Die Produkte aus Nepal sind in erster Linie dafür verantwortlich, dass es im Alsfelder Weltladen so schön bunt ist: hier farbenfrohe Filzuntersetzer. FOTO: PM
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Die Produkte aus Nepal sind in erster Linie dafür verantwortlich, dass es im Alsfelder Weltladen so schön bunt ist: hier farbenfrohe Filzuntersetzer. FOTO: PM

Viel Armut, wenig Schutz

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Alsfeld(pm). Europa ächzt unter den Folgen von Corona: Gesundheitsversorgung, Sozialsystem, Wirtschaftsleistung - all das steht am Rand der Belastbarkeitsgrenze, und doch: Nur wenige Länder können der gesundheitlichen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderung in dem Maße trotzen wie die mittel- und nordeuropäischen.

Ganz anders dagegen sieht die Situation in den ärmeren Ländern aus, in Ländern, die oft schon vor Corona in großer wirtschaftlicher Not waren, deren Gesundheitssysteme für die zu erwartenden Ausmaße kaum ausgelegt sind und die der Bevölkerung keinerlei soziale Absicherung bieten. Hier treffen die Folgen der Corona-Krise die Menschen besonders hart, wie verschiedene Großhandelsgesellschaften anhand des Beispiels Nepal bekannt gaben. Nepal gehört zu den ärmsten Ländern der Erde. Von dem geschäftigen Treiben, das sonst in der Millionenstadt Kathmandu herrscht, ist derzeit nur gespenstische Stille übrig.

Keine Arbeit, teure Lebensmittel

Wie im Nachbarland Indien gilt hier eine Ausgangssperre, die Grenzen sind geschlossen. Aus Angst vor Covid-19-Erkrankungen lässt Nepal nicht einmal die eigenen Staatsbürger ins Land. Viele Nepalesen, die als Wanderarbeiter im Ausland arbeiten, sind dort gestrandet, vor allem in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Indien. Wie in vielen anderen Ländern der Welt herrscht in Nepal völliger Ausnahmezustand: Die Menschen dürfen ihre Häuser nur einmal am Tag von 7 bis 9 Uhr morgens verlassen, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Da die Grenzen geschlossen sind, ist die Lebensmittelversorgung nicht mehr gewährleistet, die Preise klettern nach oben, und das, wo vielen Familien gerade jetzt die Einkommen wegfallen. In Nepal gibt es kein Kurzarbeitergeld, Soforthilfen vom Staat bleiben aus, die geringe Unterstützung von Nepalesen, die im Ausland arbeiten, fällt weg. "Nepal ist damit kein Einzelfall in den Ländern des Südens", gibt Hildegard Maaß vom Alsfelder Weltladen an, "umso besser haben es Familien, in denen eine oder mehrere Personen für Fair-Trade-Kooperativen arbeiten, für sie gibt es sowohl eine Krankenversicherung als auch Lohnfortzahlung."

Doch auch ihre Lage ist nicht die beste, wie Mitarbeitende der Fair-Trade-Gesellschaft Nepalaya aus ihrem Land berichten: "Die letzte Ware aus Nepal kam am 20 März zu uns", heißt es vom Sitz des Unternehmens im schwäbischen Bötzingen, "danach durfte kein Flieger mehr abheben. Einige Mitarbeiter sind jetzt auch in Deutschland in Kurzarbeit, und wir nutzen die Zeit für alles, was im normalen Geschäft liegen geblieben ist. Aber vor allem heißt es warten."

Viele leben vom fairen Handel

Was in Deutschland zwar unbefriedigend ist, ist für die Menschen vor Ort eine Katastrophe: "Unsere Produktion in Nepal steht still, denn die Angestellten können aufgrund der Ausgangssperre nicht zum Arbeiten kommen. Wir hoffen, dass diese strengen Regeln bald gelockert werden, denn so können wir nicht einmal Wolle und Stoffe zu unseren Handarbeiterinnen nach Hause bringen." Ähnliches berichten die Verantwortlichen der Fair-Trade-Organisation "Frida Feeling". Teile einer ihrer Lieferungen stecken derzeit in Kathmandu fest, an eine Fertigung vor Ort ist nicht zu denken. Der faire Handel spielt derweil eine große Rolle in der nepalesischen Wirtschaft: In Nepal arbeiten mindestens 10 000 Menschen im fairen Handel; gut 50 000 leben von diesem Einkommen.

Die Produkte aus Nepal sind in erster Linie dafür verantwortlich, dass es im Alsfelder Weltladen so schön bunt ist: Viele der farbenfrohen Filz-Accessoires kommen aus Nepal. Diese und alle anderen Waren im Sortiment können von den Kundinnen und Kunden nach den Lockerungen nun auch wieder selbst angeschaut und natürlich gekauft werden.

"Am kommenden Samstag ist Tag des Weltladens", so Hildegard Maaß, "dann lohnt es sich ganz besonders, zu uns zu kommen. Bei der Gelegenheit kann man sich gleich in die Petitionsliste für ein Lieferkettengesetz eintragen, das sicherstellen soll, dass in Geschäften der EU nur Produkte gehandelt werden, bei deren Fertigung sowohl die Menschenrechte als auch die Umweltstandards eingehalten werden."

Der Alsfelder Weltladen hat wieder geöffnet, und zwar von Montag bis Donnerstag von 10.30 bis 16.30, freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr. Es gelten die gesetzlichen Hygiene- und Abstandsregeln.

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