Eine Medizinerin untersucht einen Patienten mit einem Stethoskop. SYMBOLFOTO: DPA
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Eine Medizinerin untersucht einen Patienten mit einem Stethoskop. SYMBOLFOTO: DPA

Versorgung gesichert

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Nachfolger für Hausärzte auf dem Land zu finden, ist schwierig. Eine Lösung ist die Zusammenarbeit von Kommunen und Landkreis, die ein medizinisches Versorgungszentrum für Freiensteinau und Grebenhain begründet haben.

Der Vertrag ist unterzeichnet: Das erste interkommunale medizinische Versorgungszentrum (MVZ) im Bereich Freiensteinau und Grebenhain ist beschlossene Sache. Das Projekt hat Pilotcharakter: Es ist das bisher erste, bei dem ein Landkreis und zwei Gemeinden als Gesellschafter zusammenarbeiten. Damit soll die medizinische Versorgung auf lange Sicht gewährleistet werden.

"Gerade in ländlichen Regionen wird es immer schwieriger, frei gewordene Hausarztsitze in junge Mediziner-Hände zu übergeben", sagt Landrat Manfred Görig (SPD). Im Vogelsbergkreis gebe es zurzeit 65 Hausärzte, und damit schon etwa zehn Prozent weniger als noch vor zehn Jahren - und an vielen Orten besteht Handlungsbedarf. "Das ist eine Kooperation zwischen allen Beteiligten als Lösung für ein schwerwiegendes Problem auf dem Land", konstatiert Landrat Görig zur aktuellen Entwicklung.

Das Modellprojekt sei der vorläufige Höhepunkt der Arbeit der im Jahr 2012 eingerichteten Fachstelle Medizinische Versorgung des Vogelsbergkreises, resümiert Görig. Für das erste interkommunale MVZ in Form einer gemeinnützigen GmbH arbeiteten die beiden Gemeinden sowie der Vogelsbergkreis zusammen, um das medizinische Angebot auf dem Land weiterhin sicherzustellen.

"Die schwierige Entwicklung, die die medizinische Versorgung im Kreisgebiet genommen hat, war abzusehen. Schon früh wurden erste Gespräche geführt, um Städte und Gemeinden, Kassenärztliche Vereinigung sowie medizinisches Fachpersonal an einen Tisch zu bringen", ergänzt Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak (CDU). "Die Idee, im Rahmen der Planung der medizinischen Versorgung auf ein interkommunales MVZ zu setzen, zeichnete sich als ein sehr guter Weg ab", führt Mischak weiter aus.

Neben der langfristigen Sicherung der medizinischen Versorgung gebe es noch weitere Vorteile. "Gerade für junge Mediziner ist das Modell interessant, da sie am Beginn ihres beruflichen Weges nicht mit den Risiken, die mit einer eigenen Praxis verbunden sind, zurechtkommen müssen", sagt Mischak. Sie können als angestellte Mediziner arbeiten und sich voll auf die medizinische Versorgung der Menschen konzentrieren. "Geregelte Arbeitszeiten, Planungssicherheit und mehr Flexibilität halten Einzug in den Alltag. Die Administration und Praxisorganisation übernimmt das Praxismanagement-Personal", erläutert der Erste Kreisbeigeordnete. Dies sei eine professionelle Arbeitsteilung, die der gesundheitlichen Versorgung zugutekomme.

Das Modell wurde schon früh den Bürgermeistern der 19 Städte und Gemeinden im Vogelsbergkreis vorgestellt, um abzuklären, wo es Interesse für eine Zusammenarbeit in Form eines gemeinsamen interkommunalen MVZ gibt. Im Entscheidungsprozess zum Vorhaben, das auch zum Ziel hat, Mediziner in die Region zu holen, kristallisierten sich die Gemeinden Grebenhain und Freiensteinau heraus. "Für uns ist die Unterzeichnung des Gesellschaftsvertrages ein wichtiger Baustein zur Sicherung der gesundheitlichen Versorgung. Besonders für Freiensteinau, da wir seit mehreren Jahren intensiv nach einer Lösung suchen, um Medizinern ein Anstellungsverhältnis anzubieten. Auch die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen hat Vorbildcharakter und wird ein Zukunftsmodell sein", sagt Sascha Spielberger, Bürgermeister der Gemeinde mit rund 3100 Einwohnern in elf kleinen Dörfern.

In Zukunft werden in beiden Gemeinden Hausärzte zur Verfügung stehen. Von einer Haupt- und einer Zweigpraxis werden die Mediziner entweder zu Hausbesuchen aufbrechen oder vor Ort Patienten betreuen. "Alle Projektpartner haben wiederholt ihre Bereitschaft signalisiert, das Gemeinschaftsprojekt für weitere Partner zu öffnen", sagt Mischak. Als Pilotprojekt könne es Beispielcharakter haben, oder weitere Städte und Gemeinden könnten sich als Gesellschafter beteiligen, führt der Gesundheitsdezernent aus.

"Mit der Vertragsunterzeichnung endet ein langer und intensiver Vorbereitungsprozess für eine MVZ-Trägergesellschaft. Gleichzeitig wird der Grundstein für eine zukunftsweisende ärztliche Versorgung in Grebenhain sowie Freiensteinau, aber auch den gesamten Vogelsbergkreis gelegt", sagt Sebastian Stang, Bürgermeister der Gemeinde Grebenhain, die bei rund 4600 Einwohnern sogar 15 Ortsteile aufweist. "Wir in Grebenhain freuen uns, dass wir mit Freiensteinau die ersten Kommunen im Kreis sein dürfen, die durch die MVZ-Trägergesellschaft attraktive Anstellungsangebote machen können, um so die ärztliche Versorgung auf Dauer sicherzustellen", sagt Stang.

Nun folgen weitere Schritte. Ab Januar können erste Stellen besetzt werden und das MVZ kann an den Start gehen.

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