Aktive der "Mücker Bürger" sind unter anderem (v. l.) Jörg Schlosser, Katharina Liehr, Willi Peter und Jennifer Schomber. .FOTO: PM
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Aktive der "Mücker Bürger" sind unter anderem (v. l.) Jörg Schlosser, Katharina Liehr, Willi Peter und Jennifer Schomber. .FOTO: PM

Unparteiisch für alle Ortsteile

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Parteien haben es schwer. Die Wahlbeteiligung sinkt beständig, Nachwuchs ist Mangelware. Verbale und auch körperliche Attacken auf Kommunalpolitiker nehmen zu. Da erstaunt es, dass sich in Mücke eine Wählergruppierung gegründet hat, die bei der Kommunalwahl 2021 antreten will. Was die "Mücker Bürger" wollen, stellten sie bei einem InfoAbend am Dienstag vor.

Sie sind völlig offen: Wer am Dienstag im Saal der Gaststätte "Zur alten Mücke" ein Programm und politische Ziele erwartet hatte, wird enttäuscht gewesen sein. Denn die fünf Vertreter der neuen Wählergruppierung "Mücker Bürger" sagten, dass es noch kein großes Wahlprogramm gebe. Nur eines habe man sich vorgenommen: Man will unparteiisch sein. Und die Gruppe will weitere Mitstreiter werben. Optimal wäre, wenn aus jedem Ortsteil mehrere Personen mitmachen würden, damit einzelne Ortschaften nicht benachteiligt würden.

Landwirt Jörg Schlosser aus Nieder-Ohmen, einer der Aktiven, berichtete, man habe sich im Frühjahr zum Abklären der Gründung einer neuen Wählergruppe getroffen, nachdem man vorher schon privat Kontakt gepflegt und festgestellt habe, dass die Parteipolitik in den Mücker Gremien unbefriedigend sei. Denn Parteipolitik habe auf der kommunalen Ebene nichts zu suchen. Es gehe um Ortschaften, für die was zu erreichen sei. "Jetzt werden motivierte Leute gesucht", warb Schlosser und berichtete, "wir haben ein bisschen Vorerfahrung durch die Bürgerliste Nieder-Ohmen, und es gibt bereits weitere ähnliche Gruppen in anderen Ortsteilen. Wir wollen auch nicht vor der Wahl viel versprechen, was dann nach der Wahl nicht eingehalten wird", betonte Schlosser. "Wir wollen die Leute bei der Geschichte mitnehmen."

"Was motiviert uns?", fragte Jennifer Schomber aus Groß-Eichen. "Wir haben alle Interesse an der Politik und an unserer Gemeinde", konstatierte sie. Wichtig sei der Zusammenhalt der Mücker im großen Vogelsbergkreis. Sie kritisierte, dass im seitherigen kommunalpolitischen Alltag in Mücke aus parteipolitischen Gründen Ideen abgelehnt würden, weil sie von einer anderen Partei vorgebracht worden seien. Dem gegenüber strebten die "Mücker Bürger" eine themenbezogene Sacharbeit an, es gelte Förderprogramme zu suchen, die Bedürfnisse aller Ortsteile zu berücksichtigen. In den vergangenen Jahren habe es für einzelnen Ortsteile keine gute Vertretung gegeben. "Und es geht um bürgerschaftliches Engagement", stellte Schomber heraus. Sie nannte ein Beispiel aus ihrem Ort: In Groß-Eichen hat man kürzlich den Ernst-Eimer-Platz neu angelegt und eingeweiht. Das hatte ein Nachbar gesehen und aus diesem Anlass seinen Rasen gemäht, damit auch das Umfeld gut aussieht. Und dass sich Menschen motivieren lassen ist für Schomber sicher. Ein Beispiel sei der große Zulauf bei der Demonstration vor einer Woche in Flensungen gewesen.

Straßenbeiträge Thema bei Wahl

Anja Peter aus Bernsfeld warb: "Wir brauchen Leute, die Ideen haben." Allerdings sollten die Anregungen realistisch bleiben. Wichtig sei, dass alle Ortsteile mitgenommen würden. "Nur alle zusammen werden wir ein Ganzes." "Wo hat der Schuh gedrückt?", fragte Felix Sames aus Merlau nach Anregungen, "was hat einen im vergangenen halben Jahr geärgert?"

Ein Besucher sah das Thema Straßenausbaubeiträge als Thema im kommenden Wahlkampf. Schlosser machte die Denk- und Vorgehensweise der neuen Gruppierung an diesem Beispiel deutlich: Viele Dorfstraßen seien marode, sagte er, zwischen den Ortschaften sei von Land und Kreis inzwischen viel gemacht worden. Jetzt sei es nötig, dass das Land auch innerorts den Kommunen unter die Arme greife. Damit komme man auf das Thema Straßenausbaubeiträge, das in vielen Kommunen diskutiert werde. Wenn man sie abschaffen wolle, bedeute das, dass man einen Finanzierungsvorschlag haben müsse. Und Schlosser ergänzte, auch Kanal- und Wasserleitungen seien marode. Es gehe nicht an, dass nach dem seitherigen Verfahren mehrere zehntausend Euro an armen Senioren hängen blieben. Mit einer Veranlagung über die Grundstücksgröße gehe es jedenfalls nicht. Nach seiner Meinung müsse sich da etwas ändern, das sei aber in der neuen Gruppe noch nicht abgestimmt. Stand in der Gruppe sei, dass man noch einer Lösung sucht.

"Gefühlt ist es seit rund 30 Jahren der gleiche Trott", bewertete ein weiterer Vertreter der neuen Gruppierung die Mücker Kommunalpolitik. Viele wichtige Lebensbereiche seien unterversorgt, etwa der öffentliche Personennahverkehr innerorts. Wenn sein Sohn jetzt in Atzenhain einen Ausbildungsplatz annehmen sollte, stelle sich die Frage, wie ein 16-Jähriger die fünf Kilometer dorthin bewältigen könne.

Es gab auch die Frage, wie man weitere Bürger zum Mitmachen bewegen kann. Dazu sei ein Ansatz direkt auf Bürger zuzugehen, denn der seitherige Sitzungsverlauf eines kommunalpolitischen Gremiums in Mücke sei nicht dazu angetan, das Interesse von Menschen zu wecken. "Schon die Sitzordnung hat mich befremdet, und inhaltlich war das nicht zu verstehen", berichtete eine Frau.

Dazu wies Holger Seng auf die Erfahrungen der Bürgerliste Nieder-Ohmen hin, wonach das persönliche Gespräch das A und O sei. Junge Leute will die neue Wählergruppe über Facebook und Instagram erreichen.

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