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Deutliche Spuren von Vandalismus im ehemaligen Landhotel an Stadtrand von Romrod.

Vergessene Orte

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Vergessene Orte nennt man seit Jahrzehnten leerstehende Hotels und Firmengebäude. Auf sie wird man nur aufmerksam, wenn nach Vandalismus wiedermal die Feuerwehr ausrücken muss. Fast jede Großgemeinde hat so ein verkommenes Areal. Sie haben sehr unterschiedliche Geschichten. Manche werden wieder genutzt.

Aus der Redaktion

Brandgefährliche "vergessene Orte" beschäftigen immer wieder die Behörden. Unbekannte steckten ein Sofa in einer verlassenen Reha-Klinik bei Neukirchen in Brand, an einer Gasleitung an einem verlassenen Hotel bei Romrod war manipuliert worden, es bestand Explosionsgefahr. In beiden Fällen war ein Großaufgebot der Feuerwehr im Einsatz.

Der Handlungsspielraum für die betroffenen Städte und Gemeinden ist gering. "So lange keine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht, können wir nicht eingreifen", schildern die Zuständigen. Insbesondere jugendliche Abenteurer zieht es auf die oft nur formal gesicherten Gelände. Die Folgen sind nicht nur grober Unfug, sondern immer wieder Randale und Brände.

Wie oft es an einem verlassenen Hotel in Romrod zu Behördeneinsätzen kam, konnte Bürgermeisterin Dr. Birgit Richtberg auf Anfrage nicht sagen. Daten zur Entstehung und Nutzung des Gebäudes konnte die Rathauschefin auch nicht nennen, weil sie nicht zugänglich seien. Die Polizeistation in Alsfeld berichtet von einer Vielzahl von Einsätzen mit dem Objekt. Wie ein Polizeisprecher sagte, wurde bereits eine Person festgenommen, die unberechtigt in das Gebäude eingedrungen war. "Wir fahren in diesem Bereich vermehrt Streife", berichtet der Polizeisprecher. Er warnte ausdrücklich davor, das Gebäude zu betreten.

Örtlichen Quellen ist zu entnehmen, dass das ehemalige Hotel in Romrod als Sanatorium 1975 nach dreijähriger Bauzeit eröffnet wurde. Die Kosten zur Errichtung des 26 400 Quadratmeter großen Areals beliefen sich auf etwa 9,2 Millionen DM. In der Spitze kümmerten sich 75 Mitarbeiter um die Patienten des 150 Betten zählenden Hauses, die an rheumatischen Erkrankungen, Bandscheibenleiden, Übergewicht, Stoffwechselstörungen oder psychisch bedingten Leiden litten.

Einen Dornröschenschlaf führte die vormalige Firma Galvano in Alsfeld in der Schwabenröder Straße bis zum Juni 2011. Dann beendete die HR-Meldung "Hessenschau-Reporter entdecken Giftmüllfässer in Alsfeld" die Ruhe auf dem Ende der 1990er Jahre aufgegebenen Areal. Der ABC-Zug des Vogelsberger Katastrophenschutzes, Feuerwehr Alsfeld und Polizei sicherten das Gelände, Experten der Werksfeuerwehr des Infraserv-Chemieparks waren aus Frankfurt gekommen. Die Fässer mit gefährlich klingender Aufschrift wie stark ätzende Flusssäure und Cyanid (dient u. a. der Herstellung des hochgiftigen Zyklon B) waren allerdings mit harmlosem Müll gefüllt und dort belassen worden, um Kosten zu sparen. Denn bei der Gesellschaft war nichts mehr zu holen, eine Entsorgung hätte die Allgemeinheit zahlen müssen.

In Groß-Felda hatte viele Jahre eine Wurstfabrik bestanden, die dann in den 1980er Jahren geschlossen wurden. Eine Dönerfabrikation wurde nach vielen Jahren des Leerstandes eingerichtet, hielt sich aber nicht lange. Eine Nutzungsform ist nicht in Sicht. Positiv dagegen entwickelt sich dort das weitläufige Gelände des vormaligen Möbelhauses Uhlich hinter dem Rathaus beziehungsweise unterhalb der Grundschule. Dort hat eine Wohnbebauung begonnen, weitere neue Nutzungsformen sollen folgen.

Alte Molkerei wird genutzt

Ein weiteres positives Beispiel gibt es aus Nieder-Gemünden zu berichten. Dort hatte die ehemalige Molkerei seit den 1980er Jahren leer gestanden. 2009 ersteigerte ein Butzbacher das weitläufige Areal und eröffnete ein Uniformenmuseum. Viel Arbeit steckte er in den Wiederaufbau der maroden Hallen Aber nach nicht einmal zehn Jahren wurde das Museum mit über 600 Puppen in Uniformen geschlossen. Derzeit wird das Gelände von einem Autohändler genutzt.

Sehr groß geraten ist das Projekt Falkenhorst am Rande von Nieder-Ohmen: Gab es dort in den 1980er Jahren nur ein kleines Hotel mit Vogelvolieren, wurde dies später aufgegeben, und an seiner Stelle entstanden in den 1990er Jahren drei riesige Gebäudekomplexe für ein Seniorenheim. Das Areal - einst das größte Bauvorhaben im Vogelsbergkreis - wurde allerdings nie bezogen, 2003 wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet. Derzeit ist ein Investor bestrebt, dort in Zusammenarbeit mit örtlichen Medizinern eine Betreuungseinrichtung für Demente zu etablieren.

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