes treibt. Der Weg sei gefährlich, allein im vergangenen Jahr seien über 1800 Menschen im Mittelmeer ertrunken.

Deshalb wurde im Vorstand der Dekanatssynode über eine Beteiligung an der Rettungsmission diskutiert. Dabei wurden "durchaus verschiedene Positionen besprochen", sagt Seibert. Am Ende gab es eine Mehrheit für eine Beteiligung am Projekt mit 1500 Euro aus.

Das Dekanat Vogelsberg gehört zu den Unterzeichnern eines offenen Briefes im April vergangenen Jahres an Bundeskanzlerin Merkel. Der Brief schließt sich der Initiative "Sichere Häfen" an. Dabei geht es auch darum, auf die Situation im Mittelmeer aufmerksam zu machen.

Die Gefahr für die Flüchtlinge entsteht durch eine Politik der Europäischen Union, die das Sterben möglich macht. Inzwischen haben sich viele Kommunen bereit erklärt, Bootsflüchtlinge aufzunehmen. Die aktuelle Situation auf der griechischen Insel Lesbos verweise auf die großen Probleme der europäischen Flüchtlingspolitik. Im Engagement ist das Evangelische Dekanat nicht allein. Die Evangelische Kirche von Deutschland EKD unterstützt Seawatch schon lange: Das Flugzeug, mit dem havarierende Flüchtlingsboote aus der Luft gesichtet werden, wird von der EKD ko-finanziert. Die "Seawatch 4" geht auf eine Resolution des Kirchentages 2019 in Dortmund zurück.

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