Umzug 2020: Viel Wind, wenig Botschaft

Gießen(nal/mac). "Der Wind is kalt und rau. Und mer wisse janz jenau…", tönte die Brings-Hymne "Polka, Polka, Polka" vom Elferratswagen, womit vieles über den Zug der Gießener Fassenachts-Vereinigung (GFV) am Sonntag gesagt ist. In Gießen spielte nicht nur die Polka, sondern der Zug rollte auch - zur Freude der zahlreich erschienenen Narrenschar. Die Zuschauerzahlen blieben zwar hinter denen der letzten Jahre zurück, was vielleicht auch eine Folge der Unwetterwarnungen war, die andernorts (wie in Mücke) zu Absagen der Umzüge geführt hatten, an manchen Stellen aber war das Gedränge am Straßenrand groß. Vor allem vor dem Uni-Hauptgebäude in der Ludwigstraße. "Wir gehen von etwa 70000 Zuschauer aus. Es ist alles ruhig und geschmeidig verlaufen. Auch Sturmschäden gab es keine", sagte Christof Fritz vom Führungsdienst des Polizeipräsidiums am Sonntagabend. Wie in jedem Jahr habe es wieder ein "Fundkind" gegeben. Dies sei mittlerweile aber auch wieder bei den Eltern gelandet.

Traditionsgemäß führte Zugmarschall Bernd Hachenberger mit seiner Lokomotive den Lindwurm mit seinen fast 1500 Teilnehmern an. Eine offizielle Gedenkminute an die Opfer von Hanau habe es zwar nicht gegeben, sagte Hachenberger, aber gemeinsam mit Elferrat, Polizei und Ordnungsamt habe er vor dem Start eine kleine Schweigeminute abgehalten. Einzig der Magistratswagen, von dem Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und Bürgermeister Peter Neidel grüßten, hatte an den rechtsextremistischen Terror von Hanau erinnert. "Gießen sagt Nein zu Rassismus und Ja zu Vielfalt" war dort zu lesen.

Der zum Teil stark wehende Wind führte dazu, dass die Kopfbedeckungen der Zugteilnehmer besonders gesichert oder festgehalten werden mussten, damit es nicht hieß "Vom Winde verweht". Der einzige echte Motivwagen kam aus Krofdorf-Gleiberg. Die dortigen Fastnachtsfreunde hatten zum Thema Samba einen Papageienkopf mit Sambaschönheit gebaut und warben damit auch für ihren Zug am Dienstag. Bereits am heutigen Rosenmontag findet der Zug in Marburg statt, für den das Prinzenpaar aus der benachbarten Universitätsstadt warb. In den Dschungel ging es bei den Narren aus Niederwalgern, die Bananen verteilten. Ein Doppel grüßte aus dem Wagen der Partnerstädte Gießens, mit Wagen und Fußgruppen beteiligten sich Gruppen und Vereine aus Beuern, Burkhardsfelden, Großen-Buseck, Großen-Linden, Heuchelheim, Krofdorf-Gleiberg, Leihgestern, Lollar, Mainzlar, Rodheim, Ruttershausen, Watzenborn-Steinberg und Wißmar sowie aus der Wetterau. Gießen war mit den Musikzügen Hansa, Melodia und Zauberklang dabei, den Narren von St. Bonifatius, einer großen Abordnung der Fünfziger, zahlreichen Gruppen des Tanzclub 74 und natürlich von der GFV. Diese war mit elf Wagen vertreten. Es war vor allem die Kutsche des Prinzenpaares, die umjubelt wurde, als Prinz Sebastian I. und Prinzessin Carina I. grüßten.

Der neue Wagen der Ex-Prinzenpaare in Form eines Schlosses erstrahlte trotz grauem Himmel in ganz neuem Glanz. Alles was Rang und Namen hat war auf den unterschiedlichen GFV-Wagen mit dabei, ob Ehrensenatoren oder Präsident Arndt Niedermayer. ALLE FOTOS: SCHEPP

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