"Unsere" Wälder auch für kommende Generationen

Romrod (rs). Verpflichtung für Generationen - dies ist nach Angaben von Forstamtsleiter Hans-Jürgen Rupp der Leitsatz schlechthin von HessenForst. Darin spiegele sich die Aufgabe, durch eine multifunktionale Waldwirtschaft alle Leistungen des Waldes, die die Gesellschaft erwarte, nachhaltig zu erbringen. Im Folgenden der zweite von insgesamt drei Teilen der kleinen Reihe nach Informationen durch das Forstamt Romrod.

Romrod (rs). Verpflichtung für Generationen - dies ist nach Angaben von Forstamtsleiter Hans-Jürgen Rupp der Leitsatz schlechthin von HessenForst. Darin spiegele sich die Aufgabe, durch eine multifunktionale Waldwirtschaft alle Leistungen des Waldes, die die Gesellschaft erwarte, nachhaltig zu erbringen. Im Folgenden der zweite von insgesamt drei Teilen der kleinen Reihe nach Informationen durch das Forstamt Romrod. Im ersten Teil war der Wald unter dem Blickwinkel des Naturschutzes, der Erholungsfunktion und als Wirtschaftsfaktor beschrieben worden.

Die Leistungen des Waldes seien äußerst vielfältig, erläuterte Forstamtsleiter Rupp. Die einen würden von Nutz- (Holzproduktion, Jagd), Schutz- (Kohlenstoffbindung, Boden, Wasser, Luft, Klima, usw.) und Erholungsfunktion sprechen, andere von ökologischen (biologische Vielfalt, Arten- und Biotopschutz), ökonomischen (Erträge aus Bewirtschaftung) und sozioökonomischen (Arbeitsplätze) Leistungen des Waldes. Wie auch immer definiert - nachhaltig sollten sie erbracht werden. Was verbirgt sich hinter diesem fast 250-jährigen Grundprinzip? Der Nutzen aus der Waldbewirtschaftung soll laut Rupp auf Dauer entsprechend einem Generationenvertrag stetig und gleichmäßig sein.

Nachfolgenden Generationen sollte es genau so möglich sein, vom Wald zu profitieren wie aktuellen. Stabile Wälder seien die Basis für eine nachhaltig hohe Wertschöpfung, für eine intakte Umwelt und stimmungsvolle Erlebnisse in freier Natur. Ein Betriebsziel bei Hessen-Forst sind nach Angaben des Forstamtsleiters zwar positive Betriebsergebnisse - in Konfliktfällen hätten jedoch stets die Schutzwirkungen des Waldes Vorrang vor den ökonomischen Zielen. Die nachhaltige Holznutzung sei die Haupteinnahmequelle von HessenForst, sie belaufe sich auf rund 75 bis 80 Millionen Euro pro Jahr. Dazu werde der umweltfreundliche, ständig nachwachsende und vielseitig einsetzbare Rohstoff produziert, der in Sägewerken und anderen Betrieben zu Bauholz, Möbeln und anderen Produkten (Zellstoff, Papier, Spanplatten) verarbeitet werde. Daneben gewinne die Verwendung von Brenn- und Energie-Holz an Bedeutung. Nach Einschätzung von Rupp gibt es in jüngerer Zeit vermehrt kritische Stimmen zur Intensität der Holznutzung besonders in älteren Laubholzständen - wie sie auch im Vogelsberg häufig vorkommen. Dazu informierte Rupp, ganz allgemein gelte, dass die hessische Forstwirtschaft bislang nur rund 80 Prozent des laufenden Holzzuwachses von rund zehn Kubikmeter Holz je Hektar im Jahr nutze.

Hessen sei das "Buchenland" der Bundesrepublik und verfüge über doppelt so viel Buchenwälder (30 Prozent) wie im bundesrepublikanischen Durchschnitt (15 Prozent).

Der Buchenanteil im Vogelsbergkreis liege mit 32 Prozent noch etwas über dem Landesschnitt. Das Durchschnittsalter der heimischen Buchenwälder liege bei rund 90 Jahren, das bedeute, dass ältere Buchenbestände überwiegen. Die so genannte Jungwuchsfläche von Buchen unter dem schützenden Schirm der Altbuchen habe in den vergangenen 15 Jahren um rund 1000 Hektar im Kreis auf 3500 Hektar zugenommen. Noch einen Beleg für nachhaltiges Vorgehen hat Rupp parat: Das durch Inventurdaten belegte nachhaltige Nutzungspotential sei nur zu 87 Prozent ausgeschöpft worden. Auf Hessen bezogen liege die Nutzung reifer Buchenbestände (das sind Buchen älter als 140 Jahre) einschließlich der Zwangsnutzung durch Schäden des Orkans "Kyrill" bei 90 Prozent des geplanten Hiebsatzes. Das belege auch, dass hessenweit die Menge alter Buchen (über 140 Jahre) von 1994 bis 2008 um 24 Prozent zugenommen hätten.

Neben Förderung und Erhaltung aller Waldfunktionen durch die sogenannte Mehrzweck-Forstwirtschaft, die ökologische und ökonomische Ziele gleichermaßen verwirkliche, setze sich Hessen-Forst aus guten Gründen für Naturschutz-Schwerpunkte im Staatswald ein. 340 000 Hektar bedeuteten 40 Prozent der hessischen Waldfläche. Auf rund 22 000 Hektar (sieben Prozent der Waldfläche mit Nationalpark Kellerwald, Naturwaldreservaten, Altholzinseln, Biosphärenreservat Rhön sowie Wald außerhalb regelmäßigen Betriebs) werde auf eine Holznutzung vollständig verzichtet. Weil dort die Entwicklung der natürlichen Abläufe und Prozesse Vorrang habe (ungestörte Entwicklung des Waldbodens und der Waldvegetation), spreche man so von "Prozessschutzflächen". Auf weiteren 10 000 Hektar würden besondere Naturschutzanforderungen vorrangig beachtet. Allerdings weist Rupp darauf hin, dass eine Stilllegung weiterer Waldflächen die Option für einen nachhaltigen und vielfältigen gesellschaftlichen Nutzen des Waldes für Waldbesitzer, Forstleute und die Gesellschaft sehr stark einschränken würde. Pflegliche Holznutzung schaffe Arbeit sowie Einkommen und sichere Arbeitsplätze im ländlichen Raum.

So hätten wissenschaftliche Untersuchungen herausgefunden, dass mit der Aufgabe der Forstwirtschaft auf 1000 Hektar Buchenwald der Wegfall von acht Arbeitsplätzen in Forst- und Holzwirtschaft einhergehe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare