"Wackere neue Welt"

Umweltpolitischer Ausblick und Aufruf

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Auch nach dem "Sündenfall A 49", bei dem letztlich die naturschädlichste Variante zum Tragen kam, wird der vielfach gehegte Wunsch einer umweltpolitischen Wende eher nicht in Erfüllung gehen, wie ich fürchte: Die gleichen Fehler drohen sich an anderer Stelle und in anderen Bereichen zu wiederholen: maßloser Ausbau von Infrastruktur, unsachgemäße Standortwahl - beides v. a. zulasten unserer Wälder! Dabei wird der Ausbau der erneuerbaren Energien, allen voran die Windkraft, den Schwerpunkt bilden.

Keine Frage, er dient dem Klimaschutz. Dem Umweltschutz insgesamt dient er damit aber nicht unbegrenzt: Ab einem gewissen Umfang (v. a. Zahl der Windkraftanlagen) überwiegt der Schaden (Eingriffe in Natur und Landschaft) gegenüber dem Nutzen - denn Klimaerwärmung bewirkt zwar unerwünschte Veränderung der Natur in beträchtlichen Ausmaß, aber nicht deren Ende - das gilt auch für den Wald.

Sparsamerer Umgang mit Energie und weniger motorisierter Individualverkehr müssten vor diesem Hintergrund mindestens ebenso wichtige Eckpfeiler einer umweltpolitischen Wende sein. Im Zusammenhang mit Standortentscheidungen wären außerdem die etablierten Methoden der Umweltverträglichkeitsstudien dringend dahingehend zu reformieren, dass die Bedeutung der Wälder für Wasser, Boden, Klima, Tier- und Pflanzenwelt stärker beachtet und siedlungsnahe Räume nicht a priori und obligatorisch aufgewertet würden.

Also liebe Naturfreunde: Werden sie politisch aktiv, sei es in ihrer bisherigen Partei oder notfalls auch bei der Neugründung einer Partei. Fordern Sie dabei auch Reformen der parlamentarischen Demokratie: Direktwahl wichtiger Fachausschüsse der Parlamente, mit der Option, für verschiedene Ausschüsse auch verschiedene Parteien zu wählen; mehr plebiszitäre Elemente. Das alles bietet am Ende vielleicht sogar die Chance einer Neukombination politischer Inhalte und einer größeren Schnittmenge der in o. g. Sinne für die Umwelt eintretenden Wähler (die ansonsten vielleicht verschiedenen Richtungen angehören).

Einer Partei, die vielleicht schon bald aus der Bewegung Fridays for Future hervorgehen wird, sollten Sie das Feld umweltpolitischer Alternativen vorerst nicht alleine überlassen. Diese Bewegung hat sich zwar wie andere für den "Danni" eingesetzt und mag auch deswegen zunächst glaubwürdiger erscheinen als jüngst die Grünen in der Verkehrspolitik. Ihr kompromissloses Eintreten für den Klimaschutz lässt aber einen überzogenen Ausbau der Windenergie und damit auch einen zu hohen Waldverbrauch befürchten (Rodungsflächen + Randschäden + induzierte Sturmschäden + Zuwegung + temp. Hilfsflächen) - noch mehr als bei den Grünen.

Armin Ruckelshausen, Alsfeld

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