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Touristiker Andreas Rüb ist immer wieder im Gespräch über Verbesserungen der Wanderwege, so mit Astrid Lünse vom VHC (oben) – Große Info-Tafeln zeigen den Wanderern die Wege ab dem Lindenplatz. (jol)

Ulrichstein setzt jetzt auf Wohnmobilisten und Wanderer

Ulrichstein (jol). Schöne Landschaft und ein paar Gaststätten reichen heutzutage nicht mehr, um Touristen zu einem Aufenthalt zu bewegen. In Zeiten günstiger Türkei-Flüge und bezahlbarer Traumschiffsfahrten muss eine Stadt wie Ulrichstein ihre Nischen suchen, alte Rezepte helfen nicht weiter. So setzt sie erfolgreich auf Premium-Wanderwege und Qualität für Wohnmobilfahrer.

Die Fäden laufen hier bei Andreas Rüb zusammen, der in der Stadtverwaltung für Tourismus und das Museum im Vorwerk zuständig ist. Als ehrenamtlicher Vulkanführer ist er auch in der Freizeit in Kontakt mit Vogelsberg-Besuchern. Er sieht Fortschritte für den Fremdenverkehr im Ort. Das war nicht immer so, denn Ulrichstein hat schon herbe Einbrüche erlebt.

Rüb registriert an vielen Wochenenden einen voll besetzten Parkplatz am Rathaus. Viele Menschen aus der weiteren Umgebung nutzen den geräumigen Platz als Start für eine ausgedehnte Wanderung. Erleichtert wird das durch eine hervorragende Markierung, die ein externer Dienstleister dreimal jährlich nachmarkiert. Er pflegt auch die Wege. Denn es wachsen immer wieder Wirtschaftswege am Wald zu, weil sie von Landwirten und Forst nicht mehr genutzt werden. Der Aufwand wird honoriert. Wanderer legen Wert auf gute Zugänglichkeit und auf Information, wie Rüb aus Rückmeldungen erfährt. "Die Weitblicktour ist eine der am meisten genutzten Strecken im Hohen Vogelsberg." Mit dem Aufkommen der E-Bikes steigt auch die Zahl der Radler an. Vordem haben die Steigungen abgeschreckt.

Zweite Stromsäule kommt

Ein weiteres Pfund ist der Wohnmobil-Stellplatz, der im vergangenen Jahr bereits von 572 Fahrzeugen genutzt wurde. Im Jahre 2010 waren es nur 123 Fahrzeuge gewesen, aber die schöne Lage neben dem Badebiotop hat sich wohl herumgesprochen. Bestes Indiz für die gute Auslastung: Er wird demnächst mit einer zweiten Stromsäule ausgestattet, damit mehr Wohnmobilfahrer gleichzeitig gute Bedingungen finden.

So hat die Stadt mit einem eher kleinen Budget eine Nische im Tourismus gefunden, auch wenn die Erfolge nicht so direkt messbar sind wie das früher über die Übernachtungszahlen ging. Aber Rüb sieht an sonnigen Wochenenden immer wieder gut gefüllte Gaststätten und er meint: "Fremdenverkehr ist Wirtschaftsförderung." Werbung für die Stadt sind auch überregionale Veranstaltungen im Museum im Vorwerk, ganz besonders der Ostereier- und Adventsmarkt sowie die hochkarätigen Veranstaltungen "Hexenwerk" und "Ritterswerk".

Reiseverhalten hat sich geändert

Noch in den 1980er und -90er Jahren waren die Übernachtungszahlen das Maß aller Dinge. Vor allem im Ferienpark Burgblick herrschte Betrieb. Reisegruppen aus den Niederlanden und Belgien kamen busseweise zum Erholen und Feiern. "Da war an den Wochenenden richtig Remmidemmi mit Musik und allem Drum und Dran", so Rüb.

Seit Anfang der 1990er Jahre wurde das aber immer weniger attraktiv und die Belegungszahlen im Burgblick gingen spürbar zurück. Heute kann man dort nur noch wenige Ferienhäuser mieten, die Übernachtungszahlen sind niedrig. Das hat mehrere Gründe, so Rüb. Die Menschen können günstig in den Urlaub nach Mallorca oder in die Türkei fliegen, im Ferienpark wurde eventuell nicht genug investiert, um eine größere Attraktivität zu erreichen. Andere Ferienregionen sind attraktiver und das Reiseverhalten generell hat sich gewandelt.

Als dann im Jahre 2012 das evangelische Jugend- und Freizeitheim den Betrieb einstellte, knickten die Übernachtungszahlen weiter ein. So kamen 2012 noch 13 300 Gäste nach Ulrichstein, 2014 nur noch 8 100. Ein Grund: Die Statistik erfasst nur Betriebe mit mehr als zehn Betten und von denen gibt es im Stadtgebiet nur eine Handvoll, so Rüb. Wenn dann ein Haus wegfällt, macht das in der Statistik gleich viel aus.

Im Lauf der Jahre haben zudem aus Altersgründen einige Ferienhausvermieter aufgehört. Ferienwohnungen haben allerdings viel Potenzial für einen guten Nebenverdienst, so Rüb. Dann muss man allerdings auf den einschlägigen Internetseiten werben und einen passenden Standard bieten.

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