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»Wasser frei« für Kernstadt

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Von: Joachim Legatis

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Bürgermeister Schneider (rechts) und Jan Utes vom Bauhof am Brunnenkopf des Tiefbrunnens Ulrichstein. ARCHIVFOTO: JOL © Joachim Legatis

Ulrichstein (jol). Endlich ist sie da, die Genehmigung zum Betrieb des Trinkwasserbrunnens Ulrichstein. Damit gibt das Regierungspräsidium Gießen die neue Wasserversorgung für die Kernstadt frei. Das Dokument kam dieser Tage im Rathaus an und ist der Schlusspunkt unter einer dreijährigen Bauzeit mit vielen Rückschlägen.

Nun aber ist Bürgermeister Edwin Schneider überaus zufrieden, denn die Stadt verfügt jetzt über die Erlaubnis, 10,8 Kubikmeter Wasser pro Stunde aus dem fast 200 Meter tiefen Bohrloch am Hochbehälter zu fördern. Das reicht für den Bedarf der Kernstadtbewohner, der um neun bis zehn Kubikmeter stündlich kreist.

Als Reserve für Zeiten mit hohem Bedearf sollen fünf von bislang sechs Schürfquellen der Stadt in Betrieb bleiben. Hierfür werden die Gestattungen für die Wasserschutzzonen überarbeitet.

Die Schürfquellen waren der Anlass dafür, den neuen Tiefbrunnen zu bohren. denn die oberflächennahen Quellen verkeimen in trockenen Monaten und trocknen schon einmal aus.

So suchten bereits 2016 und 2017 Experten im Auftrag der Stadt nach einer neuen Versorgungsmöglichkeit. Dabei gab es eine Reihe von Fehlschlägen. So erinnert Schneider an zwei fehlgeschlagene Bohrungen und die Prüfung eines Brunnens, den das Land Jahre zuvor hergestellt hatte. Allerdings fand man kein Wasser. Immerhin konnte in Rebgeshain Ersatz für einen eingestürzten Brunnen geschaffen werden.

Bis in 199 Meter Tiefe gebohrt

2017 diskutierte man in der Stadtpolitik über sechs Varianten, wie das begehrte Nass erschlossen werden kann. Da standen unter anderem ein Flachbrunnen im Oberwald und ein Anschluss an den Brunnen Helpershain zur Debatte. »Dann habe ich einen Fernsehbeitrag über die Sucherfolge der Firma retagg gesehen und die eingeladen«, erinnert sich Schneider.

Im Frühjahr 2018 kamen Experten der Firma für Bodenprüfungen vorbei und untersuchten den Bereich am Hochbehälter Ulrichstein. An zwei Stellen fanden sie »tektonische Störzonen«, das sind Spalten im Untergrund, durch die Wasser aus tiefer liegenden Schichten nach oben steigt.

Das Suchverfahren ist allerdings umstritten. So erinnerte sich Schneider, »der Landesgeologe hat mich belächelt und gesagt, da ist kein Wasser«. Er hat sich geirrt, die Ergebnisse der retagg-Experten waren sehr genau. »Sie haben gesagt, wir finden in 19 Metern Tiefe Wasser, und das hat fast exakt gestimmt«, sagt Schneider.

Die Bohrarbeiten haben länger gedauert als gedacht, was aber nicht an der Bodenbegutachtung liegt. Um eine hinreichende Wassermenge für den Dauerbetrieb zu bekommen, wurde in Etappen bis in 199 Meter Tiefe weitergebohrt.

Dabei gab es immer wieder Unterbrechungen. Mit retagg vereinbart war eine Wassermenge von zwei Litern pro Sekunde, die der Brunnen leisten muss. Pumpversuche ergaben eine Ergiebigkeit von über 3 Litern pro Sekunde.

Die Schwierigkeiten endeten noch nicht. So hat sich im vergangenen Jahr nach Abschluss der Bohrung die Hilfsverrohrung so verkeilt, dass sie nicht so einfach nach oben gezogen werden konnte. Erst mit schwerem Gerät konnten die Röhren herausgeholt werden. Dann dauerte es eine Weile, bis die Edelstahlröhren für den Schacht geliefert und eingebaut waren.

Und schließlich tat sich in 59 Metern Tiefe ein Spalt in der Verrohrung auf. Durch ihn rieselte Filterkies in den Schacht, zusätzlich zu dem Kies, der bis auf ein Niveau von 176 Metern eingebracht ist. Die überflüssigen Steinchen mussten herausgesaugt werden. Darauf wurde der Schacht im Bereich des Spalts ausgemessen. »Es dauerte noch mal drei Monate, diesen Spalt mit der Spezialmanschette abzudichten«, berichtet Bauhofmitarbeiter Jan Utes. Er ist froh, dass der Brunnen nun trotz aller Widrigkeiten ausgebaut ist.

Der Brunnenkopf steckt in einem bauchhohen Gehäuse auf dem Gelände des Hochbehälters. Bei geöffneten Türen ist der Deckel des Brunnenschachts zu sehen, von dem aus eine armdicke Leitung aus blauem Kunststoff in der Erde zum Hochbehälter weitergeführt wird.

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