Abgebaute Bahnschwellen und ein verwahrlostes Gebäude: Der Bahnhof Homberg könnte bei einer Reaktivierung der Bahnstrecke genutzt werden. FOTO: JOL
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Abgebaute Bahnschwellen und ein verwahrlostes Gebäude: Der Bahnhof Homberg könnte bei einer Reaktivierung der Bahnstrecke genutzt werden. FOTO: JOL

Viele Hürden für Ohmtalbahn

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Es kann noch Jahre dauern, bis erste Züge wieder am Bahnhof Homberg halten. Denn die Ohmtalbahn wird nur dann reaktiviert, wenn lokale Politiker sich dafür stark machen. Doch da herrscht bislang eher Skepsis vor, wie eine Umfrage in Homberg zeigt. Klar für den Ausbau der Bahnstrecke sind nur Marburger Studierende und der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus.

Wenn es um Begeisterung für die Ohmtalbahn geht, sind die Marburger Studierenden nicht zu schlagen. Die Ohmtalbahn könnte wieder in Betrieb gehen, eine Vorstudie soll erstellt werden. Aber die Parteien im Stadtparlament zeigen sich skeptisch, und auch Pro Bahn & Bus will zuerst eine Untersuchung, wie die Bahnstrecke zwischen Nieder-Ofleiden und Nieder-Gemünden wieder aufgebaut werden kann.

"Sehr erfreut" über die Initiative zum Lückenschluss der Ohmtalbahn zeigt sich lediglich der Allgemeine Studierenden-Ausschuss (AStA) der Universität Marburg, weil dann Studierende aus Fulda schneller zur Familie gelangen können.

Dabei verweist der AStA auf einen "nicht unerheblichen Anteil der Studierenden" aus Osthessen. Viele pendeln am Wochenende in diese Richtung und brauchen mit öffentlichen Verkehrsmitteln dafür mindestens zwei Stunden und 41 Minuten. Mit dem Auto dauert es nur die Hälfte der Zeit. Wenn die Ohmtalbahn reaktiviert wird, sollte sie deshalb unbedingt bis Burg- und Nieder-Gemünden wieder aufgebaut werden, und nicht nur bis Homberg (Ohm), auch wenn dies den großflächigen Neubau von Gleiskörpern bedeutet", teilt AStA-Verkehrs- referent Lukas Ramsaier mit.

Seit September 2018 besteht eine Kooperation zwischen der Uni Marburg, der Hochschule Fulda und dem Klinikum Fulda im Fach Medizin. Viele Lehramtsstudierende müssen ihre Schulpraktika in der Region Fulda absolvieren. Ein Ausbau der A 49 und eine Ablehnung der Reaktivierung der Ohmtalbahn "käme einer klimapolitischen Farce gleich", meint Ramsaier.

Grundsätzlich für die Reaktivierung spricht sich Stefan Sitzmann von Pro Bahn & Bus aus. Der Fahrgastverband begrüße jede neue Bahnstrecke. Die Ohmtalbahn müsse aber im Zusammenhang mit Verbesserungen auf der Vogelsbergbahn Fulda-Gießen betrachtet werden. Die Abschnitte Fulda-Lauterbach und Gießen-Mücke sind stark nachgefragt, "da gab es deutliche Zuwächse in den vergangenen Jahren". Deshalb sollen diese Abschnitte zweigleisig ausgebaut werden, dann könne man auch weitere Haltepunkte gut bedienen.

Ein Problem der Ohmtalbahn ist, dass der acht Kilometer lange Abschnitt zwischen Nieder-Gemünden und Nieder-Ofleiden neu gebaut werden muss. Deshalb rechnet Sitzmann mit "fünf bis zehn Jahren für Planung und Bau". Dabei komme es auf den Druck von unten an, "es ist entscheidend, wie engagiert die Politik vor Ort ist".

Da ist noch Luft nach oben: So sagt der Homberger Norbert Reinhardt (CDU), dass der Radweg auf der bisherigen Bahntrasse Priorität hat. Die Fraktion habe das Thema andiskutiert und habe noch viele Fragen, die erst in der Vorstudie beantwortet werden müssten. So fehlten Bahnhöfe an der Strecke, die Trasse bei der Firma Kamax sei verkauft. Auf dem Bahnkörper wird gerade der Radweg geplant. Bislang ist Homberg schon gut mit Bussen nach Amöneburg und Kirchhain zu den Schulen und nach Marburg zur Universität angebunden.

Michael Fina von der SPD verweist darauf, dass die ehemalige Bahnstrecke entwidmet ist, das heißt, es ist ein ganz normales Grundstück. Wenn man die Strecke wieder reaktiviert, müssten ein Tunnel oder eine Brücke an der Marburger Straße und an der Landstraße nach Büßfeld gebaut werden. Das sei sehr aufwendig, "ich sehe da keine großen Chancen" auf Umsetzung".

Mit Blick auf die Umweltbelastung durch Verbrennungsmotoren "finde ich es schön", überlegt Fina weiter, wenn die Bahnstrecke wieder geschaffen wird. Das wäre auch mit Blick auf die Attraktivität des ländlichen Raums wichtig für Menschen, die sich den Ballungsraum nicht mehr leisten können. Wichtig sei es, den geplanten Radweg zu bauen. "Das ist eine traumhaft schöne Strecke" durch ein Naturschutzgebiet und mit Blick auf das Schloss.

Hansgünter Maiß von den Freien Wählern sieht das Ganze pragmatisch: "Wenn der Bund so viel Geld hat, das er da investieren will, steht dem von meiner Seite aus nichts im Wege". Aber die Stadt müsse den Radweg bekommen. Schließlich habe die Kommunen schon einiges investiert, um das Gelände für den Radweg zu kaufen. Sinnvoll wäre zudem, die Vogelsbergbahn streckenweise zweigleisig zu machen.

Die Belebung des gesamten Öffentlichen Personen-Nahverkehrs gerade im ländlichen Raum im Sinne einer Verkehrswende durch gut durchdachte und gut aufeinander abgestimmte Verkehrskonzepte unterstützen die Grünen im Stadtparlament. Wie Christiane Helm mitteilt, stehen die Grünen einer Reaktivierung der Ohmtal-Bahn "prinzipiell positiv und offen gegenüber". Die Sinnhaftigkeit solle erst einmal in der in Auftrag gegebenen Studie geprüft werden. "Auf das Ergebnis warten wir mit Spannung."

Der ausgeweitete und kostenlose Bahn- und Busverkehr in Luxemburg sei ein tolles Beispiel, dass eine Verkehrswende relativ schnell und konsequent umgesetzt werden kann. Das kleine, reiche Luxemburg gibt allerdings auch achtmal so viel pro Einwohner dafür aus wie Deutschland. Die vielen Autos hätten eine Lösung erfordert, sagt Helm. Ein solches System wäre auch für Deutschland wünschenswert.

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