Ulrichstein soll zweiten Arztsitz bekommen

Ulrichstein (au). "Steter Tropfen höhlt den Stein". Dieses alte Sprichwort ist auch in Hessens Bergstädtchen Wahrheit geworden. Bereits in der konstituierenden Sitzung des Parlaments waren Beschlüsse zum Thema "Ärztliche Versorgung" gefasst worden.

Gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung wurde der dringende Bedarf eines weiteren Kassensitzes in der Großgemeinde Ulrichstein deutlich gemacht. Eine Resolution wurde im November an Vertreter des Ministeriums und der Kassenärztlichen Vereinigung überreicht.

Jetzt können Stadt und ihre Kommission einen ersten Erfolg verbuchen. Die Kassenärztliche Vereinigung hat mitgeteilt, dass sie die Verlagerung eines Arztsitzes aus der Stadt Schlitz nach Ulrichstein zum 1. April in die Praxis von Dr. Wolfgang Krell empfiehlt. Eine endgültige Entscheidung trifft der Zulassungsausschuss am 28. März.

Eine Schieflage der ärztlichen Versorgung hatte sich bereits 2008 abgezeichnet, als innerhalb der Großgemeinde eine von drei Praxen für Allgemeinmedizin geschlossen wurde. Zur gleichen Zeit schloss in der Nachbargemeinde Lautertal eine Praxis für Allgemeinmedizin. Beides führte schon zu diesem Zeitpunkt zu einer ärztlichen Unterversorgung. Als Mitte des Vorjahres kurzfristig eine weitere Praxis für Allgemeinmedizin schloss und der Arztsitz nach Schotten verkauft wurde, verschlechterte sich die Versorgung weiter. Mit der Bildung einer "Ärztekommission" wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt um das Dilemma zu beheben.

Doch noch ist man nicht am Ziel, denn der Weg soll in Richtung Ärztehaus oder Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) gehen. Am Dienstag hat deshalb die Kommission folgende Beschlussempfehlung für die Stadtverordnetenversammlung einstimmig gefasst: Die Kommission empfiehlt für die Sicherstellung der Planung und des Aufbaus eines Ärztehauses bzw. Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) die Zusammenarbeit mit dem Mediziner und Gesundheitsökonom Dr. Stracke, der das Projekt fachlich und rechtlich begleiten soll. Mit Dr. Stracke, der bereits einen Leitfaden für die Einrichtung eines Ärztehaus/MVZ für Ulrichstein erstellt hat, sind Honorarverhandlungen zu führen. Die Kommission spricht sich für eine baldige Durchführung eines Beratungsgespräches zur Planung eines Ärztehauses/MVZ unter Mitwirkung von Dr. Stracke und dem Planungsbüro Keil & Kistler aus, an dem neben Vertretern der Stadt und der Kommission auch die örtlichen Ärzte Dr. Wolfgang Krell und Dr. Dietmar von dem Borne sowie die Physiotherapeutin Ute Grimm teilnehmen sollen".

Die Kommission empfiehlt die umgehende bauliche Vorplanung bis zur Erstellung von genehmigungsreifen Bauplänen für die Errichtung eines Ärztehauses mit mehreren Praxen und Räumen für die Physiotherapie".

Das Hauptaugenmerk soll auf ein Ärztehaus gelegt werden. "Vorbereitungen für die Stunde X, wenn Ärzte bereit stehen, müssen getroffen werden", meinte Bürgermeister Edwin Schneider. Er informierte, dass Mitte Februar ein Antrag auf Unterversorgung gestellt wurde, um die finanzielle Förderung von bis zu 50 000 Euro bei der Niederlassung von Ärzten in unterversorgten Gebieten zu erhalten. Dr. Wolfgang Krell wies darauf hin, dass er weiter Patienten aufnimmt: "Jeder, der zu mir kommen will, kann kommen. Es werden keine Patienten weggeschickt".

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