Das Landgrafenzimmer im Schloss ist mit gespendeten Möbeln eingerichtet worden. FOTO: PM
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Das Landgrafenzimmer im Schloss ist mit gespendeten Möbeln eingerichtet worden. FOTO: PM

Verein will Schloss absichern

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Die Homberger Schlosspatrioten haben schon über 700 000 Euro in das Gemäuer investiert. Um ihr Engagement abzusichern, möchten sie jetzt von der Stadt ein Vorkaufsrecht, falls diese auf die Idee käme, das schmucke Bauwerk irgendwann gewinnbringend zu versilbern.

Wie alle Kulturstätten hat es auch das Schloss in diesem Jahr hart getroffen. Schlossfest, Festival, Weihnachtszauber fallen aus, im ersten halben Jahr auch die Innenbewirtung im Schlosscafé, Biergärten und Sektempfänge des ersten Halbjahres. Weil vorgesehene Wahlen beim Verein der Schlosspatrioten bisher nicht stattfinden konnten, bleiben Ute Dietz (Schlossgarten), Sonja Dören (Pressearbeit) und Claudia Wiegand (Schlosskids) bis zur nächsten Jahreshauptversammlung weiter im Amt. Aktuell setzt sich der Mitgliederbestand aus 172 aktiven und 123 passiven Mitgliedern zusammen. Das Schloss-Café ist seit Beginn der Pandemie geschlossen und wird es in diesem Jahr bleiben. Der Verein öffnete im Juli sonntags vorsichtig in Kioskform und mit Waffelangebot für den Gartenbereich, wo die Abstandregeln leicht eingehalten werden konnten. Der Sonntagskiosk wurde gut angenommen.

Romantische Ecke für Hochzeitsfotos

Gleiches galt für den Biergarten, der ein unvorhersehbarer Erfolg wurde und die mittlerweile corona-bedingt leeren Kassen wieder etwas auffüllte. Der Zuspruch an den Freitagabenden war enorm, und man konnte spüren, wie sehr die Homberger nach den Einschränkungen die Freude an der Begegnung und an Live-Musik genossen. Das Michele-Alberti-Trio, das Jazz-Quintett des Ober-Ofleiders Daniel Schild, Gitarrist Jupp Thorn und das Blasorchester der Feuerwehr spielten ohne Gage.

Der Eifer der Schlosspatrioten hat nicht nachgelassen. So wurde das Landgrafenzimmer, das als Raum der Vorstands- und Vereinsarbeit dient, komplett renoviert und mit gestifteten antiken Möbeln stilsicher eingerichtet. Fenster und Türen des ersten Obergeschosses wurden sowohl mühe- als auch liebevoll ausgebaut, abgeschliffen, ausgebessert und mehrfach gestrichen. In diesem Zusammenhang sind das Ehepaar Herbert und Gerlinde Weil zu erwähnen. Tag für Tag verrichteten sie viele Stunden Arbeit.

Viola Euler hat sich für den denkmalgeschützten Anstrich qualifiziert und wird nicht müde, Fenstern und Türen die entsprechende Leuchtkraft zurück zu geben. Ein besonderes Highlight waren im Sommer die Ausgrabungen der archäologischen Fakultät Marburgs, die voraussichtlich im kommenden Jahr weitergehen.

Die diesjährigen Aktivitäten wurden von Filmautor Uli Pförtner begleitet, der im Auftrag des Hessischen Rundfunks erneut einen Film über die Aktivitäten der Schlosspatrioten dreht. Der Stand der Bauarbeiten lässt sich sehen: Wirtschaftsräume und Toiletten im Untergeschoss sind verputzt, alle Leitungen und Installationen fertig verlegt. Dann mussten die Arbeiten gestoppt werden, weil die Kassen wegen der Einnahmeausfälle leer waren.

Neue Bühne wird aufgestellt

Aber getreu dem Motto "Haben wir mal kein Geld, so haben wir Zeit" bleiben die Schlosspatrioten gelassen. Für die anstehenden Arbeiten wie Fliesen, Estrich, Sanitärräume- und Küchenmöblierung muss also erst wieder Geld erwirtschaftet werden, und Spenden oder Sponsoren sind willkommen. Zudem wird Ende September eine neue Bühne geliefert und in Eigenregie aufgebaut, für die europäische Fördermittel eingeworben wurden, so dass der Eigenanteil bei 20 Prozent liegt. Es wird noch ein Sponsor für eine dauerhafte Überdachung gesucht. In diesem Kontext soll der Freisitz an der Bühne neu gestaltet werden, und es entsteht eine "romantische Ecke" für Hochzeitfotos.

Zu zur Absicherung des Schlosses hat der Vorstand der Schlosspatrioten einen Antrag auf ein Vorkaufsrecht beim Magistrat eingereicht hat und zwar zum festgelegten Preis des Buchwerts zum Zeitpunkt einer zwar im Moment nicht geplanten, aber theoretisch möglichen Verkaufsabsicht der Stadt. Damit möchte man zum einen den Fortbestand des Schlosses als Bürgerschloss sichern und zum anderen verhindern, dass die eigenen Investitionen dazu führen, dass die Stadt das Schloss gewinnbringend veräußern könnte und man mit leeren Händen dasteht. Im Fall der Fälle läge es an den Schlosspatrioten selbst, den damaligen Kaufpreis und die Investitionen der Stadt abzüglich der Abschreibungen auszugleichen.

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