+
Viele Besucher warfen gern einen Blick in den Stall von Bernd und Andrea Weiß. (sf)

Viele machten Ausflug zur Biogasanlage von Betrieb Weiß

Ulrichstein-Unter-Seibertenrod (sf). Hunderte Besucher nutzten die Gelegenheit, auf dem Hof von Familie Weiß Landwirtschaft hautnah zu erleben. Auf besonderes Interesse stieß die Biogasanlage.

Die Besucher konnten sich aus erster Hand informieren, wie Tiere gehalten werden, was auf Wiesen und Feldern wächst und wie heutige Landwirte mit Maschinen arbeiten. Kinder und Erwachsene lernten viel über den Ursprung von Lebensmitteln. Der Tag des offenen Hofes bietet Direktvermarktern die Chance, Verbrauchern die landwirtschaftliche Produktion näher zu bringen. Gleichzeitig erhalten Verbraucher einen Einblick in den landwirtschaftlichen Alltag.

Zum Auftakt gestalteten Pastor Matthias Schmidt und Giselher Samen einen Erntedankgottesdienst. Der Posaunenchor begleitete die Feier in der Maschinenhalle.

20 Jahre besteht nun die Biogasanlage bei Bernd und Andrea Weiß und das war Anlass für den "Tag des offenen Hofes". Bernd Weiß stellte besonders seine Mutter Hertha heraus, die im Betrieb mithilft. Das Jahr 1986 war für Bernd Weiß sehr prägend. Er und Andrea Weiß heirateten, man entschloss sich auszusiedeln und begann mit Schweinemast. Als die Schweinepreise fielen setzte man sich mit der alternativen Landwirtschaft auseinander. 1992 wurde Brot im Backhaus gebacken, man schlachtete Schweine und verarbeitete sie zu Wurst. Ideengeber dafür war Vater Helmut, sie gründeten einen Direktvermarktungsbetrieb.

Im Jahr 1995 kam die Biogasanlage hinzu, die eine elektrische Leistung von 75 kWh liefert. Im selben Jahr errichtete die Familie ein eigenes Backhaus und feierte das erste Hoffest. 1998 gab man die Milchviehaltung auf und baute einen Mutterkuhstall für "Deutsche Angus".

Neun Mitarbeiter im Betrieb

2003 verstarb Helmut Weiß sehr plötzlich und der Familienbetrieb Weiß musste sich neu orientieren. Nach reiflicher Überlegung wurde die Direktvermarktung weiter ausgebaut. 2005 wurde vom Verband der Direktvermarkter die Marke "Landmarkt" ins Leben gerufen. Die Produkte aus dem Betrieb Weiß kann man in 22 Rewe-Märkten im Landmarkt-Bereich kaufen. Zu den Produkten zählen Wurst vom Schwein und Rind sowie Bauernbrot und Bio-Angusrindfleisch. Verkaufsfahrzeuge beliefern Kunden direkt. Die Biogasanlage wurde 2006 von 75 kWh auf nunmehr 265 kWh erweitert.

Der Betrieb hat mittlerweile 8 bis 9 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit. Zur Zeit bewirtschaftet die Familie eine Fläche von 230 Hektar. Der größte Flächenanteil ist Grünland, denn dort wächst das Futter für die Biogasanlage nach. Bernd Weiß ist für Erneuerbare Energien, fühlt sich aber von der Politik etwas verschaukelt. Der Satz "Atomkraft, Nein danke" reicht nicht aus. "Wann wird endlich auch hierbei von der Seiten der Politiker Verantwortung mit Weitblick übernommen," fragte er. Der Betrieb Weiß hält 40 Mutterkühe und deren Nachzucht sowie 90 bis 100 Mastschweine, die selbst verarbeitet werden.

Bernd Weiß hob besonders den Einsatz seiner Frau Andrea und der Mitarbeiter hervor, denn so ein Tag des offenen Hofes "muss auf vielen Schultern getragen" werden. Zu essen gab es hofeigene Produkte, dabei wurde die Helfercrew vom Team Big Evens aus Ober- Seibertenrod unterstützt. Die Landfrauen aus Unter-Seibertenrod hatten 50 Kuchen gebacken, über 60 Helferinnen und Helfer waren im Einsatz.

Kreisbeigeordneter Gerhard Ruhl sagte, der Betrieb Weiß habe die Zeichen der Zeit erkannt und sich Standbeine neben der Landwirtschaft gesichert. Früher hätten fast alle Familien eine kleine Landwirtschaft zum Überleben betrieben, heute hätten Betriebe eine ganz andere Dimension. Er monierte, dass man heute immer mehr produzieren soll, dass Lebensmittel billiger werden und dass viele weggeworfen werden. Die Wertschätzung fehle. Der Verbraucher solle sich mit den Produzenten treffen.

Es sei sehr wichtig, die Kunden und die Bevölkerung einzubeziehen, lobte der CDU-Landtagsabgeordnete Kurt Wiegel Familie Weiß. An der Direktvermarktung hänge ein ganzes Management, aber die Kunden wissen dann auch, dass sie regionale und Bioprodukte kaufen. Es gebe inzwischen überall Bürgerinitiativen gegen das "Vermaisen" der Landschaft. Wiegel sagte, dass nicht mehr Mais als in den 80er Jahren angebaut würde. Dass Betriebe nicht zu Preisen wie im Discounter produzieren können, müsse jedem klar sein. Immerhin sei trotz der großen Trockenheit keine schlechte Ernte eingefahren worden. Die Schlitzer Kornkönigin überreichte Bernd Weiß eine Flasche Korn.

Hüpfburg und Infos zu Biogas

Bürgermeister Edwin Schneider verwies auf die Entwicklung im Agrarbereich. Früher habe ein Pullfass 3000 Liter umfasst, heute sind es in einem Fasswagen 18000 Liter. Die Stadt Ulrichstein stellt jedes Jahr 30000 Euro bereit für Ausbau und Erhaltung von Feldwegen. Er dankte den Jagdgenossenschaften für Unterstützung. Man müsse Landwirten für die Landschaftspflege danken. In die Biogasanlage von Bernd Weiß würden Gras und Mist mit einem kleinen Prozentsatz Mais eingebracht. Der Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes Karsten Schmal sagte, dass Landwirte im Land sehr innovativ seien. Solch ein Hoffest sei eine tolle Sache, denn dort kommen die Verbraucher mit dem Produkthersteller ins Gespräch. Er brach eine Lanze für Bauern, die noch nie so gut wie heute ausgebildet sind. Auch die Haltung der Tiere sei gut.

Das Hoffest bot viel: Für die Kinder gab es eine Hüpfburg, Streichelzoo, Kinderschminken, Kuhmelken und Tretschlepper-Parcours. Firma Löffler präsentierte die Hackschnitzelanlage und Birgit Eppler aus dem Schwarzwald nahm sich Zeit für die Führungen bei der Biogasanlage. Es stand ein Präsentationsbus bereit, dort konnte man die einzelnen Schritte der Biogasanlage verfolgen. Im Außenbereich gab es eine Maschinenausstellung, die ebenfalls auf großes Interesse stieß. Das Gewicht eines Bullen konnte geschätzt werden. Den Hoftag nutzten viele Sonntagsausflügler zu einem Blick auf das "wahre" Bauernhofleben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare