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Uniklinik im Omikron-Griff

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Inzwischen sind nahezu alle Covid-19-Patienten am UKGM mit der Omikron-Variante infiziert. © SCHEPP, PM

Milder, dafür aber weitaus ansteckender als vorherige Varianten soll Omikron sein. Davon geht auch Prof. Susanne Herold vom UKGM aus. Für die Uniklinik rechnet die Lungenexpertin und Infektiologin mit steigenden Fallzahlen. Gleichzeitig betont Herold, dass nicht alle Infektionen milde verlaufen.

Jeden Tag verschickt das Uniklinikum eine Meldung mit den aktuellen Covid-19-Zahlen. Am Mittwoch wurden dort 36 Menschen mit Covid-19 versorgt, 15 davon auf der Intensivstation. Werte, die man so von früheren Phasen der Pandemie kennt. Neu hingegen ist etwas anderes, wie Prof. Susanne Herold, Schwerpunktleiterin der Klinischen Infektiologie, betont. »Nahezu alle Patienten haben sich mit der Omikron-Variante angesteckt.«

Am 23. Dezember informierte diese Zeitung, dass im Landkreis Gießen erstmals die Omikron-Variante nachgewiesen worden war. Vier Wochen später hat die neue Mutante die Delta-Variante nahezu vollständig verdrängt und gleichzeitig die Sieben-Tage-Inzidenz in nie dagewesene Höhen getrieben.

»Diese Variante setzt sich rasend schnell durch, und das ist auch in Gießen so«, bestätigt Herold. Das zeige sich auch im Uniklinikum. Regelmäßig werde eine Spezialanalyse durchgeführt, um herauszufinden, mit welcher Variante die Patienten infiziert sind. Seit vergangener Woche sei das nahezu ausschließlich Omikron.

Mangel an Isolationsbetten

Wobei Herold betont, dass nicht alle Patienten, die in der Coronastatistik auftauchen, wegen des Virus in der Klinik liegen. »Es gibt auch Patienten, die wegen einer anderen Erkrankung eingewiesen werden, die dann im Krankenhaus positiv getestet werden oder eben trotz ihrer Infektion wegen anderer Erkrankungen behandelt werden müssen.« Auch UKGM-Pressesprecher Frank Steibli sagt, dass es von solchen Menschen mehrere gebe. »Zeitweise war die Mehrheit der Patienten auf der Normalstation nicht wegen Covid-19, sondern aufgrund anderer Erkrankungen und Verletzungen in der Klinik. Sie wurden zu Beginn ihres klinischen Aufenthalts - manchmal trotz Impfung - positiv getestet.« Diese Patienten hätten zuvor in der Regel keine Symptome gezeigt, trotzdem müssten sie auf der Corona-Normalstation untergebracht werden.

Das hat für den Klinikbetrieb weitreichende Folgen, wie Herold betont. »Auch Patienten, die keine Covid-19-Symptome haben, müssen isoliert werden. Das wird zunehmend schwieriger, da wir damit einen großen Bedarf an Isolationsbetten haben.« Für die Betroffenen ist es Glück im Unglück, dass Omikron in vielen Fällen milder verläuft als etwa die Delta-Variante. Trotzdem mahnt Herold zur Vorsicht. Die bisher vorliegenden Daten stammten vor allem aus Ländern, in denen die Durchimpfung beziehungsweise Durchseuchung weiter vorangeschritten sei als in Deutschland.

Man muss also in Betracht ziehen, dass die milderen Verläufe auch daran liegen, dass viele der Betroffenen geimpft oder genesen sind. Bei Ungeimpften könne der Verlauf auch deutlich schwerer ausfallen. Derzeit zirkuliert Omikron insbesondere unter Kindern und jüngeren Erwachsenen, eine weitere Risikogruppe ist noch gar nicht substanziell betroffen.

Gerade ältere Menschen könnten auch bei Omikron einen Krankheitsschwere ähnlich wie bei der Delta-Variante erfahren. Vor allem, wenn sie an Vorerkrankungen litten. Zudem gebe es immunsupprimierte Menschen, bei denen die Impfung nicht für einen ausreichenden Grund-Immunschutz gesorgt habe, der einen schweren Verlauf verhindern würde. »Daher befürchten wir, dass sich trotz der um circa ein Drittel reduzierten Hospitalisierungsrate von Omikron sowohl die Normal- als auch die Intensivstationen in absehbarer Zeit aufgrund der extrem hohen Infektionszahlen wieder deutlich füllen könnten«, sagt Herold.

Unvorbereitet sei das Krankenhaus auf solch eine Entwicklung aber nicht, diesbezügliche Pläne lägen bereits in der Schublade. Allerdings könnte die Umsetzung schwieriger werden als in vorherigen Wellen, sagt Herold und betont: »Das liegt daran, dass die Personalsituation zunehmend angespannter ist.«

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