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Viel mehr als Kaffeekränzchen

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Homberg-Bleidenrod (eva). 60 Jahre Landfrauenverein, das sind drei Generationen von Frauen, die sich regelmäßig zu Vorträgen und geselligen Feiern treffen, die gemeinsam gelernt, gehandarbeitet, Feste gefeiert, Probleme erörtert und sich unterstützt haben. Dabei kann man sich gut vorstellen, dass die Idee, vor 60 Jahren einen Frauenverein im damals noch selbstständigen Dörfchen zu gründen, als etwas Revolutionäres angesehen wurde. Für die Frauen bot er aber Gelegenheit, Gleichgesinnte zu treffen.

Begonnen hatte alles mit dem Besuch einiger Mädchen in der Landwirtschaftsschule Alsfeld. Gründungsmitglied Gertrud Hochgrebe erzählt, dass ihre damalige Studienrätin Ilse Riechers sie zur Gründung eines Landfrauenvereins animiert hatte und sie und ihre Freundinnen die Idee gut fanden.

Werbung für Haushaltsprodukte

Durch die erfolgreiche Werbung der Landwirtschaftschülerinnen kam es im November 1959 zur Gründung des Vereins. Die Gründungsversammlung fand in der einstigen Gaststätte Wolf statt, wo die 15 Frauen und Mädchen den Verein aus der Taufe hoben. Für viele Jahre, so berichten sie, war die Gaststätte dann der Versammlungsort.

Die Aufgaben lagen zum großen Teil darin, Weiterbildung im hauswirtschaftlichen Bereich zu betreiben, denn immer mehr Technik und Fortschritt hielten in den Haushalten Einzug. Daher fanden oft Vortragsreihen mit Firmenvertretern statt, die ihre neuen Haushaltsprodukte vorstellten, aber auch das betriebswirtschaftliche Denken wurde geschult. Es habe sich seinerzeit gezeigt, dass es einen großen Weiterbildungsbedarf bei den Frauen gab.

Die Landfrauen engagierten sich auch immer wieder im sozialen Bereich. So unterstützten sie schon zur Zeit des Mauerbaues 1961 das Notaufnahmelager in Gießen mit Versorgungsgütern und in den 1980er Jahren gingen ansehnliche Spenden unter anderem an Behindertenwerkstätten, an die Station Peiper der Universitätskinderklinik in Gießen oder die Diakonieanstalt Hephata.

Das Geld für diese Spenden stammte aus dem Erlös von vielen von den Landfrauen organisierten Geselligkeiten. Denn der Landfrauenverein ist immer ein Garant für gelungene Veranstaltungen, seien es Backhaus- und Grillfeste, Salzekuchenessen oder Erntedankfeiern, um nur einige zu nennen. Unvergessen sind auch die Faschingssitzungen, die durch spontane Darbietungen punkteten.

Einige Jahre bereicherte außerdem der Landfrauenchor auch über die Grenzen Bleidenrods hinaus manche Feier. Die Frauen zeigten und zeigen viel Engagement bei der Pflege der örtlichen Anlagen, die sie seit Jahren ehrenamtlich übernehmen.

Fälschlicherweise glaubten auch heute noch viele Menschen, Landfrauenarbeit beschränke sich auf Kaffeekränzchen und Strickabende. Dies sei keineswegs so, hieß es am Jubiläumsabend. Vielmehr hat der Zusammenschluss von Frauen auf dem Land das Ziel, die Belange aller Mitglieder unter Berücksichtigung der Verhältnisse im ländlichen Raum und im öffentlichen Leben zur Geltung zu bringen.

Gemeinschaft zählt

Kommunikations- und fahrtechnische Möglichkeiten von damals und heute kann man nicht vergleichen. Verglichen mit der damaligen Zeit sind heute die Möglichkeiten zur Weiterbildung auch im ländlichen Raum um ein Vielfaches vielseitiger und umfangreicher. Heute gehören zu den selbstverständlichen Landfrauenaktivitäten und Angeboten EDV- oder Smartphone-Kurse, Vorträge über Datenschutz, Gartenbauseminare, Ernährungsvorträge, Gymnastikangebote, moderne Dekoration, Musicalbesuche und vieles mehr.

Doch in Gemeinschaft etwas zu schaffen, in Gemeinschaft zu arbeiten und gemeinschaftlich etwas auf die Beine zu stellen, war, ist und bleibt neben allen anderen Aufgaben ein wichtiger und entscheidender Aspekt der Landfrauenarbeit.

Das war vor 60 Jahren auch in Bleidenrod schon so und hat bis heute nichts an seiner Bedeutung verloren. Frei nach dem Motto der hessischen Landfrauen: "miteinander - mitmachen - mitreden".

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